Niebüll : Teddy sucht nach dem Sinn des Lebens

 Erzählerin Katinka Springborn mit Teddy Washable in Aktion. Foto: Ulrich Jeß
Erzählerin Katinka Springborn mit Teddy Washable in Aktion. Foto: Ulrich Jeß

Michael Endes "Der Teddy und die Tiere" war Vorlage für eine Aufführung des Landestheaters und des Landessinfonieorchesters. 200 Kinder lauschten den Darstellern gespannt.

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27. November 2008, 07:08 Uhr

Niebüll | Zum dritten Mal erfreuten Mitglieder des Landestheaters und des Landessinfonieorchesters Schleswig-Holstein auf Einladung des Vereins "Pro Musica Niebüll" noch nicht schulpflichtige Kinder mit einem einfühlsam gestalteten Spiel. Die Handlung wurde von Musik für Instrumente der klassischen Musik umrahmt und getragen.

Die zwei Aufführungen wurden von je 100 Mädchen und Jungen aus sechs in Niebüll, Risum-Lindholm und Klixbüll beheimateten Kindergärten besucht. Sie erlebten in der Aula der Fachschule für Sozialpädagogik der Beruflichen Schule Niebüll die von Michael Ende erdachte Geschichte "Der Teddy und die Tiere." Der Verein "Pro Musica" wolle Kindern, solange sie der klassischen Musik gegenüber noch völlig unbefangen seien, den Klang der dort eingesetzten Instrumente und Eindrücke von ihrem Zusammenspiel nahe bringen und sie dadurch langfristig als Zuhörer für Konzerte gewinnen, so Detlef Eulenberger. An der Vorbereitung der Kinder auf das Spiel seien in den Kindergärten einmal mehr Schülerinnen der Fachschule für Sozialpädagogik beteiligt gewesen.
Unterstützung durch Streichquartett
Gekleidet und geschminkt wie ein Clown, agierte Katinka Springborn als gelegentlich zaubernde Erzählerin, die sich auch stets in der Art der Tiere bewegte, von denen sie berichtete. Sie verstand es, die Kinder zu faszinieren. Dabei wurde sie durch die sauber intonierte und meisterlich interpretierte Musik des Streichquartetts - Ye Wu (1. Violine), Guanlin Li (2. Violine), Beate Pflüger (Viola) und Andreas Deindörfer (Violoncello) - wirksam unterstützt. Die lautmalerisch eingesetzten Instrumente charakterisierten in den überwiegend extra für dieses Stück geschriebenen Kompositionen die angesprochenen Tiere.

Die Handlung beginnt damit, dass ein alter Teddy namens "Washable", dessen Besitzer schon seit Jahren nicht mehr mit ihm spielt, den ganzen Tag gedanken- und ziellos auf dem Sofa sitzt und Löcher in die Luft guckt. Eines Tages wird er von einer Fliege gefragt, wozu er eigentlich da sei. Da er darauf keine Antwort weiß, macht er sich auf, viele verschieden Tiere nach dem Sinn ihres Daseins zu befragen. Das Huhn lässt ihn wissen, es sei einfach dazu da, Eier zu legen. Der majestätische, wenngleich unerträglich arrogante Schwan gibt an, er sei nur auf der Welt, um schön zu sein. Derweil spielt das Quartett eine zauberhafte Komposition aus dem "Karneval der Tiere" von Saint-Saens. Der Kuckuck preist das Zählen von Rufen seiner Artgenossen, der Fink das Baden in dreckigen Pfützen und der behäbige Elefant seine Vorliebe, über den Sinn seines Lebens nachzudenken, als erstrebenswertes Lebensziel. In den Augen des Schmetterlings ist nur derjenige etwas wert, der sich vom Ei ausgehend über die Raupe und deren Verpuppung immer höher entwickelt.
Kastagnetten symbolisierten Klapperschlange
Die - zur Gaudi der Kinder - zu einem wilden Boogie-Woogie Gymnastik treibende Schildkröte sieht den Sinn ihres Lebens darin, regelmäßig Sport zu treiben. Die - von Kastagnetten akustisch dargestellte - Klapperschlange hält es für den Sinn ihres Lebens, andere Lebewesen zu verdauen. Da Teddy nur Schaumstoff und Sägemehl im Bauch habe, sei er also völlig wertlos.

In großer Sorge, eines Tages weggeworfen zu werden, begegnet ihm ein armes Mädchen in einem geflickten Kleid. Es fragt Teddy Washable: "Willst du mir gehören?" und macht ihn dadurch glücklich. Denn er erkennt: Der Sinn seines Lebens besteht darin, jemandem anzugehören, der ihn mag und den er lieb haben kann.

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