Ungetüm : Stopfmaschine arbeitet sich durchs Gleisbett

Der Stopfmaschine folgt dieses Reinigungsgerät und übernimmt den „Streckenputz“. Foto: Dieter Wrege
Der Stopfmaschine folgt dieses Reinigungsgerät und übernimmt den „Streckenputz“. Foto: Dieter Wrege

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13. August 2008, 09:12 Uhr

Niebüll | Am Montag um 10.17 Uhr rollte ein "gelber Riese" auf dem Bahnhof Niebüll ein: eine so genannte Gleisstopfmaschine aus Achim bei Bremen. Zehn Stunden später setzte sich das Ungetüm am Dagebüller Strandhotel geräuschvoll in Richtung Niebüll in Bewegung. Das war der Auftakt zu turnusmäßigen Gleisarbeiten auf den Neg-Strecken Niebüll-Dagebüll und Niebüll-Bundesgrenze.

"Ein Bahndamm ist so etwas wie ein lebendiges Wesen", erklärte Ingo Dewald, Geschäftsführer der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft (Neg) Niebüll. Der Untergrund unter den Gleisen sei in steter Bewegung und führe zu Unebenheiten, die im Extremfall "sicherheitsrelevant" sein, ansonsten aber den Komfort des Bahnfahrens beeinträchtigen können.
Löcher im Untergrund
Ein neuralgischer Bereich zwischen Niebüll und Dagebüll ist der Streckenabschnitt im Kleiseerkoog. Dort fahren die Züge der Neg über moorigen Untergrund. Dieser ist bei der umfassenden Strecken-Sanierung im vergangenen Jahr zwar weitgehend stabilisiert worden, doch die extreme Trockenperiode in diesem Sommer führte zu Löchern im Untergrund und damit zu Unebenheiten, die jetzt im Zuge einer Art "Nachsanierung" beseitigt werden.

Von unten nach oben gesehen setzt sich der Untergrund eines Bahndamms aus mehreren Schichten zusammen. Über dem Boden liegt das aus einer Sand-Kies-Schicht bestehende Planum. Es folgt die Schotter-Schicht, bestehend aus gebrochenem Gestein. Auf dem Schotterbett ruht schließlich der aus Schwellen und Schienen bestehende Gleis-Rost.
Spezialgerät zeigt Unebenheiten auf
Aufgabe der Stopfmaschine ist die Wiederherstellung der Soll-Lage von Schwelle und Schiene. Rüttelnde Greifer stoßen tief in den Schotter hinein und füllen entstandene Löcher auf. Diesem Vorgang geht eine Vermessung voraus. Ein Spezialgerät zeigt Unebenheiten auf. Diese werden zum Beispiel mit Kreide ans Gleis geschrieben aus dem Führerstand der Stopfmaschine erkannt und in den Steuermechanismus der Maschine eingegeben, die alles Weitere besorgt.

In den Stopfvorgang werden die Bahnübergänge einbezogen. Dort müssen die Asphaltdecken entfernt und nach dem Stopfen vom Straßenbau wieder aufgebracht werden. Derlei Vorgänge führen zu Verkehrs-Beeinträchtigungen - und Umleitungen.
Gearbeitet wird nachts
Für das "Belastungsstopfen" zwischen Niebüll und Dagebüll sind drei, für die Strecke Niebüll-Süderlügum zwei Nächte eingeplant. Je nachdem, wie stark der Boden unter den Gleisen "lebt", werden Stopfvorgänge etwa alle zwei Jahre wiederholt. Vorher ist entlang beider Strecken zusätzliches Schotter-Gut ausgebracht worden, das aus Mühlberg bei Cottbus stammt.

Zum Stopfen wird ein so genannter "Stopfexpress" eingesetzt. Die Maschine ist 30 Meter lang, 94 Tonnen schwer und hat 440 KW starke Motoren. Auf Eigenfahrt kann sie 100 km/h schnell sein. "Wenn sie arbeitet, schafft sie, je nach Beschaffenheit der Arbeitsstrecke, einen bis zwei Kilometer pro Stunde", verriet Arbeitszugführer Andy Hoppe. Die Strecke ist den Leuten der Firma "Wiebe" noch aus dem vergangenen Jahr vertraut. Der Stopfmaschine folgte eine Reinigungsmaschine, die lose aufliegende Schottersteine in den Gleiskörper zurück beordert - und den Gleiskörper danach "wie neu" aussehen lässt.

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