Anrufer sind genervt : Telefone stehen seit Tagen still

Nur über ein einziges Handy ist die Firma  Clausen zu erreichen. Sönke Mommsen: „Keiner weiß, was hier los ist.“
Nur über ein einziges Handy ist die Firma Clausen zu erreichen. Sönke Mommsen: „Keiner weiß, was hier los ist.“

Besonders hart betroffen von einer Telefon-Störung sind die Gewerbetreibenden in Bordelum. Ohne Telefon, Fax und Internet können sie weder Waren ordern noch den Kontakt mit Kunden halten.

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13. November 2013, 19:15 Uhr

In Bordelum bleiben seit Tagen dutzende von Telefonen still. Ein Kabel der Telekom ist beschädigt. Das Fatale: Wer bei den betroffenen Teilnehmern anruft, hört stets ein Besetzt-Zeichen. „Ja, telefonieren die denn nur noch?“ hat schon mancher Zeitgenosse gestöhnt und irgendwann entnervt aufgebeben. Schlimm für Privatpersonen, aber eine Katastrophe für Gewerbebetriebe.

Arnd Jansohn, Inhaber der Baugesellschaft Bahne Petersen in Ost-Bordelum, ist entsprechend auf der Zinne. „Telefon, Faxgerät, Internet – alles tot“, schimpft er. Für seinen Betrieb hat das gravierende Folgen. „Wir haben schon einen Auftrag verloren“, berichtet der Unternehmer. „Der Kunde konnte uns nicht erreichen und ging zum Mitbewerber.“ Die Arbeit auf den Baustellen läuft wie gewohnt weiter, aber seine drei Mitarbeiter im Büro drehen zwangsläufig Däumchen. „Eine Woche Komplett-Ausfall, das hat extreme finanzielle Einbußen für uns“, macht Jansohn klar. Was er nicht verstehen kann: „Wenn wir auf der Baustelle ein Kabel beschädigen, haben wir das spätestens bis zum Abend in Ordnung gebracht.“

Das Dilemma hatte am Sonnabend begonnen. Von den meisten Bürgern erst unbemerkt, sprach es sich dann von Nachbar zu Nachbar herum. Sönke Mommsen von der Firma Peter Clausen Landtechnik bekam gegen 19.15 Uhr Bescheid: „An der Telefonanlage blinkt alles rot.“ Aber die Firma mit ihren fünf Filialen hat noch Glück im Unglück: Vor Jahren ließ sie ein Glasfaserkabel von Bredstedt nach Bordelum legen. So ist sie jetzt die einzige im Ort mit funktionierendem Internet. Aber Telefon und Fax sind auch dort tot. Sämtliche Anrufe landen per Umleitung auf einem einzigen Handy. „Das wird noch spannend, wer da die Gebühren bezahlt“, meint Mike Gade, der IT-Fachmann des Hauses. Nur noch im Dauerlauf ist Kollegin Jutta Iversen unterwegs. Sie nimmt die Anrufe entgegen und spurtet in eiligen Fällen mit dem Handy ins Lager, zur Werkstatt, in den Verkaufsraum, zur EDV... „Anstrengend“, sagt sie, „und zu meiner eigentlichen Arbeit komme ich gar nicht.“ Sönke Mommsen und die anderen Mitarbeiter sind damit beschäftigt, die gespeicherten entgangenen Anrufe mit ihren Handys zu kontaktieren. Mommsen: „Die Kunden sind genervt. Keiner weiß, was hier los ist.“ Auch er hat keinerlei Info bekommen. „Wir tappen alle im Dunkeln.“

Immerhin: Am Mittwoch Nachmittag meldete sich ein Telekom-Mitarbeiter bei Arnd Jansohn. Die Tiefbau-Firmen, die bei der Telekom unter Vertrag sind, seien durch die Sturmschäden überlastet. Frühestens Freitag könne der Schaden in Bordelum behoben werden. Jansohn hält dagegen: „Wir kriegen einen Tiefbauer in zwei Stunden ran.“ Er will nun prüfen lassen, ob die Telefongesellschaft nicht verpflichtet ist, einen Schaden innerhalb von 24 Stunden zu beheben.

Heike Boysen hat noch ganz andere Sorgen. Sie arbeitet an der Rezeption des Mutter-und-Kind-Kurheims Norderheide. Das Telefon des Heims funktioniert, aber das ihres Vaters nicht. Der 85-jährige Senior wohnt nur etwa 100 Meter weiter. Per Notfall-Knopf kann er Hilfe holen, wenn es ihm nicht gut geht. Aber das System klappt natürlich nur, wenn das Telefon funktioniert.

Auf Anfrage der Husumer Nachrichten teilte die Telekom mit, dass ein umgestürzter Baum ein Kabel im Erdreich beschädigt habe. Die Störung solle bis Donnerstag Nachmittag behoben sein.

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