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Unsichere Planung : Strommast gefährdet Stadt-Entwicklung

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Friedrichstadt bangt wegen der geplanten 380-kV-Höchstspannungs-Westküstentrasse um die Ausweisung eines Neubaugebietes. Tennet und die Stadt sind bemüht, das Problem gemeinsam zu lösen.

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erstellt am 20.Jan.2016 | 07:00 Uhr

Das Friedrichstädter Neubaugebiet ist eigentlich schon nicht mehr als solches zu bezeichnen. Schließlich werden dort schon seit 1999 Grundstücke verkauft. Zwischenzeitlich stockte der Absatz, doch dann wurden die Bauvorschriften gelockert, die Bauherren erhielten mehr Freiheiten bei der Gestaltung ihrer Projekte. Und vor zwei Jahren wurden die Grundstücke dann teilweise neu aufgeteilt, da sich herausgestellt hatte, dass Areale von mehr als 1000 Quadratmeter Größe kaum noch abzusetzen sind. Daher stellte der Bauausschuss seinerzeit fest, Größen zwischen 600 und 800 Quadratmeter sind optimal. Die Änderungen lösten eine neue Nachfrage aus, nun stehen aktuell nur noch acht Grundstücke zum Verkauf. Daher entschied sich die Stadt, das Neubaugebiet nochmals zu erweitern, nach Osten hin sollen mehr als 50 weitere Häuslebauer ein Zuhause finden können.

Doch die ehrgeizigen Pläne, bereits in diesem Jahr soll die Planung abgeschlossen und im nächsten Jahr mit der Erschließung begonnen werden, stehen immer noch auf der Kippe. Nicht die Landesplanung macht wie in vielen anderen Gemeinden möglicherweise einen Strich durch die Rechnung, diesmal ist es die westliche Stromautobahn, die 380-kV-Höchstspannungsleitung.

Denn dort, wo das Baugebiet nach Osten erweitert werden soll, stehen gegenwärtig die Masten der 110 kV-Leitung, die nach den Planungen von Tennet und Eon an die neuen bis zu 65 Meter hohen Gittertürme der 380-kV-Leitung mit angehängt werden sollen.

Die Tennet selbst, so erläutert Friedrichstadts Bürgermeister Eggert Vogt, wolle diese Lösung und die Masten dann weit genug östlich platzieren, so dass zum geplanten Neubaugebiet die Mitdestabstände gewahrt bleiben. Doch mit den Besitzern der Grundstücke, auf denen die Masten errichtet werden sollen, war eine Einigung nicht einfach. Die drei Eigentümer wollten sich nicht wie üblich mit einer Einmalzahlung begnügen, sondern hofften auf an die Leistung gekoppelte Überweisungen – ähnlich wie bei den Windkraftanlagen. Dr. Bernd Brühöfner, Gesamtprojektleiter der 380-kV-Westküstenleitung, sagte dazu, dass für zwei Standorte mittlerweile eine Einigung erzielt worden sei, beim dritten herrsche noch Unsicherheit. „Ich bin aber guter Dinge, dass wir zu einer Einigung kommen werden, auch außergerichtlich“, sagte Brühöfner auf Nachfrage. Allerdings wolle die Tennet keinen Präzedenzfall schaffen. Im schlimmsten Fall müssten Gerichte die Frage der Entschädigung klären.

Doch für Friedrichstadt steht mit der Mastenfrage viel mehr auf dem Spiel. Sollte der Standort wegen des Streits nicht gehalten werden können, dann müsste er weiter nach Westen, Richtung Stadtgrenze, verschoben werden. Und dann, so erläutert Vogt, würde er mitten in der geplanten Neubausiedlung stehen. „Dann sind unsere Planungen hinfällig“, sagt er. Die Stadt ist auf das Gebiet angewiesen, weitere städtische Grundstücke für ein Neubaugebiet gibt es eigentlich nicht.

Dabei waren die Friedrichstädter hoffnungsvoll, als ihnen im März 2014 die Tennet die Trassenpläne vorgestellt hatte. Damals sagte Brühöfner, dass durch die Verlagerung der Trasse und die Mitnahme der bestehenden Leitung auf die neuen zwischen 60 und 65 Meter hohen Masten (die jetzigen sind 30 Meter hoch) nicht nur der Abstand zum Wohngebiet wesentlich vergrößert werde, auch optisch seien sie nicht mehr so störend, da sie jeweils im Abstand von 400 Metern stehen würden.

Bürgermeister Vogt: „Wir werden dennoch jetzt die Planungen für das Neubaugebiet im Osten der Stadt weiter verfolgen, damit wir im Falle der erhofften Einigung sofort loslegen können.“ Nach seiner Einschätzung müsse Friedrichstadt Grundstücke vorhalten, denn immer mehr junge Familien würden nach geeignetem Bauland fragen.

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