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24 Stunden Husum: 23 bis 24 Uhr : Stimmung, Musik und ein gutes Bier

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die grüne Insel als Vorbild: Das „Shamrock“ ist der einzige Irish Pub in der Storm-Stadt – und hat zahlreiche treue Fans. Neben der Atmosphäre lockt auch ein buntes Kneipen-Programm.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2013 | 12:00 Uhr

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an verschiedenste Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 19: Wo vor Mitternacht noch mal so richtig die Post abgeht.

Freitagabend, 23 Uhr: Zielstrebig sprintet die Husumerin Jennifer Tesch Richtung Bühne. Voller Inbrunst haucht sie dort mit souliger Stimme dem Hit „Rolling in the Deep“ der Sängerin Adele per Playback neues Leben ein. Sie hat Erfahrung: Schon öfters hat die 17-Jährige im einzigen Irish-Pub der Storm-Stadt, dem „Shamrock“ am Osterende, Karaoke-Einlagen hingelegt.

Immer mehr Gäste aus der Region geben sich hier die Klinke in die Hand, und die meisten sind Wiederholungstäter. Eine herzliche Umarmung hier, ein fester Händedruck da, Fragen nach dem Befinden machen die Runde, Erlebnisse werden ausgetauscht. Wie in einer großen Familie geht es in der Kneipe mit dem nicht alltäglichen Innenleben zu.

Auffällig ist die Dekoration: die ausgediente britische Telefonzelle, das alte Jack-Daniels-Fass auf der Bühne oder auch die Schallplatten an den Wänden und nicht zuletzt das eine oder andere Musikinstrument. Hinter dem Tresen zapft Hausherr Kilian Ivers gerade ein frisches Guiness. Neue Gäste heißt er persönlich willkommen, jedem Stammbesucher gönnt er ein freundliches Wort, und immer hat er einen flotten Spruch auf Lager. Der 24-jährige Gastronom kann nicht verbergen, dass er seinen Beruf liebt. Auch sein dreiköpfiges Mitarbeiter-Team ist locker drauf und wie die Gäste in bester Feierlaune. Schnell gehören die Neuen zur Familie. Das Wochenende kann starten, und einmal mehr sind die meisten Gäste nicht nur wegen des Feierabendbieres und der guten Atmosphäre da. Denn Freitag ist Karaoke-Abend und der hat, so der Chef des Hauses, Kultcharakter.

„Ich komme gern mit meiner Cliqué her. Dann singe ich ein, zwei Lieder und habe meinen Spaß“, bekennt Jennifer Tesch. Das Gute sei, dass jeder Interpret hier mit Respekt behandelt, ja gefeiert werde, und es werde auch kräftig applaudiert. In der Tat: „Zugabe, Zugabe“, tönt es der jungen Frau entgegen. Wer könnte da widerstehen. So flüstert sie Mitarbeiter Knut Krause zu: „Leg doch bitte noch ,Skyfall‘ auf.“ Für den Friedrichstädter kein Problem. Er kann aus einer Sammlung von mehr als 69 000 Titeln auswählen – übrigens die größte im ganzen Land, wie er nicht ohne Stolz sagt. „Mir macht die Arbeit tierischen Spaß. Ich finde es klasse, dass sich die Menschen hier ausprobieren können“, sagt er. Als er vor fünf Jahren gemeinsam mit seinem Chef loslegte, hätte er nicht gedacht, dass ihn der Karaoke-Virus mal dermaßen infizieren würde. Das „Shamrock“ biete aber noch viel mehr, sagt er. Mindestens einmal im Monat gebe es sonnabends Live-Konzerte mit Vollblutmusikern. Auch dann sei die Kneipe proppevoll. Und jeden zweiten Donnerstag ist Pub-Quiz. Am Ende des Abends schäle sich dann der Knobel-Millionär heraus und dem winke ein Getränkegutschein. Und die ausgewählten irischen und deutschen Biersorten schätzten die Besucher ebenfalls.

Mittlerweile ist es 23.30 Uhr und fast alle Plätze sind besetzt. „Macht wieder Spaß“, freut sich der Hausherr. Auch Christine Cunze aus Hattstedt ist eingekehrt. Mit ihrer Freundin Maike Föste aus Freising in Bayern will sie einen gemeinsamen Urlaubstag ausklingen lassen. „Urig und saugemütlich ist das und außerdem mag ich Karaoke“, sagt die Wahl-Bayerin, die es der Liebe wegen von Nordfriesland in das Land der Berge gezogen hat. Der 16-jährige Lukas Kolk aus Bredstedt ist erst zum dritten Mal da – und fühlt sich sichtlich wohl. „Mir gefällt die Einrichtung. Der Laden hat was und die Stimmung ist topp. So etwas fehlt in Bredstedt“, sagt er. Sein Tischnachbar, der Husumer Pensionär Fritz Hansen, stimmt ihm zu. Er liebe das Ambiente und vor allem die Irish-Folk-Konzertabende. Mutig finde er es von den jungen Leuten, öffentlich zu singen. Er selbst würde sich das nicht zutrauen.

Ein Blick auf die Armbanduhr verrät: Gleich 24 Uhr. Immer mehr Besucher kommen – kein Wunder, denn die Party geht weiter, bis vier Uhr morgens. Nie ist die Bühne verwaist, das Stimmungsbarometer steigt. „Nächsten Freitag bin ich wieder da“, kündigt Hansen an.

Das „Shamrock“ – übersetzt heißt das Kleeblatt und ist das inoffizielle Nationalsymbol Irlands – gibt es seit 2008 in Husum, zunächst auf der Neustadt und seit Frühjahr am jetzigen Ort. Geöffnet hat es nur donnerstags bis sonnabends von 19 bis 4 Uhr. „Effizientes Arbeiten aus der Erfahrung heraus“ nennt Ivers das: Er habe lieber an drei Tagen einen vollen Laden als nur mäßige Besucherzahlen in der Woche. Und das System habe sich bewährt.

Teil 20 morgen: Geisterstunde auf dem Südfriedhof.

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