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Husumer Nachrichten

18. Oktober 2017 | 13:49 Uhr

Geocaching : Storms Spur führt ins Leere

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Geocacher-Ehepaar aus dem Münsterland lernt auf seiner Spurensuche in Husum zwar einiges über den bekanntesten Sohn der Stadt, aber den erhofften Schatz findet es nicht.

von
erstellt am 29.Mär.2016 | 14:00 Uhr

Ob sie schon mal schief angeguckt oder für potenzielle Einbrecher gehalten worden seien? Martina und Tim Viefhues schmunzeln: „Nein, das ist uns bislang erspart geblieben“, sagen sie, räumen aber ein, dass ihr Hobby auf den einen oder anderen, der von Geocaching noch nie etwas gehört hat, sonderbar wirken kann. Menschen, die umherstreifen, als suchten sie etwas, hinterlassen nun mal einen seltsamen Eindruck. „Aber wir suchen ja tatsächlich etwas“, erklären sie.

Seit 15 Jahren macht das Paar aus Wahrendorf im Münsterland Urlaub in Büsum und unternimmt von dort aus immer auch einen Ausflug nach Husum: „Erst recht, wenn – wie jetzt – die Krokusse blühen.“ Aber noch lieber als zur Krokusblüte durch den Schlossgarten gehen die beiden auf Schatzsuche. Und an Tagen wie diesen lässt sich das eine mit dem anderen optimal verbinden. Geocaching ist eine Art elektronische Schnitzeljagd und erfreut sich nicht nur in Deutschland wachsender Beliebtheit. Die Idee knüpft an das sehr viel ältere Letterboxing an. Was Mitte des vorvorigen Jahrhunderts im südenglischen Dartmoor mit Kompass und ein paar guten Tipps begann, hat sich seit der Jahrtausendwende dank moderner Satellitentechnik und des Internets eine weltumspannende Fangemeinde erobert. Bei den sogenannten Geocaches, die dem „Schatz“ ihren Namen geben, handelt es sich im Regelfall um wasserdichte Behälter, in denen ein Logbuch und Tauschgegenstände aufbewahrt werden und deren Koordinaten auf entsprechenden Portalen im Internet zu finden sind. Um diese Dosen zu entdeckten, machen sich die Geocacher dann mit Hilfe ihrer Smartphones oder GPS-Geräte auf den Weg. Im Erfolgsfall dokumentieren sie ihren Fund im Logbuch oder vermerken ihn im Internet. Danach wird er wieder dorthin zurückgelegt, wo er gemacht wurde.

Aber so weit sind Martina und Tim Viefhues noch nicht. Obgleich die Koordinaten eigentlich stimmen müssten, schauen sie skeptisch auf ihre Smartphones und das GPS-Gerät, denn die Dose will sich partout nicht zeigen. „Hier in diesem Efeu muss sie irgendwo sein“, sagt Tim, während seine Frau den Fundort von der anderen Seite inspiziert. Am Morgen habe ein anderer Schatzsucher mehr Erfolg gehabt, berichtet Tim und will die Hoffnung noch nicht aufgeben.

Wie seine Frau über ihn, so sei er über einen Bekannten zum Geocaching gekommen, berichtet der gelernte Drucker, während er vorsichtig das Efeu zur Seite schiebt und hofft, doch noch fündig zu werden. Das war zu der Zeit, als es mit dem Geocaching losging. „Ich bin nie so der Naturmensch gewesen“, bekennt Tim Viefhues, „aber jetzt hatte das Rausgehen plötzlich ein Ziel und du lerntest Gegenden kennen, wo du sonst niemals hinkämest. Und lehrreich ist das Ganze auch noch. Zum Beispiel heute, wo der Weg zum Ziel über einen sogenannten Multi-Cache führt, der sich auf den Spuren Theodor Storms bewegt. „Wir waren schon bei seinem Geburts- und bei seinem Elternhaus“, berichtet Martina. „Aber was der Fundort, der natürlich geheim bleiben muss, mit Storm zu tun hat, das wissen wir auch nicht“, ergänzt der 35-jährige Tim. Ist auch nicht so wichtig, denn die beiden sollen nicht mehr fündig werden.

„Leider werden viele Dosen zerstört“, weiß das Paar aus langjähriger Erfahrung zu berichten. Allein Tim hat, seit er Geocaching betreibt, schon mehr als 2000 Funde gemacht. Als Geocacher der ersten Stunde sei er zu jeder Schandtat bereit, bekennt er, „jedenfalls soweit alles legal bleibt. Private Grundstücke würde ich zum Beispiel nie betreten“. Wohl ein Grund mehr, warum er bislang nicht für einen Einbrecher gehalten wurde.

Übrigens: Geocacher haben sogar eine eigene Sprache entwickelt. Doch zum „Trauma-Cache“ – einem Ort, an dem sich trotz mehrfacher Anläufe nichts finden ließ – wird sich die heutige Suche nicht auswachsen, denn Martina und Tim Viefhues müssen noch zurück nach Büsum. Und vielleicht gibt es für den Misserfolg ja auch eine ganz einfache Erklärung: Gestern waren Gärtner hier und haben den Efeu ordentlich gerupft. Vielleicht ist dabei auch die Dose bei den Gartenabfällen gelandet. Für Geocacher wie Martina und Tim ist das allerdings ein schwacher Trost.

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