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Husumer Nachrichten

25. November 2017 | 07:03 Uhr

Winnert : Tante Emma ist zurück

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein junges Paar hat in Winnert den früheren Laden als „De lütte Koopmann“ wiedereröffnet – und gute Erfahrungen gemacht.

Eigentlich wollten Julia und Enrico Wengert in dem Haus, dass sie sich vor gut einem Jahr in der Hauptstraße 33 gekauft haben, einfach nur wohnen beziehungsweise einen Teil des Komplexes abteilen und als weitere Mietwohnung anbieten. Doch dann wurde die 24-Jährige auf ihren Gassi-Runden mit dem Hund immer wieder von Dorfbewohnern angesprochen und hoffnungsvoll gefragt: „Werdet ihr denn auch den Tante Emma-Laden wieder eröffnen?“ Das erschien ihr anfangs total abwegig. Doch mit der Zeit fand sie immer mehr Gefallen an der Idee.

Julia Wengert stammt ursprünglich aus Werther in Thüringen. Ihr Mann Enrico, der aus der Nähe von Halle an der Saale kommt, ist seit 2014 bei der Bundeswehr in Husum stationiert. Die fast 550 Kilometer zwischen Heimat und Einsatzort waren dem jungen Paar zum Pendeln bald zu viel. Und so beschlossen sie, sich in Nordfriesland niederzulassen. In Frage kam für sie nur ein Haus auf dem Land. „Wir sind beide Kinder vom Dorf“, sagt Enrico, der von Beruf Gas- und Wasserinstallateur ist und zurzeit in der Ausbildung zum Wassermeister ist. Da auch die Elektrotechnik zur Ausbildung gehört, ist der 32-Jährige inzwischen so etwas wie eine handwerkliche Allround-Kraft. Den Laden so herzurichten, wie es das Gesetz fordert – mit Handwaschbecken und Vorbereitungsraum zum Zubereiten von belegten Brötchen und anderen Kleinigkeiten – traute er sich ohne weiteres zu. Auch gefiel ihm die Idee, dass seine Frau, die als gelernte gestaltungstechnische Assistentin bis dato noch keinen Job gefunden hatte, mit dem Laden eine sinnvolle Aufgabe und dennoch viel Zeit für die nunmehr zwei Hunde und Katzen haben würde.

Bei seinen Recherchen erfuhr er, dass die Räume im vorderen Bereich seines Hauses bis vor fünf Jahren eine Bäckerei mit kleinem Lebensmittelangebot beherbergten. Als die Gemeindevertretung tagte, ging er hin und erkundigte sich in der Einwohnerfragestunde, ob tatsächlich Interesse daran bestünde, dass der Laden reaktiviert wird. Das Gremium reagierte begeistert. Bürgermeisterin Jutta Rese sagte ihm auf Anhieb die gleiche monatliche Unterstützung zu, die schon sein Vorgänger von der Gemeinde erhalten hatte.

Mit diesem klaren Votum aus dem Dorf machte sich der junge Handwerker an die Arbeit. Er zog eine Trennwand, um den Verkaufsraum auf ein gesundes Maß zu reduzieren, und baute einen Raumtrenner ein, hinter dem nun eine gemütliche Sitzecke zum Verweilen einlädt. Die neu verkleideten Wände strich er mit Hilfe von Freunden weiß, installierte neue Lampen und hatte beim Beschaffen des Inventars Glück: Der Ramstedter Bäcker Henningsen überließ ihm kostenlos einen nicht mehr benötigten Verkaufstresen und Regale.

„Ich habe jeden Monat ein bisschen was beiseitegelegt“, erzählt Enrico Wengert auf die Frage, wie er das Projekt finanziert hat. Das Material schlug inklusive seines Pkw-Anhängers, der zwischendurch kaputt ging und ersetzt werden musste, mit 20.000 Euro zu Buche. Eine Investition, die sich lohnt, wie er meint, denn seit der Eröffnung am 26. August, zu der an die 80 Bürger erschienen, wird der Laden gut angenommen. Frühmorgens um 6 Uhr stehen die ersten Handwerker vor der Tür, um belegte Brötchen, Coffee to go und Zeitungen mitzunehmen, später kommen die Schulkinder und die Dorfbewohner. Sie holen sich bei ihrem Kaufmann, was gerade so im Haushalt fehlt. Dabei dürfen sie auch Wünsche äußern, denn die Wengerts kaufen bei Edeka Clausen in Dreimühlen auf monatliche Rechnung ein und sind daher variabel in ihrem Sortiment. Brot und Brötchen liefert Bäcker Henningsen aus Norderstapel, und seit dem 16. Oktober ist auch ein DHL Paket-Shop in den Laden integriert, so dass die Winnerter für ihre Briefe und Pakete endlich wieder eine Abgabe- und Annahmestelle im Dorf haben.

Der Name „De lütte Koopmann“ entstand durch eine Flyer-Umfrage unter den rund 730 Einwohnern der Gemeinde, die auch künftig so oft wie möglich mit einbezogen werden sollen: „Am ersten Advent möchten wir mit den Kindern aus dem Dorf gemeinsam einen Tannenbaum und den Laden weihnachtlich schmücken“, laden Julia und Enrico Wengert ein. „Die Menschen hier sind uns mit so viel Freundlichkeit begegnet, da möchten wir gerne ab und zu etwas zurückgeben.“

Der Laden ist jeden Vormittag für zwei bis vier Stunden geöffnet – in der Regel ab 6 Uhr, nachmittags von Montag bis Freitag, 17.30 bis 19 Uhr, sonnabends ab 7 Uhr, sonn- und feiertags ab 7.30 Uhr.








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