Typisierungsaktion in Bredstedt : Stammzellenspender für Kilian gesucht

Kilian nach seiner Einschulung im vergangenen Jahr.
Kilian nach seiner Einschulung im vergangenen Jahr.

Kilian (7) aus Struckum leidet an einer seltenen Form der Leukämie. Am Sonnabend findet eine Typisierungsaktion statt.

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05. Juli 2018, 12:00 Uhr

Hart traf die Eltern des siebenjährigen Kilian aus Struckum vor drei Monaten die Diagnose Blutkrebs, ganz genau die auch noch sehr seltene Form der Akuten Myeloischen Leukämie (AML). Bittere Realität ist es für Nadin (34) und Alexander (35) Backes geworden, dass der so lebenslustige Schüler der ersten Klasse der Dänischen Schule in Bredstedt nur überleben kann, wenn es einen Menschen mit nahezu den gleichen Gewebemerkmalen im Blut gibt. Und derjenige müsste dann auch zur Stammzellenspende bereit sein.

Am kommenden Sonnabend (7.) kann von 10 bis 15 Uhr jeder gesunde Bürger im Alter zwischen 17 und 56 Jahren in der BGS-Halle in Bredstedt helfen. Die Schirmherrschaft der von der DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) durchgeführten Typisierungsaktion hat Bredstedts Bürgermeister Christian Schmidt übernommen. „Mich hat das Schicksal Kilians angerührt. Deshalb habe ich Ja gesagt, als ich gefragt wurde“, sagt er und ruft nicht nur die Bürger der Stadt, sondern der ganzen Region auf: „Bitte gehen Sie am Sonnabend zur Typisierung.“

Das Prozedere ist einfach und tut nicht weh: Nach Registrierung und Erteilung einer Einverständniserklärung wird mit einem Wattestäbchen ein Abstrich von der Wangenschleimhaut gemacht. Im Labor können dann die Gewebemerkmale bestimmt werden.

„Uns geht es nicht gut. Aber wir müssen stark bleiben, schon wegen unseres zweijährigen Elias und fünfjährigen Julian“, sagt Alexander Backes, der Vater der drei Söhne. Er lebe mit seiner Frau zwischen Hoffen und Bangen. Gerade am vergangenen Freitag gab es nach der Chemotherapie, die ihr Sohn regelmäßig im Uni-Klinikum Hamburg-Eppendorf erhält, einen Rückschlag, denn die Blutwerte sind schlechter geworden. Kilian muss noch zur Beobachtung dort bleiben. Ehefrau Nadin ist derzeit bei ihm. „Alle zwei bis drei Tage wechseln wir uns ab. Das ist aus ärztlicher Sicht auch erforderlich. Ich selbst habe mich nach Absprache mit der Krankenkasse krank schreiben lassen, damit ich das schaffen kann“, so Alexander Backes.

Der gelernte Koch arbeitet im Hotel Lundenbergsand in Simonsberg. Seine Arbeitgeber haben, so Backes, großes Verständnis und unterstützen moralisch, genauso wie Nachbarn, Freunde und Bekannte. „Das gibt uns sehr viel Halt. Wir werden das schaffen“, so das Familienoberhaupt. Seine Anspannung kann er allerdings bei diesen Worten nicht verbergen. Nicht nur seelisch, sondern auch finanziell gehe das langsam an die Grenzen.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel änderte sich das Leben der Familie. Am 10. Mai hatte Ehefrau Nadin festgestellt, dass Kilian verquollene Augen hatte, fiebrig, blass und schläfrig war. Die erste ärztliche Diagnose lautete: Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber. Doch als sich nach vergeblichem Einsatz von Antibiotika sechs Tage später blaue Flecken am ganzen Körper zeigten, sei man ins Westküstenklinikum nach Heide gefahren. Ein erster Bluttest habe die schreckliche Ahnung, dass es Leukämie sein könnte, bestätigt und wurde am nächsten Tag in Hamburg endgültig zur Gewissheit. Sofort wurden Chemotherapien in Blöcken von vier bis fünf Tagen, jeweils im Abstand von drei bis vier Wochen, gestartet. „Kilian durfte dazwischen immer nach Hause“, so der Familienvater. Sein Sohn sei unheimlich tapfer, und er kämpfe gegen die Krankheit.

„Es ist sehr wichtig, dass sich möglichst viele als potenzielle Stammzellenspender registrieren lassen. Nur so können der Lebensretter gefunden werden“, sagt Alexa Walter-Henningsen. Sie ist eine Freundin der Mutter und Mitglied der Initiativgruppe, die gemeinsam mit der DKMS die Registrierungsaktion organisiert hat. Mit in der Gruppe sind auch Mütter von Kilians Klassenkameraden dabei – Marte Bock, Annette Jensen, Susanne Ehlers, Sonja Immen und Sonja Hartmann. „Wir hatten beim letzten verkaufsoffenen Sonntag einen Waffelverkauf zugunsten von Kilian gemacht, denn jeder Cent zählt jetzt für ihn und seine Familie. Die Typisierungsaktion kostet Geld, aber auch die Fahrtkosten zur Klinik nach Hamburg drücken auf den Geldbeutel der Familie“, informiert Annette Jensen.

Eine Welle der Hilfsbereitschaft kam auch aus dem Klassenverband des Schülers. Die Mitschüler hatten im Rahmen des Kinderfestes Bredstedt auf Geschenke für die Wettkämpfe verzichtet. So kamen 220 Euro zusammen, die der Vorsitzende des Bredstedter Handwerkervereins, Timo Viertel, im Rahmen des Königsempfanges als symbolischen Scheck Kilians Vater überreichen konnte. „Ich war sehr bewegt, und auch diese Geste gibt meiner Frau und mir Kraft für die kommende Zeit“, so Alexander Backes.

Hilfe von allen Seiten

Die Initiatoren der Typisierungsaktion am Sonnabend haben mit Hilfe von Sponsoren ein Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. So wird es eine Hüpfburg für die Kinder geben. Akteure der Rettungshundestaffel des DRK werden dabei sein, genauso wie von der Modellfluggruppe Leck. Rundflüge werden angeboten. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Alle Spenden sind für die gute Sache bestimmt. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von Sänger Jan-Marten Block. Wer dem vom Schicksal so hart getroffenen Ehepaar auch finanziell helfen möchte, darf auf folgendes Sonderkonto überweisen:

  • Marte Bock, IBAN: DE712175 00000165373952, Betreff: Kilian.
  • Das Spendenkonto der DKMS lautet IBAN: DE51641500200005559556.
  • Jede Registrierung kostet die DKMS 35 Euro.








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