Schwesing : Süßer die Handglocken nie klingen ...

Das Musizieren mit Handglocken ist ein kleiner Kraftakt, denn die Glocken wiegen 230 bis 550 Gramm.
Das Musizieren mit Handglocken ist ein kleiner Kraftakt, denn die Glocken wiegen 230 bis 550 Gramm.

Die Monday Ringers musizieren auf einem Instrument, das nur wenige beherrschen – am ersten Weihnachtstag tritt das ungewöhnliche Ensemble in der Schwesinger Kirche auf.

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25. Dezember 2017, 08:00 Uhr

Hell, klar und rein, so sind die Töne, die dieses kleine Ensemble den blank polierten Handglocken entlockt. Es ist ein ganz besonderer Hörgenuss, auf den sich die Besucher der Schwesinger Kirche am ersten Weihnachtstag, 10 Uhr, freuen können. Denn an diesem Morgen übernehmen die Monday Ringers den musikalischen Part des Gottesdienstes mit beeindruckenden Glockenklängen.

Auf die Frage, wie es kommt, dass es in Schwesing so eine ungewöhnliche Formation gibt, blickt Gruppenleiterin Wiebke Kaphengst in das Jahr 2008 zurück. Damals durfte sie beim Besuch eines befreundeten englischen Kirchenchores den Klängen einer Handglockengruppe lauschen. Auch ihr Mann, Pastor Jürgen Kaphengst, war sofort fasziniert von dieser Musik. Beide bekamen Lust, die Idee auch in der eigenen Gemeinde umzusetzen. Nach einem Gegenbesuch des Schwesinger Kirchenchores in Stoke Lacy (Grafschaft Herefordshire) machten sie sich ans Werk.

Da Handglocken dieser Art in Deutschland kaum zu bekommen sind, beauftragten sie ein Hamburger Musikhaus damit, einen Zwölfer-Satz Spezialglocken in den USA zu bestellen. Mit 3000 Euro war diese Anschaffung nicht ohne, allein der Zoll nahm für den Import 700 Euro. „Wir haben hin und wieder Kollekten gesammelt, und es sind auch Spenden dafür eingegangen“, erläutert Pastor Kaphengst die Finanzierung dieses Vorhabens. „Auch bei Vorträgen über meinen Jakobsweg habe ich Geld für die Handglocken gesammelt.“ Gemeinsam mit seiner Frau fuhr er 2015 erneut nach England und besuchte dort einen Workshop, um die Technik, die an das Anstoßen mit einem Weinglas erinnert, zu erlernen.

Wieder zu Hause versammelte Wiebke Kaphengst knapp ein Dutzend interessierter Männer und Frauen um sich, die sie zumeist im Chor oder im Blockflötenkreis fand. Einige kamen neu dazu. Seitdem treffen sich die „Monday Ringers“ an jeden Montag – daher auch der Name – im Keller des Pastorats. Um für ein kleines Konzert drei Stücke einzuüben, braucht die Gruppe knapp ein halbes Jahr: Von Januar bis Juni wird für das Sommerkonzert geübt, danach für den Weihnachtsgottesdienst. Gespielt wird mehrstimmig. Mal sind es kirchliche, mal weltliche Klänge wie „Love me tender“ oder – so wie jetzt – internationale Weihnachtslieder wie „Good King Wenceslas“ oder „Unto us is born a son“.

„Jeder von uns ist ein Solist, der auf den Punkt genau den Ton treffen muss, damit das Stück harmonisch klingt. Wir sollten uns also alle hundertprozentig aufeinander verlassen können“, sagt Wiebke Kaphengst und erklärt, dass der mit einem Spezialgummi ummantelte Klöppel innen so befestigt ist, dass er bei jedem Schwingen nur einmal anschlagen kann. Da jede Glocke ihren individuellen Ton hat, haben alle Spieler beim Lesen der Partitur nur eine Aufgabe: Sie müssen die Glocken exakt in dem Moment schwingen, wenn „ihre“ Note an der Reihe ist. Klappt das nicht, folgt prompt eine leise Ermahnung der Gruppenleiterin: „Ihr müsst ganz pünktlich spielen.“ Das Musizieren erfordert nicht nur hohe Konzentration, es ist auch für den Körper eine Herausforderung, denn die Glocken wiegen 230 bis 550 Gramm. „Da werden die Muskeln in den Armen ganz schön gefordert“, weiß Jürgen Kaphengst.

Derzeit besteht die Gruppe aus zehn Spielern, die aus Ahrenviöl, Immenstedt und Schwesing kommen. „Weitere Mitspieler sind uns herzlich willkommen“, lädt Wiebke Kaphengst ein, sich bei ihr unter Telefon 04841/72515 zu melden und verspricht: „Es ist gar nicht so schwer, wie es aussieht.“

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