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Verärgert über Landesregierung : Tatinger kämpfen für Umgehung

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Gründe für die Ablehnung einer Umgehungsstraße stoßen in Tating auf Unverständnis. Zum Thema gibt es eine Einwohnerversammlung am 25. April.

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erstellt am 15.Apr.2016 | 13:00 Uhr

Dass es wieder nichts wird mit der Umgehungsstraße, das hat bei den Tatinger Gemeindevertretern schon für Erstaunen und Verdruss gesorgt. Als sie nun von den Gründen für die Ablehnung erfuhren, war das Erstaunen noch größer. Für den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) wurde von der Landesregierung nämlich nicht die Umgehung Tating beantragt, sondern eine Umgehung für Tating und Garding mit einer Länge von 12,1 Kilometern und voraussichtlichen Kosten von 34,2 Millionen Euro. Die Ablehnung wurde dann damit begründet, dass das Projekt nicht wirtschaftlich sei. „Dabei ist hier nie von Tating-Garding die Rede gewesen. Diese Begründung ist sehr fehlerhaft“, sagte Bürgermeister Hans Jacob Peters in der jüngsten Gemeindevertreter-Sitzung. Die Umgehung nur für Tating im Zuge der B  202 wäre ja deutlich kürzer, nämlich nur 3,815 Kilometer und damit auch deutlich günstiger, sie würde nur sieben Millionen Euro kosten.

Und auch die Stadt Garding weiß von keinem Plan für eine Umgehung. „Das habe ich erst dieser Tage erfahren“, sagte Bürgermeisterin Andrea Kummerscheidt auf Anfrage. Die Stadt wolle auch keine, denn das laufe ihren Entwicklungsplänen zu wider. Ferner gebe es kein Planfeststellungsverfahren und keine Gutachten. Auf jeden Fall werde das Thema demnächst im Bauausschuss besprochen.

Das Landesverkehrsministerium ist da anderer Ansicht. Die Stadt Garding müsse die Umgehung einmal beantragt haben, sonst wäre sie gar nicht im BVWP gelandet. Das Zusammenlegen beider Projekte erhöhe die verkehrliche Wirkung und damit die Chancen auf Genehmigung. Im alten Bundesverkehrswegeplan sei Tating als vordringlicher Bedarf eingestuft worden und Garding in der Kategorie weiterer Bedarf. Auf jeden Fall werde das Ministerium das Projekt weiter unterstützen.

Doch es gibt noch mehr, was Bürgermeister Peters an der Ablehnung aus Berlin kritisiert. Die Aussage, der Lkw-Anteil sei zu niedrig stimme nicht. „Es sind deutlich mehr als sechs Prozent.“ Auch dass die Umgehung eine geringe städtebauliche Bedeutung habe, nimmt er nicht hin. „Der historische Ortskern in Tating kann ohne Umgehungsstraße nicht erhalten werden. Die Gemeinde hat kürzlich einen Bebauungs-Plan zum Erhalt des Dorfkerns erarbeitet. Wir haben Baulinien festgeschrieben, die ohne Umgehung nicht zu halten sind.“ Es sei bereits ein Haus abgerissen sowie Ausgleichsflächen gekauft worden. Ferner seien dem Steuerzahler für die Gutachten bislang Kosten von 500.000 Euro entstanden.

Die Gemeinde benötigt die Umgehung, um ein lebenswertes Dorf zu bleiben. Denn ein Großteil des Verkehrs nach St. Peter-Ording nutzt die enge Dorfstraße. Besonders im Sommer bilden sich lange Autoschlangen. Ferner halten sich nicht alle Lkw-Fahrer an das Durchfahrverbot für den Schwerlastverkehr. Für Anwohner und Fußgänger eine Belastung. Die Häuser stehen dicht an der Straße, die Bürgersteige sind schmal. Und die Ausweichstrecken über die Koogstraße und Tümlauer-Koog und vor allen Dingen über Süderdeich nach St. Peter-Ording seien für schwere Lkw nicht ausgelegt, der Unterbau gebe nach, nannte Peters noch einen weiteren Grund für die Umgehung.

Die Gemeinde will nun eine Stellungnahme schreiben. Erstmals kann sich auch die Öffentlichkeit zum Bundesverkehrswegeplan zu Wort melden. Noch bis zum 2. Mai können die Unterlagen unter www.bvwp2030.de oder im Verkehrsministerium in Kiel, Düsternbrooker Weg 94, eingesehen werden. Bürgermeister Peters ruft nun alle Tatinger auf, ebenfalls ihren Protest in Berlin kundzutun. Es wird am Montag (25.) eine Einwohnerversammlung geben. Sie beginnt um 20 Uhr im Eiderstedter Krog.

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