zur Navigation springen

Husum-Werk „Der Nordseespuk“ : Storm ermittelt wieder: Neuer Krimi von Tilman Spreckelsen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Tilman Spreckelsen hat seinen zweiten Husum-Krimi veröffentlicht. Am Sonntag (19.) stellt er das spannende Werk im Schloss vor.

Husum, 1843: Im Hafenbecken entdeckt Peter Söt, Schreiber und Freund des jungen Anwalts Theodor Storm, im Schlick einen goldenen Pokal. Als er mit einer Leiter zurückkehrt, um ihn zu bergen, ist der Kelch verschwunden. Dafür liegt eine Leiche im Schlick. Der erste von mehreren Toten, die Husum in Angst und Schrecken versetzen. Alle Ermordeten hatten Kontakt zu einer Sekte, die vor mehr als 100 Jahren auf der Insel Nordstrand ein Paradies auf Erden, einen Gottesstaat, errichten wollte. Und Storm entdeckt, dass es diese Gemeinschaft im Verborgenen noch immer gibt. In seinem zweiten Storm-Krimi, „Der Nordseespuk“, zieht Storm-Preisträger Tilman Spreckelsen alle Register des Genres.

„Der Nordseespuk“ von Tilman Spreckelsen.
„Der Nordseespuk“ von Tilman Spreckelsen. Foto: Fischer Verlag
 

Im Interview mit den Husumer Nachrichten erzählt er über den Wahrheitsgehalt seiner Krimis, die Faszination von Storms Gruft und was der Dichter im heutigen Husum vermissen würde.

Was verbindet Sie mit Theodor Storm, und wann fassten Sie den Entschluss, ihn zum Krimi-Helden zu machen?

Theodor Storms Werke, seine Novellen, Gedichte und nicht zuletzt seine Spukgeschichten begleiten mich seit vielen Jahren. Es sind immer andere, die mir besonders viel bedeuten, aber es sind immer Texte von Storm. Meine Krimis aber haben mehr damit zu tun, dass ich Storm in seiner Zeit so interessant finde, dass er so viele Lebenszeugnisse aus einer der spannendsten Epoche überhaupt hinterlassen hat, dem mittleren neunzehnten Jahrhundert.

Der zweite Fall für Peter Söt und Theodor Storm hat ja schon Illuminati-Charakter. Wie viel Wahrheit steckt in dem Nordstrander Geheimbund, der die Husumer da das Fürchten lehrt?

Das allermeiste, was ich über Antoinette de Bourignon berichte, die im siebzehnten Jahrhundert als Anführerin einer sektiererischen Glaubensgemeinschaft gelebt hat – auch in Husum –, ist aus der Biografie genommen, die einer ihrer glühendsten Anhänger geschrieben hat. Sie hat in Husum eine Druckerei eingerichtet, seltsamerweise in einem Haus am Hafen, das später Storm oft besucht und in einer Novelle auch genau beschrieben hat. Aber natürlich gibt es keinen Beweis dafür, dass diese Sekte nach Antoinettes Wegzug hier weiter bestanden hat.

Aus „Nordseegrab“ kennen wir Sie als akribischen Rechercheur. Gleichwohl kommt es in „Nordseespuk“ an einer Storm-Stätte zum Showdown, die Sie im Gegensatz zum Ehrenpräsidenten der Storm-Gesellschaft, Prof. Karl Ernst Laage, gar nicht von innen gesehen haben: seinem Grab. Warum gerade dort?

Es ist einfach ein unwiderstehlicher Ort, selbst wenn man ihn – wie ich – nur von außen kennt. Ich habe mir von Professor Laage aber berichten lassen, wie es in der Gruft aussieht. Ich habe Zeichnungen und Fotos gesehen. Und schließlich hat Storm auch diese Gruft sehr genau beschrieben.

Sie haben mal gesagt, dass sie sich auf Storms Spuren in jene Orte verliebt haben, an denen der sich aufgehalten hat. Und Sie wollten sich vorstellen, wie es dort zu seiner Zeit gewesen ist. Drehen wir den Spieß mal um: Was meinen Sie, würde Storm über das heutige Husum sagen?

Ich weiß es nicht. Ich vermute aber, dass er ganz sicher das Packhaus in der Hohlen Gasse vermissen würde, das einst neben seinem Elternhaus stand und in dem sein Vater gearbeitet hat. Ich jedenfalls finde es sehr traurig, dass es abgerissen worden ist.

In „Nordseespuk“ haben Sie das Personal um Storms Cousine, Constanze Esmarch, erweitert. Bahnt sich da etwas an?

Eine Ehe – das habe ich nicht erfunden, das war einfach so. Kurz nach Silvester 1843/44 waren die beiden verlobt. Mein Ehrgeiz war, Constanze als eine selbstbewusste Frau zu schildern, die ihrem oft recht fordernden Verlobten Paroli bietet.

Ihr Krimi-Held ist der junge Storm, der bislang nur ein paar Gedichte geschrieben hat, also nicht der, der Sie als Leser so fasziniert hat. Macht das Ihre Fiktion ein bisschen einfacher, oder wird Storm im fünften, sechsten Spreckelsen-Roman irgendwann beides sein: Kriminalist und bedeutender Autor?

Mich reizt der junge Storm entschieden mehr, auch weil ich ihn so Dinge erleben lassen kann, die er später in seinen Novellen schildern wird. In diesem Roman sind es Beschreibungen aus „Lena Wies“, „Marthe und ihre Uhr“ und viele andere mehr.

Ist Nummer drei bereits in Arbeit? Und wenn ja, worum wird es diesmal gehen?

Ja, ich schreibe gerade daran. Diesmal geht es zum Sängerfest nach Bredstedt, das Storm im Sommer 1844 mit organisierte. Es treten auf: Sänger, Verschwörer, Spione und eine Ex-Verlobte von Storm, die ihn in ernsthafte Verwirrung stürzt.

Am Sonntag, 19. Juni, ab 17 Uhr, stellt Spreckelsen sein neues Buch im Rittersaal des Schlosses vor Husum vor. Karten gibt es im Storm-Haus, Wasserreihe 31, und in der Schlossbuchhandlung, Schlossgang 10, Telefon 04841/89214.

 

zur Startseite

von
erstellt am 17.Jun.2016 | 14:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen