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Systematisches Lernen : Tausche Ferienzeit gegen Unterricht

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Rotarier der Storm-Stadt fördern fünf Husumer Schülerinnen und Schüler der Ferdinand-Tönnies-Gemeinschaftsschule bei ihrer Teilnahme am Programm der Leuphana-Sommerakademie. Ihre positiven Erlebnisse spornen an.

von
erstellt am 18.Apr.2014 | 13:00 Uhr

Prozent- und Promillerechnung, Demonstrativpronomen oder Nationalismus – das alles sind Unterrichtsinhalte an einer Hauptschule. Doch Ann Christin Kaltenbach und Sarah Berzbach wollen mehr: Die beiden Schülerinnen der Ferdinand-Tönnies-Gemeinschaftschule (FTS) haben ihre Noten und ihr Selbstwertgefühl durch die Teilnahme an der Leuphana-Sommerakademie auf dem Scheersberg (Kreis Schleswig-Flensburg) so sehr verbessert, dass sie auch nach dem kommenden Sommer an der FTS bleiben wollen. „Ich bekomme meinem Realschulabschluss“, ist sich Ann Christin sicher. „Und ich mache hier ebenfalls die zehnte Klasse“, ergänzt Sarah.

Sie sind nicht allein: Ihre positiven Erlebnisse mit der schulischen Weiterbildung in der Ferienzeit schilderten drei Schülerinnen und zwei Schüler der FTS jetzt Hans Thomas Hansen und anderen Mitgliedern des Husumer Rotary-Clubs, denen die fünf das Projekt persönlich vorstellten. Der ehemalige Leiter einer Kieler Berufsschule ist vom pädagogischen Konzept der Akademie überzeugt, das auch den Klagen der Industrie über die vielfältigen Probleme bei Berufsanfängern geschuldet sei. „Die Persönlichkeit der Achtklässler wird gestärkt, damit sie sich besser in der Berufswelt zurecht finden“, weiß er aus seiner Erfahrung als Rektor.

Dass die Schule überhaupt an dem individuellen Förderprogramm teilnehmen konnte, verdankt sie neben der Leuphana-Universität in Lüneburg, die die Sommerakademie seit 2007 anbietet, der Agentur für Arbeit – und den Rotariern. Denn die Sommerakademie kostet pro Schüler etwa 6300 Euro, rechnet Hansen vor. Wovon der Husumer Rotary-Club jeweils ein Drittel übernommen hat.

Die dritte FTS-Schülerin, die vergangenen Sommer von Leuphana profitiert hat, will nun ebenfalls weiter zur Schule gehen. „Wir hatten dort richtig Spaß beim Lernen“, berichtet Alissa-Marie Boehme – und ist heute immer noch überrascht darüber. Das typische Lehrer-Schüler-Verhältnis hätte es dort nicht gegeben. Diese Freude am Lernen vom ersten Tag an hatte auch Sarah Berzbach nicht erwartet. Vormittags, so erzählt sie, gab es Unterricht und nachmittags standen Projekte auf dem Programm: die Einstudierung eines Musicals, Sportangebote oder die Gestaltung einer Akademie-Zeitung.

Malte Ovens war einer dieser „Scheersberg-Journalisten“. Er und Philipp Jürgensen können allen Interessierten nur empfehlen, ebenfalls teilzunehmen. Selbst haben sie in ihrer Bewerbung für die Akademie auch gut für sich geworben, denn beide sind Konfliktlotsen an der FTS und damit eine Anlaufstelle, wo sich Schüler Beistand holen können, wenn es untereinander mal Zwist gibt. Bevor sie sich bewerben konnten, wählte die zuständige Lehrerin an der FTS, Wiebke Hamann, allerdings unter allen Schülern der achten Klasse die geeigneten aus.

Seit ihrer Teilnahme an der Sommerakademie bekommen die fünf zudem im neunten Schuljahr durch Leuphana eine Nachbetreuung, bei der einmal wöchentlich nachmittags Lerninhalte intensiviert werden. „Um wirklich einen guten Hauptschulabschluss zu erlangen“, erklärt Hamann. Die 28-Jährige ist von den Pädagogen der Leuphana-Universität überzeugt: Die hätten sich so positiv vorgestellt, dass alle fünf Schüler sofort begierig gewesen seien, an der Sommerakademie teilzunehmen. Hamann schrieb allen Schützlingen zudem noch ein Empfehlungsschreiben – „auf Wunsch der Schüler“, wie sie sagt. Sie ist in diesem Bereich der verlängerte Arm von Schulleiter Peter Empen.

Landesweit setzen sich 14 Rotary-Clubs für Schüler ihrer achten Klassen vor Ort ein, um geeigneten Jugendlichen eine Brücke zu bauen, damit sie auch zu den 35 Teilnehmern an der Sommerakademie gehören können. Und die Husumer Rotarier wollen ihr Förderungsprogramm fortsetzen: „In diesem Sommer nehmen drei Schüler der Gemeinschaftsschule Nord an der Akademie teil“, verrät Hansen.

 

 

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