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Begabte Schüler : Talentförderung auf dem Stundenplan

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Hermann-Tast-Gymnasium in Husum ist Stützpunkt-Schule für das Enrichment-Programm des Landes. Nach den Herbstferien geht es los mit der Begabtenförderung.

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erstellt am 15.Okt.2015 | 07:00 Uhr

Gute Noten sind nicht entscheidend. Neugierde, Offenheit und die Bereitschaft, sich zu engagieren, nennt die Deutsch- und Biologielehrerin Marita Scher als Pluspunkte bei Kindern und Jugendlichen von der dritten bis zur 13. Klassenstufe, wenn es darum geht, deren Talente zu fördern. Sie sollten „mehr und/oder anderes lernen wollen“, betont Scher. Die Schülerinnen und Schüler werden von den Lehrkräften ausgewählt. Doch keiner ist dann verpflichtet, auch mitzumachen. Marita Scher rät jedoch allen Angesprochenen, sich auf jeden Fall den Online-Zugang zu einem ganz besonderen Kursangebot zu sichern, um „in der Informationsschleife zu bleiben“.

Sie ist an der Hermann-Tast-Schule (HTS) Koordinatorin für das Enrichment-Programm des schleswig-holsteinischen Ministeriums für Schule und Berufsbildung – die Idee selbst ist 2008 in Pinneberg entwickelt worden. Enrichment bedeutet Bereicherung, aber auch Verzierung. Das Land bezuschusst das Projekt, in dem zwei „Entlastungsstunden“ für sogenannte Stützpunkt-Schulen gewährt werden. Dazu kommen Zuschüsse von Sponsoren.

Das Husumer Gymnasium gehört jetzt zu sechs „Stützpunkt-Schulen“ im neu gegründeten Enrichment-Verbund für den Bereich Schleswig-Eckernförde-Husum – damit gibt es neun Verbünde in Schleswig-Holstein. „Wir decken Nordfriesland und Dithmarschen ab“, erklärt Marita Scher. Die Leitung des Verbundes liegt bei der Lornsen-Schule in Schleswig.

Nach den Herbstferien geht es los mit den Angeboten, die auf keinem Stundenplan stehen. Dazu gehören in Schleswig unter anderem Chinesisch und „Auf den Spuren der Wikinger in Haithabu“, in Eckernförde beispielsweise „Software-Challenge“ und in Haby das „Abenteuer Husky“. Die Hermann-Tast-Schule bietet in Husum an: „Raspberry Pi – was hat ein Computer mit einer Himbeere zu tun?“, „Denken statt Rechnen: Kreativität und Mathematik“, „Wer dreht denn da am Rad? Eine experimentale Einführung in die Elektrotechnik“, „Kreatives Schreiben“, „Vom Kleinstcomputer bis zum Roboter“, traditionelles Segeln auf einem Plattbodenschiff im Wattenmeer sowie im Multimar-Wattforum in Tönning „Multimar multimedial“ und „Hart ist das Leben an der Küste – Strategien der Anpassung von Mensch, Tier und Pflanze“.

Westküste trifft also Ostküste und umgekehrt – denn die Schülerinnen und Schüler dürfen im gesamten Verbund ihre Auswahl treffen – zurzeit aus rund 20 Angeboten. Die Eltern zahlen einen Euro pro Tag. Die 20- oder 40-stündigen Kurse werden mit einer Präsentation der Ergebnisse abgeschlossen.

Im Husumer Gymnasium haben sich 86 Kinder und Jugendliche für das Enrichment-Programm angemeldet. Weitere kommen von „nominierenden Schulen“ dazu – aus Husum von der Theodor-Storm-Schule, der Bürgerschule, der Iven-Agßen- und der Klaus-Groth-Schule mit der Außenstelle Bornschool in Schobüll. Aus dem Umland sind unter anderem die Eider-Treene-Schule in Tönning und die Mildstedter Grund- und Gemeinschaftsschule dabei.

Nicht nur engagierte Lehrer, sondern auch externe Fachleute sind für die jungen Talente wichtig. Scher nennt freie Dozenten, Mitarbeiter von Hochschulinstituten, Theatern oder Museen sowie Unternehmer – sie alle dürften Angebote entwickeln. HTS-Direktorin Renate Christiansen erlebt bereits, dass die Kolleginnen und Kollegen „beflügelt“ werden – „trotz der Anstrengung“. Scher und Christiansen würden sich zudem freuen, wenn weitere Schulen zu „Stützpunkten“ werden und dann ebenfalls Kurse organisieren.

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„Kreatives Schreiben“ wird bereits seit Februar in der HTS angeboten und gehört nun mit zum Enrichment-Programm des Gymnasiums. „Jetzt bekommen wir Zuwachs von anderen Schulen“, freut sich Marita Scher. Jeden zweiten Sonnabend treffen sich gut ein Dutzend Schreibtalente mit ihr und Kollegin Birte Vogler, Referendarin für Deutsch und Geschichte.

„Man respektiert, was der andere geschrieben hat. Es ist ein hohes Niveau“, sagt Alina Jacobs. Die 13-Jährige träumt davon, einmal Schriftstellerin zu sein. Sie schreibt ihre Gedanken nieder und diskutiert erst dann gern mit anderen darüber. „Das Papier kann mir nicht widersprechen“, meint sie lächelnd. „Die Literatur-AG ist etwas, worauf ich mich am Wochenende freue“, gibt Anna Suzuki begeistert zu. Die 13-Jährige spielt Geige und Klavier und ist überzeugt, dass ihre musikalische Ader ihr hilft, „in den Texten anderer einen Rhythmus zu hören, wenn sie ihn vorlesen“. Der 16-jährige Robert Rösner hat eine Internetseite programmiert, auf der Texte und Bilder aus der Gruppe hochgeladen werden können.

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