Bachblyten-Festival in Schwesing : Techno-Beats statt Fluglärm

Gestalten mit viel Enthusiasmus das Festival-Gelände: das Aufbau-Team.
Gestalten mit viel Enthusiasmus das Festival-Gelände: das Aufbau-Team.

Vom 3. bis 5. August findet auf dem Schwesinger Flugplatz das Bachblyten-Festival statt, zu dem 3000 Fans elektronischer Musik erwartet werden.

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27. Juli 2018, 13:00 Uhr

Grillenzirpen und ein entferntes Motorenrauschen – das ist das einzige, was hier auf dem Schwesinger Flugplatz-Gelände zu hören ist. Auf ein schlichtes Holzschild am Eingang hat jemand per Hand „Bachblyten“ geschrieben. Es zeigt auf einen Schotterweg. Und auf dem sollte man auch lieber bleiben, wenn man die zirka 900 Meter lange Strecke entlangfährt, denn links davon befinden sich die Landebahnen. Am Ende des Weges steht auch schon Karsten Preik und winkt.

Der 49-Jährige ist einer der Gründer-Väter des Bachblyten-Festivals, das jedes Jahr 2500 bis 3000 Techno-Fans – die meisten von ihnen sind zwischen 18 und 35 Jahre alt – auf das ansonsten eher unwirtliche Flugplatz-Gelände lockt. „Doch das wird sich ändern“, erklärt Preik lächelnd. „Wenn wir mit dem Aufbau fertig sind, werden sich die Leute richtig wohl fühlen. Er und sein Team sind an diesem Tag bereits seit Stunden in Gange, hämmern, sägen, streichen und buddeln. Bastler, Techniktüftler und Lichtkünstler haben sich zusammengetan, um die drei Tanzflächen (Floors) aufwendig zu gestalten. „Man sieht zwar noch nicht viel, aber hier entsteht eine knallbunte Unterwasserwelt mit riesigen Fischen und Pflanzen aus Holz und Stahl. Die Besucher sollen das Gefühl haben, dass sie sich in einem riesigen Aquarium befinden“, so Preik. Meht als 60 DJ’s spielen unter freiem Himmel elektronische Musik verschiedener Genres. Darunter sind auch Szene-Größen wie Pleasurekraft und Dominik Eulberg, der für ausgeloste Fans auf dem Gelände eine Fledermaus-Führung anbieten möchte. Neben der Musik wird viel Wert auf die Dekoration gelegt. Gefeiert wird vom 3. bis zum 5. August.

Schon seit neun Jahren gibt es das Bachblyten-Festival, das seine Anfänge bei Kiel nahm. Seit sechs Jahren findet es in Schwesing statt. „Wir starteten das Projekt auf einem abgelegenen Acker“, erzählt Mitbegründer Preik, der mittlerweile den Betrieb des gesamten Festivals übernommen hat. „Damals kamen ein paar Dutzend Leute. Ich hab da noch die Plakate per Hand gemalt“, erinnert er sich während er über das Gelände schlendert, vorbei an einem großen rot-blau gestreiften Zirkuszelt. „Das wird die Chill-out-Area.“ Er zeigt auf ein paar alte Stehlampen und Sessel. „Das Zelt wird wie ein Wohnzimmer eingerichtet.“ Wieder draußen angelangt, arbeiten mehrere Männer gerade an einem riesigen Schiff aus Holz. „Das ist unser größtes Bauprojekt“, macht Preik deutlich.

Mit Herzblut ist auch Marian-Christopher Schulz, genannt Stoffel, aus Nortorf dabei. Er habe jedes Bachblyten-Festival mitgemacht, sagt er. Die ersten Jahre als Gast, später als Teil des Teams. Er hat unter anderem die Bauleitung übernommen und den Kopf voller Ideen. Alle dürften sich hier ausprobieren, sagt Preik und präsentiert einen kleinen Teich samt Mini-Garten und Land-Art-Fläche, die ein weiteres Team-Mitglied angelegt hat. „Kaum war der Teich angelegt, schon war ein kleiner Frosch drin.“ All die aufwendigen Bauten dürfen auch nach dem Festival stehen bleiben für die folgenden Veranstaltungen. Die Zusammenarbeit mit dem Flughafen-Betreiber sei ausgesprochen gut, betont der Organisator. Wie sie auf den Namen Bachblyten gekommen sind? „Wir haben einfach mit Wörtern wie Blüten und Elektrolyte herumgespielt – und Bachblyten kam dabei heraus“, erklärt Preik.

Im vergangenen Jahr geriet das Festival in die Schlagzeilen, weil die Polizei nach einer groß angelegten Kontrolle in 55 Fällen wegen Drogenbesitz ermittelte. Darauf angesprochen wird Karsten Preiks Miene ernst. „Das will natürlich niemand von uns, dass die Leute Drogen konsumieren und sich und andere in Gefahr bringen. Aber wir können das nicht ganz verhindern, wie bei anderen Festivals auch.“ Was ihm allerdings bitter aufstößt, ist, dass gerade dem Bachblyten-Festival das Vorurteil anhaftet, hier würden besonders viele Drogen im Umlauf sein. „Es ist unfair, uns darauf zu reduzieren, zumal wir eng mit der Polizei zusammenarbeiten.“

Das bestätigt auch Dirk Benzmann, Leiter des Polizeireviers Husum. „Die Kooperation mit dem Festival-Veranstalter ist ausgesprochen gut“, so Benzmann. Es habe bereits mehrere Vorbesprechungen in punkto Organisation gegeben. Mit von der Partie ist dabei auch das Ordnungsamt Viöl, das die entsprechenden Genehmigungen erteilen muss. Der endgültige Abnahmetermin sei einen Tag vor Veranstaltungsbeginn, so Leiter Heiko Sönksen. Erfüllt werden müssen diverse Auflagen – von der Einzäunung bis hin zur Beschilderung. Die Besucher werden schon auf dem Weg zum Festival-Gelände von der Polizei kontrolliert. Und die Bauaufsicht des Kreises prüft die Sicherheit der Aufbauten. Es habe bislang keine größeren Vorfälle geben, gerade was Prügeleien oder Ähnliches angehe. „Das Publikum gilt als friedlich“, so Sönksen.

Verschärft werden müssen in diesem Jahr allerdings die Brandschutzvorschriften. Zwar halte die Feuerwehr bis in die Nacht Brandwache, wie Schwesings Wehrführer Stefan Hansen erklärt. Aber aufgrund der anhaltenden Trockenheit ist besondere Vorsicht geboten. Voraussichtlich wird ab 23 Uhr auf dem Festivalgelände das Grillen nicht mehr erlaubt sein. Man wolle auch Zinkwannen für die Grillkohle bereitstellen. Darüber hinaus soll zumindest ein Teil der Fläche, deren Gras völlig ausgetrocknet ist, bewässert werden.

Karsten Preik ist gerade dabei, das Werkzeug in einen ausrangierten Übersee-Container zu sortieren. Er sei jedes Jahr wieder glücklich, wenn sich das Festival selbst trägt. Das was dann übrig bleibt, wird unter den Helfern verteilt. „Und in diesem Jahr haben wir uns vorgenommen, einen Teil an den Kindergarten oder eine andere Einrichtung zu spenden“, sagt er. Und dann wird auch schon wieder sein Name gerufen. Preik hebt entschuldigend die Hände. „Ich muss da mal hin.“

Infos: www.bachblyten-festival.com.

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