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Herbststurm „Herwart“ : Sturm fegt durch Nordfriesland

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

„Herwart“ stürzt „Catharina“: Orkan reißt Dachkopf der Oldensworter Windmühle ab – und sorgt im ganzen Kreis für zahlreiche Feuerwehr-Einsätze.

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2017 | 20:00 Uhr

Das Sturmtief „Herwart“ zog gestern mit Orkanböen über Norddeutschland hinweg – und dabei auch den Kreis Nordfriesland in Mitleidenschaft. Dort zählte die wegen des Sturms eigens personell aufgestockte zentrale Rettungsleitstelle in Harrislee allein in der Nacht zu Sonntag mehr als 90 Hilfseinsätze. „Die Feuerwehren waren bislang im Dauereinsatz“, berichtete Leitstellen-Sprecherin Anja Engelbrechtsen-Wienk gestern Morgen.

In vielen Lagen auf Eiderstedt wurde Windstärke zwölf gemeldet. Eine Orkanböe riss in Oldenswort den kompletten Dachkopf der historischen Windmühle „Catharina“ auf die Fahrbahn. In der 1786 erbauten Mühle sind mehrere Ferienwohnungen untergebracht. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers verbringt dort derzeit eine Familie aus Bayern ihren Herbsturlaub. Die Feriengäste blieben unverletzt.

Auf der Bundesstraße 5, nahe der „Jans-Kurve“ Höhe Witzwort, verursachte der Sturm gegen 5.45 Uhr einen schweren Verkehrsunfall. Die Fahrerin eines aus Richtung Husum kommenden Autos musste kurz hinter der unfallträchtigen Kurve urplötzlich einem umstürzenden Baum ausweichen. Dabei geriet der schwarze VW Lupo mit seinen drei Insassen zunächst auf die linke Straßenseite und schoss danach rechter Hand in ein kleines Wäldchen. Die Leitstelle löste Alarm für Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeug in der Rettungswache Tönning aus. Da die Personen im Fahrzeug eingeklemmt waren, wurde die zuständige Feuerwehr aus Witzwort sowie die mit Rettungsscheren und Bergungsgerät ausgestatteten Feuerwehren aus Tönning und Oldenswort alarmiert. Nach einer Erstversorgung wurde einer der jüngeren Fahrzeuginsassen in eine Klinik verlegt; die Feuerwehren setzten Kettensägen ein, um den umgestürzten Baum von der B 5 zu entfernen. Um das Unfallfahrzeug zu bergen, musste ein starker Baum ebenfalls weichen. Die Bundesstraße blieb während der Rettungsarbeiten voll gesperrt.

In Nordfrieslands Kreisstadt war es vergleichsweise ruhig: Drei Mal binnen fünf Stunden rückte die Feuerwehr aus, um umgefallene Bäume zu zersägen und die betroffenen Straßen wieder freizuräumen. In Südtondern kam es durch „Herwart“ zu 19 Feuerwehreinsätzen. Zum größten Teil mussten auch hier umgestürzte Bäume von den Straßen beseitigt werden. Zwei Mal gab es abgeknickte Straßenlaternen – und auch ein Schornstein drohte umzustürzen. Die Feuerwehr Niebüll-Deezbüll musste am frühen Morgen zum Verladeterminal des Autozuges ausrücken, um dort mithilfe ihrer Drehleiter Höhenbegrenzungsschilder zu bergen, die herabzustürzen drohten. „Glücklicherweise gab es in unserem Amtsbereich keine Verletzten
zu beklagen,“ bilanzierte Amtswehrführer Oliver Jacobsen.

Landunter gab es auf Hallig Hooge. Besondere Vorkommnisse habe es jedoch nicht gegeben, wie der stellvertretende Bürgermeister Michael Klisch berichtete. „Dass wir Landunter haben, überrascht uns ein wenig, denn mit 1,20 Metern lag der Wasserstand unter der Deichhöhe von 1,50 Metern. Doch der Wellenschlag des schnell aufkommenden Sturmtiefs war so heftig, dass die Hallig trotzdem gefüllt wurde.“ Besucher des Eilands und auch Hooger, die vom Festland zurück nach Hause wollten, mussten sich gestern gedulden, denn die Fähren sollen erst heute wieder fahren. „Und das auch nur ausnahmsweise, denn laut Winterfahrplan werden montags keine Fahrten angeboten“, so Klisch.

Auf der Insel Sylt hatte der zweite Herbststurm nach „Xavier“ erhebliche Folgen: Dort sorgte „Herwart“ nicht nur für umgekippte Bäume, sondern auch für lose Dachpfannen und Schornstein-Verkleidungen, umgestürzte Gerüste und umherfliegende Blechteile. Seine Spitzenwerte erreichte der Orkan am frühen Sonntagmorgen zwischen vier und sechs Uhr: In List wurden Windgeschwindigkeiten von 143 Stundenkilometern gemessen, in Hörnum waren es sogar 144. Der Zugverkehr nach Sylt musste wegen des heftigen Sturms von Sonntagmorgen bis zum späten Sonntagvormittag komplett eingestellt worden. Inselweit gab es in den frühen Morgenstunden einen Stromausfall, der aber nach kurzer Zeit wieder behoben werden konnte. Am meisten gab es für die Feuerwehr in Westerland zu tun: „Wir hatten über 30 Einsätze“, bilanzierte Wehrführer Jörg Elias. So waren etwa an der Autozug-Entladung zwei Bäume umgekippt, die die Straße blockierten. In einer Westerländer Straße war ein Baum auf ein Dach gefallen. Und in Hörnum lag unter anderem ein Katamaran auf der Straße.

Wesentlich glimpflicher kamen die Föhrer und Amrumer davon. Die Wyker Feuerwehr musste drei Mal wegen umgestürzter Bäume ausrücken, je einen Säge-Einsatz verzeichneten die Wehren von Oevenum auf Föhr und Wittdün auf Amrum. Gedulden mussten sich aber die Fährpassagiere. Gestern Morgen fielen wegen des starken Windes und überschwemmter Anleger mehrere Verbindungen zwischen Inseln und Festland aus.

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