Nordfriesland : Sturmflut-Warner: Stets ein Ohr am Wind

Die langjährige Schaltzentrale von Frerk Jensen.
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Die langjährige Schaltzentrale von Frerk Jensen.

Wachwechsel beim Küstenschutz-Landesbetrieb in Husum: Sturmflut-Warner Frerk Jensen ist nun im Ruhestand.

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30. Januar 2018, 08:00 Uhr

Husum | Zum Abschied hat es noch einmal richtig aufgebrist: 42 Jahre hatte Frerk Jensen – wie er selbst sagt – „ein Ohr am Wind“. Nun ging der hauptamtliche Sturmflut-Warner in den Ruhestand. Für den Bauingenieur im Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) war der Sturmflutwarndienst zwar ein kleiner Teil seiner Aufgaben, aber sicher der spektakuläre.

„Mit mir kam die Katastrophe“, beschreibt er seinen Dienstantritt am 2. Januar 1976 schmunzelnd, denn ein Orkantief aus Nordwest stürmte damals auf die Küste zu. Am Tag darauf wurde in Husum ein bis heute unerreichter Rekord-Wasserstand von 4,06 Metern über dem mittleren Hochwasser gemessen. Der Bericht über den Verlauf und die Auswirkungen dieser Sturmflut war seine erste Aufgabe im damaligen Amt für Land- und Wasserwirtschaft. „Seitdem sind die Sturmfluten zwar nicht häufiger oder höher geworden, mit ihren höheren Wellen und dem harten Seegang aber bissiger“, so Jensen.

Möglichen Sturmfluten sah Jensen im Katastrophen-Einsatz-Raum im fünften Stock des LKN in Husum entgegen. Aus den Wasserstand-Vorhersagen des Hamburger Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, den Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes sowie durch die 42 LKN-Küstenpegel machte er sich ein eigenes Bild und warnte die Katastrophenstäbe der Kreise und die eigenen Mitarbeiter, um Menschen, Maschinen und Materialien rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Aber nicht nur bei der Gefahrenabwehr für Sturmfluten war der Ingenieur tätig, sondern auch bei der Abwehr wassergefährdender Stoffe. So erinnert sich Jensen besonders an die brennende Pallas, die 1998 vor Amrum strandete.

Der Leiter des LKN-Fachbereiches Hydrologie, Mess- und Beobachtungsdienst, erhielt nicht nur von der Küste Daten: Kontinuierlich werden die Wasserstände von rund 1100 Grundwassermessstellen im Land aufgezeichnet.

Hinzu kommen 350 Messstellen in Seen und Fließgewässern, die Wasserstände und zum Teil auch Durchflussmengen ermitteln und übertragen. Mit dem Hochwasser-Sturmflut-Onlineportal (www.hsi.schleswig-holstein.de), an dessen Entwicklung Jensen maßgeblich beteiligt war, können Interessierte sehen, wie hoch die Wasserstände aktuell sind.

Die gewässerkundlichen Daten, die Frerk Jensen mit seinen Kollegen erhob, sind Grundlage für die General- und Fachpläne zum Küstenschutz und Binnenhochwasserschutz, die Bemessung von Küstenschutzbauwerken, die „Strategie Wattenmeer 2100“, wasserwirtschaftliche Maßnahmen sowie Forschungsprojekte mit Fachinstitutionen und Universitäten.

Künftig werden diese Arbeiten von der Bauingenieurin Katharina Klein übernommen, die Jensens Nachfolge antritt. Dem LKN bleibt Frerk Jensen durch seine nun ehrenamtliche Mitarbeit an der geplanten Küstenschutz-Route Husum verbunden. Als Vorsitzender des Ortskulturringes in Schobüll und des Aufsichtsrats der Bohmstedter Forstgenossenschaft wird er auch nach dessen Fertigstellung genug zu tun haben. Und seine vier Enkel gibt es ja auch noch.

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