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65 Vollzeitjobs : Stapelholmer Kaserne als Jobmotor

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das DRK hat bereits 65 Vollzeitkräfte für die Betreuung der Flüchtlinge in Seeth eingestellt. Es werden noch weitere Mitarbeiter gesucht. Dieselaggregate für die Stromversorgung des Containerdorfs belästigen die Nachbarn.

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erstellt am 07.Jan.2016 | 17:58 Uhr

Mittlerweile ist es fast schon ein ganz normales Bild. Dort, wo noch bis Ende Juni vergangenen Jahres die Sanitätsfahrzeuge der Bundeswehr die Szenerie beherrschten, sind es jetzt die Asylsuchenden. Die Umwandlung der Stapelholmer Kaserne zur Erstaufnahme-Einrichtung des Landes wurde zwar übers Knie gebrochen, doch nach anfänglichen Schwierigkeiten läuft der Betrieb. Auch der Ärger in der Verwaltung und bei den Bürgern über die schlechte Informationspolitik des Landes hat sich weitestgehend gelegt. Das mag auch damit zusammenhängen, dass sich die noch immer provisorische Erstaufnahme-Einrichtung als wahrer Jobmotor für die strukturschwache Region erweist.

Die Betreuung der Einrichtung hat das DRK übernommen. Zuständiger Mann vor Ort ist Lars Christophersen. „Bislang haben wir 65 Vollzeitkräfte angestellt. Insgesamt sollen es 80 werden“, sagt er. Gesucht werden gegenwärtig vor allem Hausbetreuer, Verfahrensberater, Erzieher und Sozialpädagogische Assistenten sowie Sozialberater. Interessenten sollten sich beim DRK melden. Auf der Homepage unter http://www.drk-nordfriesland.de/ finden sich Informationen über die noch offenen Stellen. Christophersen sagt, dass selbstverständlich auch direkt vor Ort, in der Stapelholmer Kaserne, nachgefragt werden könne. Nur würden die detaillierten Informationen vom Kreisverband erteilt. Zudem sind aktuell für das Landesamt für Ausländerangelegenheiten vier Mitarbeiter in Seeth tätig. Hinzu kommen noch Wachleute und Beamte der Landespolizei sowie Handwerker, die mit dem Aufbau beschäftigt sind.

Gestern befanden sich in Seeth gut 700 Asylsuchenden, noch gibt es reichlich freie Kapazitäten, Christophersen sieht seine Vorhersage bestätigt, dass wegen des Winterwetters weniger verzweifelte Menschen die Fahrt über das von Winterstürmen aufgepeitschte Mittelmeer wagen würden. „Die Todesfälle der vergangenen Tage in der Ägäis haben wieder deutlich gezeigt, wie dramatisch die Situation ist“, sagt der Einrichtungsleiter. Hepatitis A sei in Seeth kein Thema. Christophersen räumt ein, dass auch er anfänglich Angst vor möglichen durch die Asylsuchenden eingeschleppte Infektionskrankheiten gehabt habe. „Das ist aber längst vorbei. Wir bieten allen Mitarbeitern Impfungen an, doch auf Handschuhe oder gar Mundschutz verzichten wir. Und auch in der großen Erstaufnahme-Einrichtung Neumünster ist es noch zu keiner Ansteckung gekommen“, sagt er. Die Möglichkeit, sich anzustecken, hält der DRK-Mann beispielsweise in einer U-Bahn in einer Großstadt für wesentlich größer. „Da braucht wirklich keiner Angst zu haben, und wenn, dann gibt es ja die vorbeugende Impfung.“

Die widerwärtigen Vorfälle auf dem Vorplatz des Kölner Doms und auf St. Pauli sind natürlich auch Gesprächsstoff in Seeth. „Bei uns spielen sie allerdings nur eine untergeordnete Rolle“, sagt Christophersen. Ein Dolmetscher bestätigt ihm auf Nachfrage, dass viele Asylsuchende zwar darüber gesprochen haben, aber überzeugt davon seien, dass die Täter nicht aus dem eigenen Kulturkreis stammen, da dort so etwas nicht gemacht werde. Angst, dass sich die Nachwirkungen der Vorfälle negativ auf sie auswirken könnten, hätte der Dolmetscher noch nicht festgestellt. In der Seether Einrichtung selbst, so bestätigt der DRK-Mann, habe es bislang keine negativen Vorfälle mit Frauen gegeben.

Seeths Bürgermeister Peter-Wilhelm Dirks freut sich natürlich über die neuen Jobs, doch offiziell weiß er nichts darüber. Gehört habe er nur, dass wohl zwei Bürger aus der Gemeinde in der Küche der Einrichtung arbeiten würden. „Ich wünsche mir eigentlich nur, das ich auch über die Entwicklung informiert werde, denn die Kaserne liegt schließlich auf Gemeindegebiet. Zwar gehört sie dem Bund und ist an das Land verpachtet, dennoch sollte man auch die kleinen Ortsbürgermeister über Neuentwicklungen, wie etwa die Anzahl von Jobs, informieren.“

Auch hätte man die Einwohner, beziehungsweise die Gemeinde über den Aufbau von Dieselstromaggregaten unterrichten dürfen, klagt Dirks. Denn die drei großen Maschinen machen nach seinen Angaben einen solchen Lärm, dass die Bewohner des Alten Kirchenwegs kaum noch Schlaf finden. Hinzu kommen Schwingungen, die bei den Bewohner der alten Häuser den Eindruck erwecken würden, als wackele das ganze Haus. Die Aggregate werden allerdings bereits in wenigen Wochen wieder abgebaut, denn dann wird auf dem Kasernengelände eine eigene Trafostation errichtet, der Strom kommt dann durch ein bereits vorhandenes Erdkabel.

 

 

 

 

 

 

 

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