Arbeitsmarkt : Starthilfe für die Rückkehr ins Berufsleben

Fühlt sich wohl in ihrer neuen Berufstätigkeit: Teilnehmerin Kerstin Zollmann (vorne links) mit Jugendlichen des TSBW (vorne rechts) und Mitgliedern des Kooperationsteams.
Foto:
Fühlt sich wohl in ihrer neuen Berufstätigkeit: Teilnehmerin Kerstin Zollmann (vorne links) mit Jugendlichen des TSBW (vorne rechts) und Mitgliedern des Kooperationsteams.

Der Kreis Nordfriesland setzt ein Bundesförderprogramm um, bei dem Langzeitarbeitslose bei ihrem beruflichen Wiedereinstieg besonders unterstützt werden.

shz.de von
17. Januar 2018, 09:00 Uhr

Husum | 18 Jahre lang war Kerstin Zollmann für ihre Kinder zu Hause. Eine Ausbildung zur Hotelfachfrau hat sie abgebrochen, dennoch ist für die 38-Jährige klar: Mit dem Erwachsenwerden ihres ältesten Sohnes möchte sie zurück ins Berufsleben. „Gar nicht so einfach“, sagt die vielfache Mutter. „Wenn man so lange aus dem Berufsleben raus ist, weiß man gar nicht mehr, was man will und was für einen gut ist.“

Kerstin Zollmann ist eine von 4400 Langzeitarbeitslosen im Kreis Nordfriesland, für die meistens wenig Hoffnung auf dem Arbeitsmarkt besteht. Insbesondere dann nicht, wenn zusätzlich eine Erkrankung vorliegt oder Kinder im Haushalt zu versorgen sind.

Für diese Menschen gibt es jetzt eine besondere Chance: Der Kreis hat den Zuschlag für das Bundesprogramm „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ erhalten. Im Rahmen der Förderung werden  noch bis Ende des Jahres  645 000 Euro locker gemacht, um 25 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bereitzustellen. Diese müssen wettbewerbsneutral sein und im öffentlichen Interesse liegen, denn sie sollen möglichst niedrigschwellig und langfristig Menschen im Leistungsbezug die Rückkehr auf den Arbeitsmarkt erleichtern.

Um das möglich zu machen, arbeiten der Kreis, das Diakonische Werk und das Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk (TSBW) eng zusammen. „Von unseren Fallmanagern im Jobcenter werden geeignete Teilnehmer für die Maßnahme vermittelt“, erläutert Renate Fedde, Leiterin des Fachdienstes Arbeitsmarkt und Integration.

Die große Schwierigkeit: Nicht nur Mitwirkende, sondern auch Betriebe für die freiwillige Maßnahme zu gewinnen. Diese müssen nämlich etwa 25 bis 30 Prozent des Lohns übernehmen.

Nichtsdestotrotz konnten seit dem 1. September des vergangenen Jahres 18 Personen eine vom Jobcenter vermittelte Stelle beim Diakonischen Werk, dem TSBW, dem Kita- und Friedhofswerk sowie bei der Wohngemeinschaft Husumer Horizonte beginnen.

„Ich plädiere sehr für den Arbeitgeberanteil“, sagt Hans-Jürgen Vollrath-Naumann. „Das erzeugt die notwendige Ernsthaftigkeit im Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber“, so der Leiter des TSBW.

Die Betriebe müssen ein besonders hohes Maß an Flexibilität aufbringen: „Die Arbeits- und Lebenswelt der Teilnehmer liegt häufig noch weit auseinander“, sagt Volker Schümann, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Husum.

Damit der Start ins Berufsleben unter den besonderen Voraussetzungen der Langzeitarbeitslosigkeit gelingt, stehen Wienke Hansen-Lindemann und Georg Kröger den Beteiligten mit Coachings zur Seite. Thematisiert werden allgemeine Dinge wie die Pflichten und Rechte eines sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisses, aber auch Ängste und Sorgen.

Für Kerstin Zollmann ist das Bundesprogramm „das Beste, was mir passieren konnte“. In ihrer Tätigkeit als Hauswirtschafterin unterstützt sie Jugendliche im Diagnostikzentrum des TSBW bei ihrer täglichen Hausarbeit, aber auch beispielsweise beim Schreiben von Berichtsheften. „Das Tolle ist, dass ich in so viele verschiedene Bereiche reinschnuppern kann. Da kann ich schon einmal schauen, was mir für später am meisten Spaß bringt“, erzählt die 38-Jährige.

„Für später“ – das ist noch die große Crux des Bundesprogramms. Der Förderungszeitraum läuft noch bis Ende diesen Jahres. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss. „Die Verzögerung der Sondierungsgespräche begünstigen die Situation nicht gerade. Es ist schwer abzusehen, ob die neue Bundesregierung des Förderprogramm fortsetzt“, sagt Fedde.

Dennoch hat das Kooperationsteam ein klares Ziel: Möglichst sorgsam und zeitnah sollen die restlichen sieben Plätze besetzt werden.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen