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Festival im Holländerstädtchen : Tage der jüdischen Kultur in Friedrichstadt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine Woche lang findet ein Festival der jüdischen Kultur in Friedrichstadt statt, zum zweiten Mal. Ein ehrenamtliches Kuratorium stellt das Programm zusammen, es reicht von Musik über Vorträge bis zu Lesungen.

Zum zweiten Mal finden sie nun im September in Friedrichstadt statt, die Tage der jüdischen Kultur. Organisiert wird das kleine Festival von einem ehrenamtlich tätigen Kuratorium unter der Leitung des Friedrichstädter Museums. Alle drei Monate trifft sich die Gruppe. Finanziert wird die Veranstaltungsreihe durch das Kulturministerium und die Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten. 4000 Euro stehen so zur Verfügung, um das Festival auf die Beine zu stellen, wie Christiane Thomsen vom Museum der Stadt erläutert.

Die Auswahl der Teilnehmer bestimmt das achtköpfige Kuratorium. Dabei, erklärt Christiane Thomsen, sei das Angebot relativ groß, denn wegen der Kultur- und Gedenkstätte Ehemalige Synagoge in Friedrichstadt, würden viele Künstler bei ihr nach Auftrittsmöglichkeiten anfragen, „so dass wir schon eher die Qual der Wahl haben.“

In Friedrichstadt gab es einst eine blühende jüdische Gemeinde, zeitweise eine der größten in Schleswig-Holstein. Heute erinnern nur noch zwei Friedhöfe, einige Stolpersteine und die ehemalige Synagoge, die gerade ein neues Dach erhalten hat, an die Friedrichstädter Juden. Die Gemeinde selbst wurde während der NS-Zeit vollständig ausgelöscht. In der Pogromnacht im November 1938 wurde die Synagoge von SA-Angehörigen im Innern zerstört. Noch während des Krieges wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut, dann 2001/02 zu einer Kultur- und Gedenkstätte umgestaltet. Der Saal wurde räumlich rekonstruiert und bietet Platz für Sonderausstellungen, Konzerte, Vorträge, Lesungen und vieles mehr. Am Gebäude selbst sind die Spuren seiner Geschichte abzulesen. Die Westfassade wurde in den Zustand vor 1938 zurückversetzt, die Nord- und Südseite zeigt die Situation nach dem Umbau zum Wohnhaus mit Fenstern auf beiden Etagen. Vorgehängte Rahmen in Form der ursprünglichen großen Rundbogenfenster deuten auf die einstige Nutzung als sakrales Gebäude hin.

In der Gedenkstätte finden nun zum zweiten Mal von Freitag (11.) bis Freitag (18.) die Friedrichstädter Tage der jüdischen Kultur statt. Das Spektrum reicht von Musik, Lesungen, Vorträgen, einem Stadtrundgang bis hin zu einem Jiddish-Sprachkursus.
Start ist am Freiatg um 19.30 Uhr mit Rose Ausländer: „Lichtkraft. Ein Leben in Gedichten und Musik von Jutta Hoppe und Matthias Müller“. Rose Ausländer (1901–1988) war eine der größten deutsch-jüdischen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts.
Der „Raum für ein Gedicht, in dem man atmen kann“ wird intensiviert und belebt mit Klängen und Musik. Kompositionen von J. S. Bach, sowie Improvisationen auf Violoncello, Viola und Violine geben dem Programm seine besondere Note. Jutta Hoppe: Rezitation, Violine, Viola/ Matthias Müller: Violoncello.

Einen Tag später lädt Stadtarchivarin Christiane Thomsen ab 14 Uhr zu einem Stadtrundgang ein. Sie berichtet vom religiösen und alltäglichen Leben der Juden, von der Gemeinschaft mit den christlichen Nachbarn und vom Ende der Toleranz während der NS-Zeit. Start ist an der Kultur- und Gedenkstätte Ehemalige Synagoge.

Neue jüdische Songs, Lieder von Liebe, Lust und Leidenschaft auf Deutsch, Englisch, Hebräisch, Ladino und Jiddisch trägt Stella Morgenstern ab 19.30 Uhr am Sonnabend (12.) in der Gedenkstätte vor. Diese neuen Kompositionen treffen unmittelbar ins Herz und klingen dabei allesamt, als gehörten sie längst zum festen Bestandteil der internationalen Weltmusik-Szene. Stella Morgenstern (Gesang, Autoharp, Ukulele) Andreas Hecht (Gitarren, Ukulele, Dulcimer, Banjo, Backvocals) Matthias Ricardo Müller (Violoncello).

Im Stadtarchiv in der Westerlilienstraße 7 beginnt am nächsten Tag um 10 Uhr der Jiddischtag mit Dorothea Greve: „Yidish iz lebedik un freylekh“.Unter den mittelalterlichen Juden des Rheinlandes geboren, bis 1939 Umgangssprache von mehr als zehn Millionen Juden in aller Welt, ist Jiddisch auch heute noch eine lebendige Kultursprache – auf allen Kontinenten. Der Tagesworkshop macht mit der Sprache bekannt. Dorothea Greve lehrt seit vielen Jahren jiddische Sprache und Literatur an der Universität Hamburg. Anmeldung unter Telefon 04881/1511 oder museum@friedrichstadt.de.

Am Dienstag (15.) liest Anne Voorhoeve jeweils um 9 und 10.30 Uhr aus ihren Jugendbüchern „Liverpool Street“ und „Nanking Road“. Eine Anmeldung ist unter Telefon 04881/1511 erforderlich.

Einen Tag später zeigt der Jurist Klaus Alberts in seinem Vortrag „Die Außerrechtsetzung der deutschen Staatsangehörigen jüdischen Bekenntnisses ab 1933“ die Entrechtung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus auf. Beginn ist ist um 19.30 Uhr in der Synagoge.

„Klassik, Klezmer, Jazz & Improvisationen“ wird dann zum Abschluss am Freitag ab 19.30 Uhr in der Kultur- und Gedenkstättev geboten. Solisten sind Leon Gurvitch, Klavier und Melodica sowie Joanna Kamenarska-Rundberg, Violine. Gurvitch ist seit 2015 Dozent für Komposition am Johannes-Brahms-Konservatorium. Joanna Kamenarska-Rundberg konzertierte sie mit etlichen bedeutenden Orchestern in Europa. Seit September 2008 ist sie Konzertmeisterin bei den Hamburger Philharmonikern und Mitglied des Hamburger Streichsextetts.

Karten im Vorverkauf gibt es in der Touristinformation Friedrichstadt, Am Markt 9, Telefon 04881/93930. Einen Programmflyer zum Downloaden gibt es unter www.archiv-friedrichstadt.de.

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erstellt am 02.Sep.2015 | 14:00 Uhr

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