zur Navigation springen

Enttäuschte Bürger : Straßenausbau kommt teuer zu stehen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Straßenausbau-Beitragssatzung von Bredstedt verlangt von jungen Familien des Wohngebiets „Klein-Moskau“ teilweise bis zu 17.000 Euro für die Straßensanierung. Die Stadt bemüht sich, den Betroffenen in dieser Situation zu helfen.

Schlaflose Nächte für die Bewohner von „Klein Moskau“. Die Straßen in dem Wohngebiet werden nach und nach saniert, die Kosten dafür sind hoch. Im ersten Bauabschnitt – Stettiner Straße, Clementstraße und Sandkuhle – rollen die Bagger Mitte Juni an, erste Abschläge für das Bauvorhaben sind dann von den Anliegern im Herbst zu zahlen. Keiner von ihnen wird darum herumkommen, schließlich gibt es eine Straßenausbaubeitragssatzung und die ist Gesetz. Das die Straßen im schlechten Zustand sind, darüber gibt es keinen Zweifel – von niemanden aus der Runde der Bewohner, die sich kürzlich bei Ann Kristin und Arne Petersen in der Wohnstube zum „Krisengespräch“ trafen. Petersens sind Eltern zweier Kindern und haben ihr Haus vor wenigen Jahren in „Klein Moskau“ gekauft. Auf Anraten von Arnes Vater, der bei der Renovierung fleißig mithalf und nun sprachlos ist. Annähernd 17.000 Euro muss die Familie für die Straßensanierung zahlen – Geld, das sie nicht in der Schublade hat. Der Betrag ist höher als bei einigen anderen Anliegern. Grund: Familie Petersen besitzt ein Eckgrundstück und zahlt daher zweimal.

Gertrud Schröder geht es genauso. Die 84-Jährige muss auch ungefähr mit 17.000 Euro rechnen und zahlt für die Straßensanierung bereits zum dritten Mal in ihrem Leben, wie sie erzählt. „Was nun werden wird? Ich weiß es nicht. Am liebsten würde ich wegziehen, aber wer kauft schon mein Haus“, so die Rentnerin.

Ein anderes Beispiel ist Klaus Zobel, der mit seiner Familie ein Eckgrundstück besitzt. Die Drelsdorfer Straße ist bereits vor Jahren saniert worden – Zobels zahlten ihren Teil. „Damals wurde uns versprochen, das wir in den Genuss der Ein-Drittel-zwei-Drittel-Regelung kommen“, erzählt der Grundstückseigentümer. Sollte heißen: Die Familie zahlt für die Sanierung der Clementstraße nur ein Drittel der Kosten. Dumm nur, dass es in der Zwischenzeit einige Nachträge in der Ausbaubeitragssatzung gab und die Stadt am finanziellen Tropf des Landes hängt – das Versprechen ist damit nichts mehr wert.

Nicht ganz soviel, aber dennoch stolze 8500 Euro muss Morten Klug berappen. Das Geld würde er lieber in die Sanierung seines Hauses stecken, aber das muss wohl nun warten. Wie er und einige andere Anlieger die Summen zusammenbekommen sollen, ist fraglich. Teilweise bekämen sie noch nicht einmal mehr einen Kredit bei den Banken – das Rating ist zu schlecht. „Wir fühlen uns einfach hilflos“, fasst Carmen Müller die Gesamtlage zusammen. Auch ihre Familie gehört zu den Besitzern von Eckgrundstücken, was wiederum für die Familie knapp 14.000 Euro bedeutet. Mit Blick auf die „Härtefälle“ in der Wohngegend sprachen sich viele des Wohnzimmertreffens für Einzelfallentscheidungen aus. Trotz zwei Anwohnerversammlungen mit Stadt und Planer des Projekts sowie der Gründung einer Arbeitsgruppe, deren Mitglieder von Haus zu Haus gingen, um eine verträgliche Lösung für alle zu finden, fühlen sich einige der Anlieger nicht richtig informiert. Andere sprechen von einer „Hauruck-Aktion“, einer „gewissen Arroganz“, „Existenzängsten“, „Fehlern aus der Vergangenheit, für die wir jetzt gerade stehen müssen“ und „sechs Prozent Zinsen bei Kreditaufnahme“ halten die meisten Beteiligten für schlichtweg zu hoch. Nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts plädieren sie für verkehrsberuhigende Maßnahmen und eine Lastenbeschränkung, damit „die Straßen nicht gleich wieder kaputt gefahren werden.“

Und was sagt Bürgermeister Knut Jessen dazu? „Das es mit dem Geld schwierig wird, war klar. Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit den Banken und versuchen wirklich alles, um die Situation für jeden erträglich zu machen. Jeder der Probleme hat, kann mit uns reden. Wir kümmern uns, versprochen.“ 85 Prozent der gesamten „Klein-Moskau“-Sanierung tragen die Anlieger, 15 Prozent die Stadt. „Unseren Teil bekommen wir durch Zuschüsse vom Land. Als Sonderbedarfsempfänger können wir den Anliegern finanziell nicht helfen, ansonsten riskieren wir die Förderungen“, so der Bürgermeister. Dass die Stadt die Kosten der Straßenbeleuchtung übernimmt, stößt den Anliegern auf, frei nach dem Motto „Investiert lieber in die Straßen“. Dazu Knut Jessen: „Das Geld für die Beleuchtung kommt aus einem anderen Topf und hat damit nichts zu tun.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen