zur Navigation springen

Mitgefühl für Franzosen : Stärke und Lebensmut bewahren

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft Husum hat nach den Attentaten an den Botschafter Frankreichs geschrieben. Auch vor der Marienkirche wurde mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht.

von
erstellt am 17.Nov.2015 | 07:00 Uhr

Punkt 12 Uhr versammelten sich Menschen in ganz Europa zu einer Schweigeminute, um der mehr als 100 Toten und 350 teils schwer verletzten Opfer der Terroranschläge von Paris zu gedenken. Auch in Husum fanden sich einzelne Passanten vor der Marienkirche ein, deren Totenglocke auf Anweisung von Pastor Friedrich Mörs geläutet wurde.

„Wir sind in Gedanken bei den Opfern und deren Hinterbliebenen und wollen ein klares Zeichen der Trauer und der Solidarität senden“, betonte Jürgen Jessen-Thiesen, Propst des Kirchenkreises Nordfriesland (Bezirk Süd). Dabei erinnerte der Theologe an den biblischen Leitfaden „Lass Dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Römer 12, 21).“ Er habe alle Kirchengemeinden dazu eingeladen, sich an der Gedenkminute zu beteiligen.

Eine ältere Dame ließ neben dem bereits aufgestellten Tannenbaum auf dem Marktplatz ihren Tränen freien Lauf. Ein sichtlich bestürzter Mann stellte die Frage: „Was sind das nur für Menschen, die so etwas tun?“ Ungewöhnlich ruhig blieb es auch für eine Minute im Modehaus C.  J. Schmidt. Über Lautsprecher waren die Kunden auf die Aktion hingewiesen worden: Und für diesen Moment ruhte dann auch das Geschäft.

„Wenn die im Stadion gebombt hätten – nicht auszudenken.“ Auch Siegfried Schulze-Kölln stand mit vor der Marienkirche. Der Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) Husum hatte am Freitag (13. November) nach einem Treffen, gegen 22.30 Uhr, von den schrecklichen Ereignissen erfahren. Siegfried Schulze-Kölln kennt Paris gut – der ehemalige Französischlehrer hat die Hauptstadt seines Lieblingslandes als Student oft besucht und in der Nähe von Paris gearbeitet. Sein Sohn, der in der Provence lebt, war gerade in Husum und musste am Sonnabend nach Marseille fliegen. „Er ist öfter als sonst kontrolliert worden“, erfuhr Schulze-Kölln später.

Der 74-Jährige übermittelte noch dem Botschafter Frankreichs in Berlin, Philippe Etienne, seine Anteilnahme per E-Mail. Der Husumer weiß, dass Mitglieder seiner DFG zu Angehörigen oder Freunden im Nachbarland so schnell wie möglich Kontakt aufgenommen hatten.

Als Vereinsvorsitzender wandte sich Siegfried Schulze-Kölln mit folgenden Worten an Philippe Etienne: „Die Deutsch-Französische Gesellschaft Husum ist wie alle Deutschen erschüttert über die feigen und grausamen Attentate in Paris, bei denen unschuldige französische Bürgerinnen und Bürger auf hinterhältige Weise getötet wurden. Wir sprechen Ihnen und dem französischen Volk unser Mitgefühl und unsere Solidarität aus. Wir teilen mit Ihnen den Schmerz und wünschen, dass Frankreich weiter seine Stärke und seinen Lebensmut behält.  .  . Am Donnerstag hatten wir noch einen Vortragsabend zusammen mit der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft zum Thema ‚Liberté und Liberty – zum Freiheitsbegriff in Frankreich und Amerika‘. Wir konnten nicht ahnen, dass einen Tag später die Freiheit, ein zentrales Symbol des französischen Staatsverständnisses, dermaßen beschädigt wird. Um so größer ist jetzt auch unser Bemühen, die Civilisation française stark und lebendig zu halten. Wir bleiben mit Ihnen einig und verbunden in dem Willen, die Symbole und die Lebenshaltung der demokratischen Gesellschaft nicht durch bösartige Angriffe zerstören zu lassen.“

Die DFG hatte in diesem Jahr 30-jähriges Bestehen gefeiert – der Vortrag über die Freiheit bildete den Abschluss des Veranstaltungsreigens. Festredner bei der Eröffnung war Emmanuel Suard, Botschaftsrat für Kultur, Bildung und Hochschulen gewesen. „Von Suard weiß ich, dass die Franzosen unglaubliche Angst vor Attentaten haben.“ (Französische Kampfjets bombardieren in Syrien Stellungen der Terrormiliz „Islamischer Staat“.)

Für den DFG-Vorsitzenden steht fest: „Dieser Hass ist krankhaft. Es ist ein Anschlag auf unsere Lebensweise und die freiheitlich-demokratische 0rdnung.“ Dass mindestens einer der Attentäter aus Frankreich kommt, bestürzt Siegfried Schulze-Kölln. „Es gibt dort viele soziale Brennherde“, verweist er im Gespräch mit unserer Zeitung auf das Problem der Radikalisierung von Menschen, die sich im Nachbarland an den Rand der Gesellschaft gedrängt und ohne Chance fühlen.

Siegfried Schulze-Kölln ist wichtig, dass es zu keiner Vermischung mit dem Flüchtlingsthema kommt. „Die Syrer fliehen ja auch vor dem IS.“ Was ihm ebenfalls am Herzen liegt: „Wir dürfen uns der Angst nicht beugen.“ Und deshalb hält die Deutsch-Französische Gesellschaft Husum an ihren Reiseplänen fest: „Im Herbst 2016 fahren wir nach Frankreich.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen