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Erste Ergebnisse nach Dialogverfahren : Strom-Trasse im Spannungsfeld der Interessen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bei der Ergebniskonferenz des Bürgerdialogs zur Westküstenleitung ernteten die Planer Lob für Transparenz und Offenheit. Die Bürgerinitiativen fühlen sich jedoch nicht ausreichend informiert und beklagen den Mangel an Alternativen.

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erstellt am 11.Dez.2013 | 07:00 Uhr

Es wirkte fast schon befremdlich. Am Ende der Ergebniskonferenz des Bürgerdialogs zur Westküstenleitung stand ausgerechnet ein Mitglied eines Naturschutzverbandes auf und bedankte sich bei der Tennet, dem für den Bau zuständigen Netzbetreiber, für dessen Vorgehen und Transparenz. Im Beisein von Energiewendeminister Dr. Robert Habeck wurden die Vorzugskorridore für die rund 100 Kilometer lange 380-KV-Leitung zwischen Hemmingstedt (Kreis Dithmarschen) und Niebüll vorgestellt.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung im Husumer Nordsee-Congress-Centrum machte Habeck deutlich, dass es ihm im Wesentlichen um zwei Dinge geht: das Projekt soll schnell umgesetzt und möglichst viele Menschen in die Planungen eingebunden werden. Er sei sich bewusst, dass es sich um ein unbequemes Vorhaben handeln würde und es Belastungen und Ärgernisse geben wird, bekannte er. Vorrangiges Ziel sei aber die Energiewende. Und damit verbunden sei, das „Einsammeln des Windes“ an der Westküste und die Verteilung des Stroms im gesamten Bundesgebiet. „Wir sollten nicht das ,Ob‘ in Frage stellen, sondern das beste ,Wie‘ finden“, hatte er allen Beteiligen mit auf den Weg gegeben.

Unterschiedliche „Gemengelagen“ hatte Dr. Bernd Brühhöfner in den zurückliegenden Monaten ausgemacht. Nicht weniger als 1800 Betroffene hätten sich in die Planungen eingebracht, analysierte der Tennet-Gesamtprojektleiter Westküstentrasse. Mehr als 20 technische Vorprüfungen und 13 Streckenoptimierungen würden sich im Vorzugskorridor wiederfinden. „Ich möchte die Bürgernähe nicht verlieren“, schrieb er sich für die nächsten Monate ins Aufgabenheft und kündigte zugleich die Einrichtung von Runden Tischen in Breklum und Risum-Lindholm an.

Da ein Großteil der 380-KV-Leitungen im „Huckepackverfahren“ auf die bestehenden 110-KV-Trassen aufgesattelt würde, könnte der Eingriff in Raum und Natur minimiert werden, machte Dr. Joachim Kabs deutlich. Der Leiter der Eon-Netztechnik sieht die Planungen „auf einem guten Weg“. Er betonte aber, dass die Überprüfung der technischen Machbarkeit erst noch erfolgen muss. „Primär geht es uns um die Versorgung“, stellte er aber klar. Auf eine Nachfrage aus den Zuschauerreihen, was denn mit der 110-KV-Leitung passieren würde, wenn denn die 380-KV-Leitung beschädigt sei, konnte er keine verbindliche Aussage treffen. Nur eines: „Es werden nicht alle Lichter ausgehen.“

Im Bereich Tönning soll die 110-KV-Leitung mittels Spülbohrverfahren im Erdreich versenkt werden und die Eider queren – rund 1,5 Kilometer lang wird das Erdkabel sein. Ein unterirdisches Kabel wünscht sich die Interessengemeinschaft (IG) Westküste trassenfrei für die gesamte Strecke von rund 150 Kilometern, erklärte deren stellvertretender Vorsitzender Jürgen Dithmer. Er hob die Bedeutung Schleswig-Holsteins als „internationale Drehscheibe des Vogelzugs“ hervor. Starke Beeinträchtigungen befürchtet auch der Niebüller Carl-Heinz Christiansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz, zumal die 380-KV-Leitung vier Mal so dick sein wird wie die 110-KV-Leitung.

Dass rund 45 000 Datensätze in Bezug auf die Beobachtung der Vogelwelt ausgewertet wurden, und sogar noch einige Ergebnisse ausstehen, erklärte Christoph Herden. Der Geschäftsführer der Gesellschaft für Freilandökologie und Naturschutzplanung (GFN) nahm Stellung zu den Gegebenheiten innerhalb des Vorzugskorridors und freute sich darüber, dass auf einem Großteil der Trasse eine „Mitnahme“ der bestehenden leistungsschwächeren Leitung gelingen könnte.

„Wir haben aber nicht genug Vertrauen, dass uns reiner Wein eingeschenkt wird“, sagte Ellen Bauer von der IG Baupflege Nordfriesland. Sie kann es nicht nachvollziehen, dass ausgerechnet die Deutsche Umwelthilfe als Moderator des Dialogprozesses fungiert und die GFN überhaupt den Planungsauftrag angenommen hat. Dass die geplante Trasse vielerorts auf Gegenwind stößt, betonte auch ein anderer Zuhörer: „Immerhin haben sich in kurzer Zeit fünf Bürgerinitiativen in Dithmarschen und Nordfriesland gegründet.“ Auch Jürgen Reck von der Bürgerinitiative (BI) Eiderstedt unter Höchstspannung stufte das Projekt als bedenklich ein, zumal im jetzt ausgehandelten Koalitionsvertrag von CDU und SPD die erneuerbaren Energien nicht mehr den Stellenwert der Vorjahre haben würden. Ins selbe Horn stieß BI-Mitglied Alfred Jordy. Er überreichte an Minister Habeck eine Liste mit 700 Unterschriften gegen die geplante Trasse.

Dass die 380-KV-Leitung nur mit einer Auslastung von 30 Prozent gefahren wird, bestätigte Dr. Christian Schneller. Der Leiter von Tennet-Netzausbau verwies auf die Auftragsvorgabe. Die besagt, dass die Leitung für eine Leistungsaufnahme von 4,5 Gigawatt ausgelegt sein muss.

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