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Vogelschutzgebiet Hauke-Haien-Koog : Stille Wacht im Vogelparadies

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Henrik Mauss und Ilka Limmer leisten ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr im Hauke-Haien-Koog ab. Sobald etwas nicht stimmt im Naturschutzgebiet, schlagen sie Alarm.

Der Wind tobt und es regnet in Strömen. Keine guten Voraussetzungen für eine Wanderung. Lukas Barbek, Henrik Mauss und Ilka Limmer haben schon geahnt, dass sich bei diesem Wetter kaum jemand vor die Tür wagt, um an ihrer ornithologischen Führung durch den Hauke-Haien-Koog teilzunehmen. Die drei leisten gerade ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) beim Verein Jordsand ab, der das heutige Naturschutzgebiet, das Ende der 1950er-Jahre eingedeicht wurde, betreut.

Der Hauke-Haien-Koog ist ein Paradies für Watt- und Wasservögel. Im Frühjahr und Herbst bietet das von Schilf- und Grünflächen umgebene Speicherbecken Tausenden von Zugvögeln einen Zwischenstopp, bevor sie weiter in ihre Brut- und Überwinterungsgebiete ziehen. Bei Hochwasser kommen viele Säbelschnäbler, Große Brachvögel und Brandgänse aus dem Wattenmeer in den Koog. Dass alles seine Ordnung hat im Vogelparadies, dafür sorgt der Verein Jordsand.

Doch heute scheinen selbst die Vögel ausgeflogen zu sein. Weit und breit kein Tier in Sicht, nur eine Kanadische Gans kann Barbek mit seinem Fernglas vom Infoturm „Watt’n Blick“ aus erspähen. „Bei starkem Wind verziehen sich die Vögel meist ins Hinterland“, erklärt er. Der 20-Jährige kam vor einem Jahr aus Hamburg nach Nordfriesland. „Ich wollte einfach weg aus der Großstadt und ans Meer. Mein Geologie-Lehrer brachte mich auf die Idee, mich für ein FÖJ im Norden zu bewerben“, antwortet er auf die Frage, was ihn denn ausgerechnet hierher verschlägt. Keine Diskothek, kein Kino, keine Kneipe – und selbst Einkaufsmöglichkeiten sind kilometerweit entfernt. Im Koog kann es einsam werden, besonders in den Wintermonaten. Barbek hat sich damit arrangiert. „Ich genieße die Weite und die Stille. In den letzten Monaten habe ich gelernt, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Man merkt hier schnell, was nötig und was unnötig ist. So kann ich auch nicht so viel Geld ausgeben“, sagt er schmunzelnd.

Es sind seine letzten Tage im Koog. Dann geht es voraussichtlich nach Greifswald – dort will der Hamburger Landschaftsökologie studieren. Er habe hier viel gelernt, seine Leidenschaft zur Ornithologie entdeckt und ein Netzwerk mit Naturschützern aufbauen können. Geduldig erklärt er seinen beiden Nachfolgern Henrik Mauss und Ilka Limmer, worauf es ankommt im Koog. Der Arbeitstag der FÖJ-ler ist lang. Von 8.30 bis 17.30 Uhr patrouillieren sie immer wieder durch das Naturschutzgebiet. Treten Störungen auf, schlagen sie sofort Alarm. Auch Vogelführungen und -zählungen stehen auf der Tagesordnung, genauso wie die Untersuchung des Spülsaums auf Umweltgifte wie Paraffine und Öl. Kontrolliert werden auch die Straßen. Liegen dort auffällig viele überfahrene Tiere, kann der Verein sogar eine Geschwindigkeitsbegrenzung erwirkten.

Bei ihrer Arbeit stehen den FÖJ-lern Schutzgebietskoordinatorin Christel Grave, Landschaftspfleger Bernd Schafschmidt und Biologe Dr. Walter Petersen-Andresen zur Seite. Letztgenannter kennt das Gebiet besser als seine Westentasche, ist seit 20 Jahren als Referent für den Hauke-Haien-Koog zuständig. „Das Wichtigste, was wir den jungen Leuten beibringen können, ist Verantwortungsgefühl und selbstständiges Handeln“, sagt er.

Der 18-jährige Henrik Mauss aus Schwäbisch-Hall und die gleichaltrige Ilka Limmer aus Selb hatten ähnliche Gründe wie ihr Vorgänger Lukas Barbek, sich für den Verein Jordsand zu entscheiden. Beide wollten nach dem Abitur eine Auszeit nehmen, um sich beruflich zu orientieren. „Ich musste mal raus aus den Bergen und was anderes sehen. Außerdem mache ich mit dem FÖJ gleichzeitig etwas Nützliches“, ist Limmer überzeugt. Wer ein FÖJ absolviert, bekommt ein monatliches Taschengeld, einen Zuschuss zu Unterkunft und Verpflegung und ist sozialversichert. Auch einen Urlaubsanspruch gibt es. Nach Abschluss erhalten die Freiwilligen, die in der Regel 16 bis 26 Jahre alt sind, ein qualifiziertes Zeugnis.

Die beiden freuen sich sehr auf ihre Zeit in Nordfriesland. Dazu haben sie auch Grund, wie Barbek findet. Er wird den Koog und seine gefiederten Freunde vermissen. Aber einen Vorteil hat das Stadtleben für ihn dann doch: „Endlich kann ich wieder einkaufen, wann und wo ich will.“

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erstellt am 26.Sep.2015 | 16:00 Uhr

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