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Husumer Nachrichten

18. Dezember 2017 | 10:26 Uhr

Gaming-Festival : Teamgeist am Flachbildschirm

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der Messehalle in Husum findet erstmals ein großes Computerspiel-Turnier statt. Die Brüder und Informatiker André und René Mchantaf gehören zu den mehr als 200 Teilnehmern.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2014 | 17:30 Uhr

Es ist einzigartig im Norden und findet erstmals in Husum statt: das Gaming-Festival „Nordic Games Convention“ (NGC). Die ausverkaufte Veranstaltung, bei der mehr als 200 Computer in der Messehalle miteinander vernetzt werden, zeigt auch für Neulinge im IT-Bereich das Computerspielen öffentlich als soziales Phänomen. Angemeldet haben sich 258 Menschen zwischen 18 und 60 Jahren, die an diesem Wochenende gegen- und miteinander spielen wollen.

Außerdem wird in den Räumen der Messehalle eine 2500 Quadratmeter große Fläche am Sonnabend und Sonntag zum Laser-Tag-Spielen bereitgestellt, die auch nicht angemeldete Besucher über 14 Jahren gegen ein geringes Eintrittsgeld nutzen dürfen. Bei Laser-Tag handelt es sich um eine schmerzfreie Variante des Schützenspiels Paintball, bei der die Spieler mit Lasergeräten „markiert“ werden.

Bei den Aktivitäten, die bei der NGC angeboten werden, handelt es sich um sogenannten elektronischen Sport (E-Sport): also virtuelle sportliche Wettkämpfe. Gespielt werden Strategie-, Gemeinschafts- und Actionspiele, hauptsächlich in Teams, die die Gamer vorher zusammengestellt haben.

Die beiden Mitglieder des Teams „Battlefriesen“, André (28) und René (24) Mchantaf aus Husum, waren zwei der ersten Teilnehmer, die einen Sitzplatz ergattert hatten. Die Brüder, die auch beruflich in der IT-Branche tätig sind, halten E-Sport aber trotz seiner umstrittenen Position in der Gesellschaft für eine soziale Aktivität. „Du bist nie allein in diesem Genre“, sagt der 28-jährige Fachinformatiker André Mchantaf im Gespräch mit unserer Zeitung – und sein Bruder ergänzt: „Es ist egal, woher du kommst und woran du glaubst, hier geht es um den Sport.“

Und Sport ist es tatsächlich, denn das „professionelle“ Spielen erfordert ein Höchstmaß an Konzentration und Teamarbeit, weshalb auch die körperliche Verfassung und die Ernährung eine entscheidende Rolle spielen. „E-Sport ist ein Sport, das bedeutet nicht, dass man fett ist und nur vor dem PC sitzt“, sagt René.

Die soziale Bedeutung des E-Sports ist daher nicht zu unterschätzen. Räumliche Distanzen spielen dank des Internets keine Rolle mehr, auch Kontakte werden über das gemeinsame Spielen geknüpft. Die Möglichkeit, über Streams ein solches Turnier zu verfolgen, geben dem E-Sport einen etablierten Sportstatus. „In der jungen Generation ist das Interesse an Counterstrike-Turnieren größer als an Tennismeisterschaften“, erklären die Brüder. In Asien werden auf die E-Sport-Turniere bereits Preisgelder in Millionenhöhe ausgesetzt und von großen Unternehmen gesponsert. Damit erhalten sie eine große wirtschaftliche, aber auch eine politische Bedeutung, denn durch die enormen Vernetzungen ist der E-Sport wohl eines der wichtigsten soziokulturellen Ergebnisse der Globalisierung.

Auch das Team „Battlefriesen“ hat ein Mitglied, das nicht aus Nordfriesland kommt – und das die Brüder bei der NGC zum ersten Mal persönlich treffen werden. „Das gehört aber zu der Sportart dazu“, sagt André Mchantaf. „Es ist ja auch nicht wirklich so, dass man gar keine Ahnung hat, mit wem man es zu tun hat. Anonymität im Netz ist ein Mythos, wenn du jemanden wirklich finden willst, hat der keine Chance. Und beim Spielen lernt man mehr übereinander, als es auf den ersten Blick scheint.“ Für die Mchantaf-Brüder ist E-Sport mit den Jahren sogar zu so etwas wie einer Familienaktivität geworden. „Zu 99 Prozent spielen wir miteinander.“ Die Brüder investieren im Schnitt sieben bis zehn Stunden pro Woche in ihr Hobby, bei Turniervorbereitungen etwa 15 bis 20 Stunden. „Wir achten aber darauf, auch unser restliches Leben nicht zu vernachlässigen – es ist schließlich nur ein Hobby.“

Dass das Netz keine Parallelwelt ist, zeigt auch eine weitere E-Sportrichtung: das Cosplay aus Japan, bei dem die Teilnehmer sich mit selbst hergestellten Kostümen möglichst originalgetreu als Spielcharaktere verkleiden. Was die eigentlichen virtuellen Turniere angeht, bewegen sich die Hoffnungen der „Battlefriesen“ auf hohem Niveau. „Wir hoffen natürlich schon, dass wir wirklich gut abschneiden und nächstes Jahr ganz vorne dabei sind.“

Die NGC dient unter dem Titel „Bootcamp“ als Testlauf für ein größeres Festival im Juni 2015, das ebenfalls auf dem Messegelände stattfinden soll. Die Veranstaltung wird für etwa 1500 Teilnehmer ausgelegt sein, und es wird ein Zeltlager für Übernachtungen geben. Laut Peter Becker, Geschäftsführer der Messe & Congress GmbH & Co. KG, kann dieses Festival einen ähnlichen Status wie das Metalfestival „Wacken Open-Air“ erlangen. „Der E-Sport hat mittlerweile die Mitte der Gesellschaft erreicht“, betont Peter Becker. „Und die Messehalle eignet sich gut als Location für eine solche Veranstaltung.“

Laser-Tag für alle

Eröffnet wird die NGC am Freitag (24. Oktober), um 17 Uhr. Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene haben die Möglichkeit, am Wochenende am Laser-Tag teilzunehmen. Wer volljährig ist, darf auch die Turniere verfolgen. Die Veranstaltung endet am Sonntag (26. Oktober), um 14 Uhr (Sommerzeit).

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