zur Navigation springen

Marschbahn-Probleme : Sylt-Pendler: „Das Verständnis der Arbeitgeber lässt spürbar nach“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Randvolle Züge, Ausfälle und Verspätungen: Wer zum Arbeiten auf die Insel muss, verlässt sich lieber auf eine Facebookgruppe als auf die Bahn.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2017 | 11:22 Uhr

Westerland | Die Sorgen der Pendler: Die Hotelangestellte Martina Schulz aus West-Bargum pendelt seit 2011 fast täglich zwischen Langenhorn und Morsum. Schon frühmorgens kurz nach 6 Uhr begleitet sie im Zug die Sorge, ob sie wohl diesmal pünktlich an ihrer Arbeitsstelle auf Sylt ankommen wird. „Ich habe eine ganz tolle Chefin und Kollegen von der Insel, die im Falle des Falles spontan für mich einspringen. Aber das ist längst nicht überall so, das Verständnis der Arbeitgeber lässt spürbar nach“, weiß sie aus den Gesprächen mit anderen Betroffenen.

Ihr größtes Problem ist die Heimfahrt um 15.52 Uhr ab Westerland. „Oft genug endet die Fahrt in Niebüll, statt wie geplant in Bredstedt. Wir werden quasi aus dem Zug geworfen und müssen oft bis zu einer Stunde auf den Anschlusszug warten – immer in der Hoffnung, dass der nicht schon hoffnungslos überfüllt ist“, sagt sie bedrückt darüber, dass die Anspannung nach einem langen Arbeitstag mit dem Feierabend noch lange nicht vorbei ist. Zumal sie zu Hause nicht anrufen und ihre Verspätung ankündigen kann, da es unterwegs oft keinen Mobilfunkempfang gibt.

Einziger Halt in all dem Chaos ist für sie die Facebook-Gruppe „NOB Pendler Husum-Westerland“, die sie mit administriert. „Da helfen wir uns gegenseitig, denn unsere Mitglieder posten alle relevanten Meldungen in Echtzeit. Das heißt: Sie melden direkt aus dem Zug heraus oder vom Bahnhof alle Zugausfälle, Verspätungen und andere Probleme“, erklärt Martina Schulz.

Vom Austausch via Facebook profitiert auch Thomas Axmann: „Die Meldungen in unserer Gruppe sind schneller als die Anzeigetafeln auf den Bahnhöfen“, sagt der Auszubildende, der seit einem Jahr täglich ab Bredstedt nach Sylt fährt. Die Arbeit an sich macht ihm Spaß, das Pendeln weniger: „Wenn ich früh morgens in den Zug steige, ist er oft schon sehr voll“, erzählt er.

Die Rückfahrt am Nachmittag ist nicht besser: „Zwar fährt er meist pünktlich los, aber bereits in Westerland ist der Zug so voll, dass für diejenigen, die in Morsum oder Keitum zusteigen wollen, kein Millimeter Platz mehr ist.“ Die Luft im Waggon ist entsprechend schlecht und wenn die Bahn dann noch auf der Strecke stehen bleibt, was oft passiert, ist die Stimmung im Eimer. „Nie zu wissen, wann man zu Hause ankommt, das geht an die Substanz“, sagt Axman, der sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Breklum engagiert und gar nicht gerne irgendwo zu spät kommt. „Aber da müssen wir wohl alle durch“, sagt er mit leiser Resignation.

Oke August pendelt seit zehn Jahren von Langenhorn nach Sylt und hat das Glück, Verbindungen nutzen zu können, die von der Rush Hour nicht ganz so stark betroffen sind: „Wenn ich um 7:48 Uhr ab Langenhorn und um 18:22 Uhr ab Westerland fahre, sind die Züge meistens relativ pünktlich“, zeigt sich der Möbelfachberater zufrieden.

Die Sorgen der anderen Pendler gehen aber auch nicht spurlos an ihm vorbei: „Neulich hatte ich etwas vor, wollte früher Feierabend machen und ab Westerland den Zug um 15:52 Uhr nehmen. Tatsächlich bin ich dann erst um 17:22 Uhr von der Insel weggekommen“, erzählt er. Am meisten ärgert ihn, dass die empfohlenen Apps nicht richtig funktionieren und Störungen, Verspätungen, Ausfälle dort oft überhaupt nicht stattfinden, so als hätte es sie nie gegeben. „Die lassen ihre Fahrgäste ganz schön im Regen stehen“, moniert er die Informationspolitik der Bahn. Auch er verlässt sich lieber auf die Facebook-Gruppe. „Das klappt zu 100 Prozent.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen