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Hände weg vom Blumen-Joint : Stecken Kiffer hinter Hortensien-Klau?

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In einem Husumer Gartenbetrieb haben Unbekannte Hortensien abgeschnitten. Die Pflanze gilt bei Kiffern als beliebte Ersatzdroge für Marihuana. Experten warnen: Der Konsum eines Blumen-Joints kann lebensgefährlich sein.

Helmut Höfer ist entsetzt: Unbekannte haben in seiner Gärtnerei in Schobüll ganz gezielt Hortensien ausgesucht und die Pflanzen abgeschnitten. Der 74-Jährige glaubt zu wissen, welcher Szene er die Schäden in seinem Betrieb zu verdanken hat: „Was viele Gärten ziert, wird von Kiffern zweckentfremdet.“ Nach Höfers Informationen werden die abgeschnittenen Halme in etwa zehn Zentimeter lange Stücke geschnitten und dann über eine brennende Kerze gehalten.

Der Gärtnermeister ist sogar der Meinung, dass dabei organisierte Banden ihre Finger im Spiel haben. Das, so Höfer, würde auch erklären, warum jedes Jahr selbst an entlegensten Stellen Hortensien abgekappt werden. „Dabei werden immer mehrere Halme verschont – für die ,Ernte‘ im darauffolgenden Jahr.“ Der Blumen-Experte schließt daraus, dass die einzelnen Standorte der Pflanzen bekannt sind und schriftlich in einer Kartei festgehalten werden.

Der Verdacht, dass in Schobüll junge Triebe abgeschnitten worden sind, um sie zu trocknen, mit Tabak zu mischen und dann zu inhalieren, ist nicht von der Hand zu weisen. „Hortensien kann man durchaus rauchen“, erklärt dazu Dieter Pelties auf Anfrage. Und, so der Leiter der Suchtberatung im Diakonischen Werk Husum: „Dass das Leute ausprobieren, halte ich für möglich.“ Der Pflanze werde eine leicht euphorisierende Wirkung zugeschrieben.

Tatsächlich wird die bei Hobby-Gärtnern wegen ihrer bunten Blüten beliebte Hortensie immer wieder aus deutschen Vorgärten gestohlen – als Ersatz für Marihuana. Dabei begeben sich die Konsumenten allerdings auf einen lebensgefährlichen Trip. Experten wie Rainer Thomasius, Suchtexperte am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), raten denn auch dazu, die Finger vom Blumen-Joint zu lassen: „Der Konsum kann Schwindel, Beklemmungszustände und Herzrasen auslösen. Außerdem enthalten Hortensien den Stoff Hydrangenol, der Allergien und Hautausschläge verursachen kann.“

Auch Heidemarie Lux, Oberärztin am Klinikum Nürnberg und Vizepräsidentin der Bayerischen Landesärztekammer, warnt eindringlich davor, sich dem Rausch aus den Rabatten hinzugeben: „Beim Rauchen der Hortensie wird eine größere Menge Blausäure freigesetzt.“ Die führe je nach Menge zu schlimmen Vergiftungen. „Die Atmungskette wird blockiert und das zentrale Nervensystem zerstört – und das kann zum inneren Ersticken, also zum Tod führen“, so Lux. Typisch für Blausäurevergiftungen sei der Bittermandelgeruch in der ausgeatmeten Atemluft.

Gerade im Frühjahr, wenn die Blattknospen sprießen, gehen bei der Polizei verstärkt Meldungen über verstümmelte Sträucher ein. Die Diebe reizen dabei offenbar gleich mehrere Vorteile, die sich im Vergleich zum Marihuana-Konsum ergeben: Dieser Rausch kostet nichts, lässt sich leicht verschaffen – und ist völlig legal. Denn die gemeine Hortensie, Botanikern als „Hydrangea“ bekannt, fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Gegen den Missbrauch vorzugehen, ist schwierig. „Wenn jemand eine Marihuana-Plantage entdeckt, wird die von den Behörden sofort zugemacht. Es wird aber niemand auf die Idee kommen, Hortensien in den Vorgärten zu verbieten“, sagt Medizinerin Lux.

Wissenschaftler bezweifeln allerdings, dass die Pflanze tatsächlich eine berauschende Wirkung hat. Bislang sei noch kein Inhaltsstoff bekannt, der eine derartige Wirkung haben könnte. Möglicherweise bringe das Rauchen der Staude eine Art Placebo-Effekt mit sich, der einen Rausch vorgaukelt. „Bei den Konsumenten handelt es sich deswegen meist um Kinder und Jugendliche. Richtigen Kiffern ist die Wirkung viel zu schwach“, erklärt UKE-Mitarbeiter Thomasius. Nach Angaben der schleswig-holsteinischen Apothekerkammer haben vier Prozent aller 12- bis 25-Jährigen bereits Erfahrung mit den Blumen-Joints gemacht.

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