Wertschöpfung der Offshore-Branche : Strom von See ersetzt Kernkraftwerke

Arbeitsplätze auf hoher See: Die Offshore-Branche sucht ständig Fachkräfte.
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Arbeitsplätze auf hoher See: Die Offshore-Branche sucht ständig Fachkräfte.

Windparks auf Nord- und Ostsee vor der deutschen Küste haben bereits die Kapazität von vier Atomreaktoren erreicht.

shz.de von
01. September 2017, 16:00 Uhr

Die Stromerzeugung auf dem Meer ist ein wichtiger Eckpfeiler der Energiewende: Anfang Juni lieferten 1055 Offshore-Windkraftanlagen in der deutschen Nord- und Ostsee eine Leistung von 4749 Mega-watt, etwa so viel, wie vier Kernkraftwerke. Darüber hinaus etabliert sich die Offshore-Nutzung der Windenergie als Jobmotor. Aktuell zählt die Branche rund 20.500 Beschäftigte, Tendenz steigend.

„Die starke industrielle Produktion und der wachsende Anlagenbestand geben der Beschäftigung in Deutschland auch mittelfristig eine gute Perspektive“, sagt Urs Wahl, Manager Public Affairs der Offshore-Wind-Industrie-Allianz.

Die innovationsstarke deutsche Windindustrie bedient nicht nur den starken Heimatmarkt mit Qualitätsprodukten und Dienstleistungen. Auch wachsende Exporte mit einem heutigen Marktanteil von 20 Prozent der weltweiten Produktion, der doppelt so hoch ist wie der Anteil Deutschlands an den globalen Installationen, sichern eine stabile Entwicklung.

Wichtigster Branchentreffpunkt ist und bleibt die „Husum Wind“. Anlagen- und Komponentenhersteller, Unternehmen für Montage, Betriebsführung, Service und Wartung, Dienstleister wie Helikopter-Services, Logistiker, Gutachter, Kabelleger und Reedereien – alle werden zur weltweit größten Windmesse vom 12. bis 15. September in Husum erwartet, ob als Aussteller oder Besucher.

Das Unternehmen Deutsche Windtechnik gehört zu den Pionieren im Offshore-Service. Um den besonderen Anforderungen auf See gerecht zu werden, sind erfahrene Spezialisten im Einsatz.

Wer als Techniker aus den Bereichen Mechanik oder Elektronik über einschlägige Berufserfahrung verfügt, seetüchtig ist und die rauen Bedingungen auf dem Meer nicht scheut, muss seine Tauglichkeit beim ärztlichen Check-up nachweisen, um sich für die Offshore-Trainings zu qualifizieren.

„Es ist ein anstrengender Job. Gearbeitet wird 14 Tage am Stück, zwölf Stunden täglich, daher ist die Leistungsfähigkeit entscheidend. Unsere Techniker sind vom Alter her Mitte 20 bis Anfang 50, legen Wert auf ihre Gesundheit und halten sich fit“, berichtet Karin Bledsoe, mit zwei Kollegen zuständig für die Qualifikation, Trainings und Einsatzplanung von 45 Technikern, die aus ganz Deutschland kommen.

Im eigenen Trainingscenter und während extern gebuchter Kurse erhalten die Mitarbeiter das Rüstzeug, um mit gefährlichen Situationen professionell umzugehen. Hier trainieren sie ihr Überleben bei lebensbedrohlichen Ereignissen, wie dem Absturz des Transporthelikopters oder dem Sturz ins Meer beim Überstieg vom Zubringerboot auf den Anlagenturm, ebenso wie das Retten der Kollegen. „Ob es um Korrosionsschutz unter Wasser oder um endoskopische Untersuchungen am Getriebe geht, unsere Teams verfügen über ein großes Expertenwissen. Hier im Backoffice sorgen wir für den reibungslosen Ablauf, damit alles zur Kundenzufriedenheit erledigt wird“, sagt Karin Bledsoe.

Das Offshore-Trainings- und Entwicklungs-Center Offtec in Enge-Sande bietet ebenfalls ein Aus- und Weiterbildungsangebot, das auch für das Arbeiten auf hoher See entwickelt wurde. Zertifizierte Maßnahmen für den Arbeits- und Brandschutz, die Brandbekämpfung und das Notfall-Management werden ebenso angeboten wie Trainings an Offshore-Windkraftanlagen.

In einem der weltweit modernsten Trainingszentren, dem Maritimen Trainings-Centrum (MTC), üben die Teilnehmer in einem Wasserbecken die Anwendung von Sicherheitstechniken und den Umgang mit ihrer Schutzausrüstung realitätsnah in allen Wetterlagen, inklusive zwei Meter hoher Wellen, Blitz und Donner.

Der Flughafen Husum-Schwesing hat sich zu einer wichtigen Drehscheibe der Offshore-Branche entwickelt. Regelmäßig starten Helikopter zu Service-Einsätzen in den Windkraftfeldern, die in der Nordsee in Betrieb oder im Bau sind. Bis zu zwölf Passagiere werden von zwei erfahrenen Hubschrauberpiloten mit spezieller Ausbildung für den Einsatz über Wasser auf den Plattformen abgesetzt, wo die Spezialisten ihrer Arbeit nachgehen.

„Gerade am Offshore-Betrieb, mit den Transporten, der Versorgung und Unterbringungen der Crews, partizipieren viele Unternehmen aus der Region, wie Hotels und Restaurants, Geschäfte und Taxiunternehmen“, erläutert Hasso von Dammann, Geschäftsführer der Flughafengesellschaft.

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