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Diskussion im Nordsee-Congress-Centrum : Standort-Entwicklung im Fokus

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Die Husumer Wirtschaft hatte zur Podiumsdiskussion geladen - und die Stadtparteien mussten sich drängenden Zukunftsfragen stellen.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 07:44 Uhr

Husum | "Wir blicken hier auf die Messehalle - da können wir das Thema Windmesse nicht außer Acht lassen", begrüßte Peter Cohrs als Vertreter der vier Husumer Wirtschaftsvereine, die unter dem Moto "Husum wählt" zur Podiumsdiskussion geladen hatten, die knapp 200 Gäste im Foyer des Nordsee-Congress-Centrums. "Man sollte jetzt aber kein politisches Dilemma daraus machen." Die Entscheidung sei gefallen - und die Politik habe gar keinen großen Einfluss auf sie nehmen können, denn eine Messegesellschaft sei nur Dienstleister der Branche. "Und die wollte die internationale Leitmesse ab 2014 in Hamburg haben, zugleich jedoch auch alle zwei Jahre eine für den deutschen Markt in Husum." Das Thema des Abends sei aber die Kommunalwahl, und für die Debatte seien die drei großen Bereiche Infrastruktur, Finanzen und Tourismus vorgegeben.

Die unterhaltsam an den Mann und die Frau zu bringen, war Radio-Schleswig-Holstein-Moderator Carsten Kock angetreten, und er nahm die sechs Politiker auf dem Podium an die kurze Leine. "Was soll man in Husum 2018 über die Politik sagen, an der Sie fünf Jahre lang mitgewirkt haben?" war die einzige vorgegebene Frage an alle, und mit Lothar Knoll (FDP) lief gleich der erste auf. Dessen Antwort "Ich hoffe, dass Husum eine lebendige Stadt bleibt in kultureller Hinsicht, mit guten Verkehrsverbindungen, Einkaufsmöglichkeiten und bezahlbarem Wohnraum" kommentierte Kock nur mit "Thema verfehlt". Was die Bürger im Rückblick auf die FDP-Politik sagen würden, sei gefragt gewesen. "Naja, ich hoffe eben, dass wir das alles hinkriegen", entgegnete Knoll.

Irene Fröhlich (Grüne) baute darauf, dass die Wähler die Stärkung des Naturschutzes und den Erhalt historischer Bausubstanz den Grünen hoch anrechnen würden. Peter Knöfler (SSW), der diese und alle folgenden Fragen zum Anlass nahm, vorbereitete Statements von einem Papier abzulesen, wünschte sich die Zustimmung der Bürger zur Themensetzung des SSW. Helmut Stemke (WGH) hoffte auf eine gute Bewertung, weil es dann 200 neue Sozialwohnungen, ein modernes Hotel am Dockkoog, eine Flaniermeile dorthin, eine verkehrsberuhigte Innenstadt und das Finanzamt weiterhin im Ort gebe - und alles ohne Steuererhöhungen. Horst Bauer (SPD) setzte auf Zustimmung wegen nachhaltigen Wachstums in Husum, das auch Hafen und Flughafen umfasse, und weil seine Kinder dann sagen könnten, sie würden in die Stadt zurückkehren , da es hier berufliche Perspektiven für sie gebe. Christian Czock (CDU) verwies auf den Fertigbau der Westtangente als großer Leistung in der zu Ende gehenden Legislaturperiode und erhoffte sich Zuspruch für die Schaffung von Gestaltungsspielräumen sowie die Entwicklung von Schobüll und der Kleikuhle sowie einer lokalen Tourismus-Agentur.

Damit waren die Felder auch schon weitgehend abgesteckt. Dass die Bürger nicht genug Interesse für die Kommunalpolitik aufbrächten, wurde ebenso unisono bedauert wie der schleppende Ausbau der Bundesstraße 5, der höheren Ortes verschuldet sei: "Der steht ja nicht mal im neuen Bundes-Verkehrswegeplan", empörte sich Knöfler. Eine Wirtschaftsansiedlung im Süden des Hafens wurde einhellig begrüßt. Ansonsten war die Meinung über Gewerbe-Neuansiedlungen geteilt: Während Bauer, Czock, Knoll und Stemke diese als wichtigen Baustein der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung betrachteten, sah Fröhlich den Wettbewerb um diese als Sackgasse an und beklagte die damit einhergehende Versiegelung der Natur. Und Knöfler setzte auf höhere Steuergerechtigkeit, Vermögenssteuer und mehr Geld von Bund und Land.

Einig war man sich wiederum darüber, dass alles getan werden müsse, um zum Studium abgewanderte Jugendliche mit hochqualifizierten Stellen wieder nach Husum zurückzulocken. Hier setzte die Mehrheit auf Neuansiedlungen der Wirtschaft (siehe oben), während Fröhlich neue Jobs sowohl in der Verwaltung als auch durch Aufträge derselben generieren wollte. Auch beim Verkehr klafften die Vorstellungen über die einzuschlagende Richtung auseinander. Dass ein Konzept her müsse, war unstrittig, aber Fröhlich und Knöfler legten den Schwerpunkt auf die Radfahrer, während die anderen eher ganzheitliche Konzepte favorisierten.

Nach einer durchaus unterschiedlich ausfallenden Bewertung der touristischen Anziehungskraft der Storm-Stadt, wo wieder der noch nicht so richtig funktionierende Plan der "netten Toilette" in die Schusslinie geriet, machte Kock auf "Bezaubernde Jeannie" und fragte: "Wenn Sie einen Wunsch für Husum frei hätten und der wäre - pling! - erfüllt, welcher wäre das? Aber nicht mehr Geld." Czock wünschte sich die Autobahn 23 bis nach Husum verlängert, Bauer neuen Wohnraum auf dem Gelände der Gewoba-Siedlung, Stemke genug Ausbildungs- und Arbeitsplätze für die Jugend, Knöfler eine solidarische Kommune, an der alle Bürger teilhaben könnten, und Fröhlich, dass sich alle Husumer mit Herz und Verstand für ihre Stadt einsetzen. Knoll allerdings - der wünschte sich für 2014 die Windmesse zurück. Pling!

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