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Gutachten zu teuer : Stadt will kein Luftkurort mehr sein

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Aus Kostengründen verzichtet Garding auf das Prädikat Luftkurort. 10.000 Euro hätte sie für das obligatorische Gutachten aufwenden müssen. Erholungsort darf sich die Kommune weiter nennen.

„Vielleicht war es ein Rekord, aber nur dank guter Vorbereitung von Verwaltung und Politik möglich“, erklärte Gardings Bürgermeisterin Andrea Kummerscheidt. Schon nach knapp 50 Minuten konnte sie den öffentlichen Teil der Stadtvertreter-Sitzung beenden. Dafür werde der nicht-öffentliche Part mit Personal- und Grundstücksangelegenheiten, so kündigte sie an, umso länger dauern. Also schickte sie das Gremium vorher in eine Pause und die drei erschienenen Bürger nach Hause.

Vier Entscheidungen winkte das Gremium mehrheitlich und ohne weitere Diskussionen durch. „Wir haben alles umfassend in den Fraktionen und Fachausschüssen beraten“, stellte Andrea Kummerscheidt zuvor fest. So war es Wille der Stadtvertretung, dass die Toilettenanlage im Stadtpark (gegenüber der Tourismus-Zentrale) mit einer geschätzten Investitionssumme von 35.000 Euro saniert wird. Die sanitäre Anlage der Tourismuszentrale am Marktplatz soll behindertengerecht – mit Zugang von außen – umgebaut und einen Wickelraum erhalten. Hierfür wurden 20.000 Euro veranschlagt. Auch der Umzug der Bücherei in das touristische Domizil wurde genehmigt. Das werde, so die Bürgermeisterin, etwa 15.000 Euro verschlingen.

Schließlich genehmigte die Stadtvertreter-Runde den Verzicht, ab 2017 die Bezeichnung Luftkurort zu nutzen. Das Thema war wie berichtet im Wirtschafts- und Tourismusausschuss diskutiert worden. Der Erhalt hätte ein Gutachten erfordert, dass etwa 10.000 Euro verschlungen hätte. Das sei, so die Bürgermeisterin, unvertretbar gewesen. Dennoch sei beim Wirtschaftsministerium nachgefragt worden, ob es Fördermittel gibt. „Es kam prompt das Nein, aber auch die Zusage, dass die Stadt keine Nachteile bei einem Verzicht haben wird“, so Kummerscheidt. Die Bezeichnung Erholungsort wird ungeachtet dessen erhalten bleiben. Sie berechtige nach wie vor zur Erhebung der Fremdenverkehrsabgabe. „Diese Abgabe dient allein der Förderung des Tourismus und zielt nicht auf Gewinne ab. Sie wird benötigt, um vernünftige Einrichtungen für die Urlauber vorzuhalten, für nichts anderes“, betonte die Bürgermeisterin. Die Stadt gebe 90.000 Euro jährlich dafür aus. Demgegenüber stünden Einnahmen von nur 60.000 Euro, so dass regelmäßig ein Minus gefahren werde.

Stadtvertreter Michael Katryniak plädierte an alle Einwohner, Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen, auch durchaus Ferienwohnungen, befristet für die Wintermonate. Das Amt Eiderstedt könne angesichts des Stromes der Menschen ab November keine Wohnungen mehr für die Betroffenen anbieten. Es werde, so bestätigte Kay-Uwe Cornils, jede nur mögliche Wohnmöglichkeit in Garding und im Umland gebraucht. Zudem werden weitere Ehrenamtler für die Betreuung benötigt.

In der Einwohnerfragestunde regte Volker Ketels vom Bürgertreff Garding an, einen Treffpunkt für Flüchtlinge einzurichten und ihn an bestimmten Tagen und Zeiten zu öffnen. Es sei wichtig, so Ketels, dass sich die derzeit 30 Menschen untereinander austauschten und durchaus Bürger der Stadt hinzukommen, um Hilfen anzubieten. „Das ist eine gute Anregung. Wir werden darüber in den Fraktionen sprechen“, erklärte Andrea Kummerscheidt.

Zu guter Letzt habe sie allen für den Einsatz beim sehr gelungenen Stadtfest zu danken. Sie selbst habe sich sehr gefreut über den Besuch vieler Bürgermeister aus den Umlandgemeinden und Tönnings Bürgermeisterin Dorothe Klömmer. Sie habe auch von Bürgern nur positive Resonanzen gehört. Der einzige Wermutstropfen am besagten Abend war der unerwartete Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr bei dem Brand eines Reetdachhauses in Katharinenheerd. „Während wir feierten, hat ein Ehepaar sein Haus verloren. Das ist bitter. So eng liegen Freud und Leid beieinander“, so Kummerscheidt.

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