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Husumer Nachrichten

16. Dezember 2017 | 22:01 Uhr

Ein Versuch : Stadt will Waldflächen fluten

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Wasser aus der Unteren Mühlenau in Husum soll kontrolliert in die Mauseberge geleitet werden. Der zuständige Förster warnt, dass „riesige Wassermengen“ nicht aufgenommen werden könnten.

von
erstellt am 15.Dez.2015 | 18:10 Uhr

Die Natur hat es von allein geregelt – und Husum Geld gespart. Junge Ahorn-, Buchen- und Lindenpflanzen waren bereits 1984 in dem stadteigenen Wäldchen „Mauseberge“ in den Boden gesetzt worden: vom Vorgänger des jetzigen verantwortlichen Försters Walter Rahtkens. Der Baumnachwuchs warf später Samen. Dies war jedoch in der Vergangenheit nicht immer von Erfolg gekrönt, da die 20 Hektar umfassenden „Mauseberge“ einen geschlossenen Baumbestand mit vielen schattigen Plätzen aufwiesen. Und zum Wachsen brauchen Bäume nun einmal Licht. Doch die Orkane „Christian“ und „Xaver“ haben alles verändert: Fünf Hektar des Waldes sind seit dem Herbst und Winter 2013 kahl, damit kam Licht an mehr Flächen und die Baumkinder nutzten ihre Chance: Sie strebten nach oben. Naturverjüngung heißt es in der Fachsprache.

Als Walter Rahtkens in diesem Sommer noch einmal kontrollierte, wo aufgrund von Lücken nachgepflanzt werden muss, machte er diese Entdeckung, die zur guten Nachricht im Umwelt- und Planungsausschuss wurde. Nur einige Buchen – für die Vielfalt“ – möchte der Bezirksförster im Rahmen der Aktion „Wiederbewaldung“ pflanzen. Denn „zu 95 Prozent“ habe sich Ahorn durchgesetzt, erklärte Walter Rahtkens auf Anfrage unserer Zeitung.

Für ihn und seine Kolleginnen und Kollegen beginnt die Pflanzzeit immer erst Mitte November – solange kein Frost herrscht – und läuft etwa bis zum März. „Die Zeit brauchen wir auch.“ Die winterliche Jahreszeit funktioniert für ihren Arbeitseinsatz, weil „wurzelnackte Pflanzen“ eingekauft werden. Rahtkens betreut im Auftrag der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein die grüne Oase in der Kreisstadt Nordfrieslands.

Die „Mauseberge“ sollen zum Mischwald werden – wie andere Wälder auch, in denen vor den stürmischen Ereignissen vor allem Nadelbäume (Fichten) zu finden waren. Als Flachwurzler sind die Fichten besonders gefährdet. „Im Winter, wenn die Stürme kommen, haben Laubbäume kein Laub mehr, sodass sie dem Wind nicht viel Angriffsfläche bieten.“

Die Orkan-Schneisen im Wäldchen machten es dem Wind im Winter 2014/2015 einfach: Fichten knickten um. Weitere dürften in den nächsten Jahren zu Sturmopfern werden. Diese Nadelbäume stehen vor allem im Bereich der „Mauseberge“, der an der Seite des Friesen-Stadions liegt. Die Bäume sollen auf Wunsch der Stadt aber nicht vorsorglich gefällt werden. Rahtkens: „Die Orkane haben die Struktur des Waldes zerstört. Deshalb sollen die Fichten bleiben, solange es geht, damit an dieser Stelle überhaupt noch etwas steht.“ Abgesägt werden mussten in diesem Jahr allerdings einzelne Eschen, die von einem Pilz befallen waren, der zum Absterben der Bäume führt.

Die „Mauseberge“ sind nicht nur ein Erholungsraum für die Bürgerinnen und Bürger, die dort als Spaziergänger, in Sportkleidung oder mit ihrem Vierbeiner unterwegs sind. Auch als Überflutungsgebiet dienen mehrere Hektar. Der große Graben, der den Wald durchzieht, entwässert in die Untere Mühlenau – ist mit dieser durch eine sogenannte Rückstauklappe verbunden. „Steigt das Wasser in der Au – durch starken Westwind oder Hochwasser in der Nordsee – sorgt der Druck des Wassers auf eine Art Deckel, dass dieser sich schließt.“ Dann staue sich das Wasser im Graben und bei mehreren Tagen mit Regen trete es über die Ränder.  .  .

„So viel Platz ist nicht in den Mausebergen, dass riesige Wassermengen aufgenommen werden können. Niemand möchte schließlich, dass die Wege überflutet werden.“ Dies merkte Walter Rahtkens zu einem Vorschlag – maßgeblich vertreten von den Ausschussmitgliedern Frank Hofeditz (Grüne) und Hans-Christian Hinrichs (SPD) – an. Mehrheitlich hat sich das Gremium dann nach einer Diskussion dafür ausgesprochen, „versuchsweise kontrollierte Überflutungen“ in einem Teilbereich des Wäldchens vorzunehmen. Hinrichs erwähnte, dass angedacht sei, irgendwann die Wiesenau bei der Hermann-Tast-Schule zu pachten.

Überflutet werden die Gebiete, wo Erlen und Eschen stehen – „im Winter macht ihnen ein mehrwöchiges im Wasserstehen nichts aus“, erklärte Walter Rahtkens. Doch im Sommer, wenn zum Beispiel Gewitterregen für hohe Wasserstände sorgt, sieht es anders aus: „Dann sind die Bäume empfindlicher.“ Und als Förster ist er in der Pflicht, den Wald vor Schaden zu bewahren.

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