Kaufmann verärgert : Supermarkt-Ausbau gefährdet?

Ob die Verkaufsfläche  nun  tatsächlich von 600 auf 1400  Quadratmeter vergrößert wird, kommt auf den Prüfstand.
Ob die Verkaufsfläche nun tatsächlich von 600 auf 1400 Quadratmeter vergrößert wird, kommt auf den Prüfstand.

Der Friedrichstädter Edeka-Markt-Betreiber Axel Vester ist sauer auf die Stadt, weil sich zwei Discounter im Gewerbegebiet vergrößern dürfen. Der geplante Erweiterung seines eigenen innerstädtischen Marktes kommt nun auf den Prüfstand.

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27. November 2013, 17:00 Uhr

Kaufmann Axel Vester aus Friedrichstadt ist gelinde gesagt verschnupft. Dies liegt aber nicht an der Jahreszeit, sondern an der Entscheidung der Stadt, den beiden Discountern Aldi und Lidl im Gewerbegebiet die Vergrößerung ihrer Verkaufsfläche um jeweils 300 Quadratmeter zu genehmigen. Dabei hatte nur Aldi einen Antrag gestellt, da dort unter anderem eine Backstation errichtet werden soll. Um nicht nach der Genehmigung und der Änderung des B-Plans für den einen, womöglich erneut tätig werden zu müssen, entschieden sich die Kommunalpolitiker auch gleich Lidl grünes Licht zu geben, obwohl von dort gar keine Erweiterungspläne vorgetragen worden waren.

Axel Vester hingegen versteht die Kommunalpolitiker nicht mehr. „Offensichtlich haben die kein Interesse an Arbeitsplätzen und es kümmert sie auch nicht, wie es in der Innenstadt mit der Versorgung aussieht“, beklagt Vester. Und er kann diese Aussage seiner Ansicht nach auch belegen.

So sei ihm im Mai 2010 die Ansiedelung eines neuen Edeka-Marktes im Gewerbegebiet, in unmittelbarer Nachbarschaft von Aldi und Lidl, vom Stadtrat genehmigt worden. Obwohl es bereits einen städtebaulichen Vertrag gab und der Kaufmann sich vertraglich verpflichtet hatte, den innerstädtischen Markt trotz des Neubaus im Gewerbegebiet weitere zwölf Jahre lang zu betreiben, kippten die CDU-Fraktion und der Bürgerverein die Stadtrats-Entscheidung in der Dezembersitzung 2010 – untersagten die Ansiedelung im Gewerbegebiet. Als Begründung wurde unter anderem die Sorge ins Feld geführt, dass ein örtlicher Schlachter und Bäcker womöglich Umsatzeinbrüche erleiden würden. Zwar hatte ein Einzelhandelsgutachten, das von der Landesplanung abgesegnet worden war, von nur maximal acht Prozent Rückgang gesprochen (einschließlich beim bestehenden Edeka-Markt). Doch das sahen die CDU und der Bürgerverein anders.

Die Entscheidung der Kommunalpolitiker kommt der Stadt teuer, denn Vester hätte sich mit 70.000 Euro am Kreisel beteiligt, zudem wurden die anvisierten 35 neuen Arbeitsplätze nicht geschaffen.

Nun plötzlich, argumentiert der Kaufmann, habe das Gutachten keinerlei Wert mehr, denn im Gewerbegebiet würden 600 Quadratmeter zusätzliche Fläche genehmigt. Damit müsse er auch seine bereits abgesegneten Erweiterungspläne am Ostersielzug auf den Prüfstand stellen. Seinem Markt wurde bereits die Erweiterung von jetzt 600 auf 1400 Quadratmeter Verkaufsfläche genehmigt, um die einzige integrierte und fußläufig erreichbare größere Lebensmittel-Einkaufsmöglichkeit in Friedrichstadt langfristig zu sichern. Vesters sieht in der Erweiterung des rein verkehrsorientierten Einkaufszentrums an der Bundesstraße eine Gefährdung des bestehenden Edeka-Marktes.

In einem Schreiben der Terra Grundstücksgesellschaft aus Weimar, die Eigentümerin des Edeka-Gebäudes ist, an die Stadt, heißt es unter anderem: „Die Innenstadt leidet schon jetzt unter den schlechten und schwachen Entscheidungen und etliche Leerstände bezeugen dies. Die Folge dieser Entscheidungen können viel weitreichender sein. Der erste gute Schritt war die Sicherung des Edeka-Standortes, diesen machen Sie mit den genannten Veränderungen im Gewerbegebiet fraglich.“ Zudem fragt die Gesellschaft, ob künftig Touristen auf dem Aldi-Parkplatz aussteigen sollen, weil es im Stadtzentrum außer Leerständen nichts mehr zu sehen gibt? Eine vernünftige Städteplanung sollte die Sanierung und Optimierung der erreichbaren und nachhaltigen Standorte forcieren. Vor allem wenn es in Friedrichstadt Objekteigentümer gibt, die hierzu bereit sind.“

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