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Streetworker in Husum : Straßensozialarbeit auf schmaler Spur

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Diakonische Werk benötigt mehr Geld, um die Tätigkeit des Streetworker-Teams wieder auf das Niveau von vor zwei Jahren zu heben.

Es hängt – wie fast immer – am Geld: Das Diakonische Werk (DW) Husum hofft auf eine Finanzspritze aus dem Stadtsäckel, um das Streetworker-Angebot wieder auf das Niveau von 2015 anheben zu können. „Uns fehlen 22.000 Euro pro Jahr“, sagt DW-Geschäftsführer Volker Schümann. Die waren bis vor zwei Jahren aus externen Projektfinanzierungen und Spenden zugeflossen. „Daher stehen seit Frühjahr 2016 für das Angebot zehn Wochenstunden weniger als als im Vorjahr zur Verfügung – und zudem auch weniger Mittel für Sach- und Nebenkosten.“

Im Klartext heißt das, dass die Arbeitszeit von Marco Treptow – einem Krankenpfleger mit langjähriger Erfahrung in der Psychatrie und Drogenhilfe – in diesem Bereich um besagte zehn Stunden reduziert werden musste. Insgesamt stehen für das Streetworker-Team damit derzeit nur noch 43 Wochenstunden zur Verfügung, die in der Masse von Jens Uwe Kiesbye als Erzieher mit Schwerpunkt Suchtprävention in Vollzeitstelle ausgefüllt werden. Komplettiert wird das Team von Diplom-Sozialarbeiterin Antje Fredrich. „Die ist zwar nur geringfügig beschäftigt, verschafft uns aber als einzige Frau im Team wertvollen Zugang zu weiblichen Hilfesuchenden“, so Schümann.

„Wegen der verminderten Stundenzahl können wir nur noch die Öffnungszeiten des Pavillons am ZOB personell bedienen“, klagt Adelheit Marcinczyk, die neue Leiterin des Diakonischen Werks. Sozialarbeit auf der Straße habe schon seit Frühjahr 2016 nicht mehr geleistet werden können. „Dabei ist die so wichtig, weil hier der erste Kontakt zu Jugendlichen aufgebaut und eine Vertrauensbasis geschaffen wird. Daran kann man dann mit echten Hilfsangeboten andocken.“

Dazu gehörte von 2013 bis 2015 auch ein Projekt für junge wohnungslose Menschen. „Dank einer Landeskollektenspende stand in dieser Zeit eine gesicherte Übernachtungsmöglichkeit für maximal drei Personen bis zu vier Nächten zur Verfügung“, erzählt Schümann. Eine sehr sinnvolle Ergänzung der niedrigschwelligen Hilfen, wie er sagt. Allerdings auch eine sehr aufwändige: „Es ist nicht einfach, hier in Husum so eine kleine Wohnung vorzuhalten, die nicht durchgängig belegt ist.“

Die Klientel der Streetworker seien Menschen in prekären Lebenslagen mit teils erheblichen sozialen Schwierigkeiten, schwerpunktmäßig junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren. „Und deren Aufenthaltsorte wechseln“, so Schümann. Die noch vor einigen Jahren prekäre Lage auf dem Marktplatz, die von vielen Geschäftsleuten in der Umgebung beklagt worden sei, habe sich mittlerweile „positiv stabilisiert“, nicht zuletzt durch die Arbeit der Streetworker. „Die Jugendlichen sind von da aus weitergezogen.“ Im Sommer finde man sie in der Nähe des Rathauses – und zum Teil das ganze Jahr über im Pavillon.

Der wird von der Stadt zur Verfügung gestellt und besitzt einen Aufenthaltsraum mit Sitzmöglichkeiten, Spiel- und Lesestoff, Tischkicker und Boxsack und ist der Hauptstützpunkt der Straßensozialarbeit in Husum. Auch eine Duschmöglichkeit, Waschmaschine und Trockner sind vorhanden – und ein Küchenbereich: „Da haben wir im vergangenen Jahr ein gemeinsames Kochen angeboten, was gut angenommen wurde“, sagt Adelheit Marcinczyk. Ein Deeskalations-Training sei ebenfalls schon dort durchgeführt worden. „Die gesamte Arbeit findet im Pavillon und aus ihm heraus statt.“ Und es gebe dort ein Telefon und einen Laptop mit Internet-Zugang, der von den Besuchern genutzt werden könne.

Die jährlichen Telefonkosten des Streetworker-Teams von rund 1300 Euro waren denn auch einer der Knackpunkte in der letzten Sitzung des Sozialausschusses, wo über die Erhöhung des Zuschusses für diesen Arbeitsbereich des Diakonischen Werks beraten wurde. Wobei diese Summe bei drei Mobiltelefonen für die Mitarbeiter und dem Anschluss im Pavillon schon ziemlich schnell erreicht ist. „Insgesamt haben die Stadtpolitiker aber eine hohe Wertschätzung für deren Tätigkeit gezeigt“, so Marcinczyk. Dennoch: Da sich nicht alle Ausschussmitglieder mit dem Thema genügend vertraut fühlten, wurde die Entscheidung darüber auf die nächste Sitzung am 28. März verschoben.

„Bis dahin wird sich Henning Carstensen als Leiter des Sozialzentrums mit Adelheit Marcinczyk zusammensetzen und auf dieser Grundlage eine Beschlussvorlage der Verwaltung erarbeiten“, so Bürgermeister Uwe Schmitz. Ihm ist nach eigenen Worten „sehr an der erfolgreichen Fortführung der Straßensozialarbeit gelegen“. Schümann und Marcinczyk bauen darauf, dass das auch die Stadtpolitiker so sehen.

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erstellt am 25.Feb.2017 | 16:00 Uhr

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