DLRG Husum : Täglich auf Wacht am Dockkoog

Routine-Arbeit: Sebastian Kahlmann und Hannah Westphal machen das Rettungsboot klar.
Routine-Arbeit: Sebastian Kahlmann und Hannah Westphal machen das Rettungsboot klar.

Die Rettungsschwimmer der DLRG passen auf, dass keiner ertrinkt – doch der Ortsverein Husum hat Nachwuchssorgen.

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18. Juli 2018, 15:00 Uhr

Sie ist und bleibt sehr beliebt, obwohl sie keinen Sandstrand aufweist und grün bewachsen ist: die Badestelle an der Dockkoogspitze. Nicht nur bei sommerlichen Temperaturen gehen Touristen und Einheimische hier ins Wasser, selbst bei winterlichen Temperaturen sind hartgesottene Schwimmer in der Nordsee zu finden.

Eine Badeaufsicht gibt es in der kalten Jahreszeit allerdings nicht. „Wir passen nur von Mai bis September auf“, sagt Robin Wendt von der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG). Er ist im Ortsverein Husum für die Wachleitung zuständig. „Wir sind täglich zwei Stunden vor dem Hochwasser bis zwei Stunden danach vor Ort.“ Dann ist auch die gelb-rote Fahne gehisst, die darauf hinweist, dass der Strandabschnitt bewacht ist.

Die Rettungsschwimmer mit Sanitätsausbildung werfen ein wachsames Auge insbesondere auf den zugelassenen Schwimmbereich, der mit weißen Ballbojen gekennzeichnet ist. „Die meisten Gästen wissen um die Grenzen und halten sich auch daran“, so Sebastian Kahlmann, Technischer Leiter beim DLRG-Ortsverein Husum. Das knallrote Rettungsboot liegt dabei einsatzbereit im Wasser. Und auch das gelbe, neu angeschaffte Rettungsbrett steht immer parat. „Durch dessen Einsatz können wir uns einen Vorsprung verschaffen, der über Leben oder Tod entscheiden kann“, so Kahlmann. Er erinnert sich an den letzten großen Einsatz, der fünf Jahre zurück liegt. „Damals versuchte jemand, nach Nordstrand zu schwimmen.“ Die DLRG schaffte es, ihn vor dem Ertrinken zu bewahren.

Die meisten Rettungsschwimmer, die derzeit jeden Tag ihren Dienst tun, sind Schülerinnen und Schüler. „Es ist nicht leicht, diese Helfer langfristig zu halten“, so Kahlmann weiter. Und noch schwieriger sei es, überhaupt junge Menschen für dieses Ehrenamt zu begeistern und zu gewinnen. Die meisten, so Kahlmann, würden nach der Schule studieren und Husum dafür verlassen oder gingen andernorts arbeiten.

Und es gibt noch eine weitere Hürde für die Arbeit beim DLRG-Ortsverein Husum: „Viele von uns stehen ja auch täglich im Beruf.“ Kahlmann ist im Rettungsdienst in Kappeln in Einsatz und Wendt absolviert derzeit eine Ausbildung zum Erzieher. „Dieses Problem haben die Kollegen in Flensburg oder Kiel nicht“, gibt Robin Wendt zu bedenken. Wäre Husum ebenfalls eine Universitätsstadt, gebe es keine Nachwuchssorgen.

Wer bei der DLRG mitmachen wolle, müsse mindestens 16 Jahre alt sein und das Rettungsschwimmer-Abzeichen in Silber haben, zählt Kahlmann auf. Aber auch schon ab zehn Jahren könnten sich Jugendliche bei der DLRG melden. „Wir bilden sie dann zu Junior-Rettern aus.“ Es gebe überhaupt viele Ausbildungsmöglichkeiten: „Zum Bootsführer oder auch zum Rettungstaucher. Unsere Tauchergruppe besteht zur Zeit aus zehn Leuten.“

Eine Vergütung gebe es nicht, stellte Kahlmann klar: „Die Mitarbeit bei der DLRG ist eine reine ehrenamtliche Tätigkeit.“ Das jedoch geht für Hannah Westphal, die seit einigen Jahren dabei ist und bereits mehrere Rettungseinsätze mitgemacht hat, genauso in Ordnung wie für den 17-jährigen Bosse Peters: Er verbringt seine Sommerferien damit, am Dockkoog Wache zu halten und – wenn nötig – ins Wasser zu springen, um Menschen zu retten. Noch ein Jahr ist er in der Schule. „Dann will ich die Welt kennen lernen und auf Reisen gehen.“ Womit der DLRG-Ortsverein Husum sich wieder mal nach einem Ersatz umschauen muss.

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