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Wohnraum im Visier : Stadt Husum steht unter großem Zeitdruck

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Husums Umwelt- und Planungsausschuss muss in seiner Sitzung klären, wie und wo möglichst schnell Flüchtlingsquartiere und neuer bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden können.

Das Thema liegt ihm am Herzen – nicht erst, seit die Zahl der Flüchtlinge täglich in die Höhe schnellt und bezahlbarer Wohnraum immer knapper wird. „Da müssen wir ran“, sagt Rudolf Hölscher und sieht die Stadt unter enormem Zeitdurck. In der Sitzung des Umwelt- und Planungsausschlusses am 10. November (Beginn: 18 Uhr) will Husums Bauamtsleiter der Politik daher konkrete Vorschläge unterbreiten, an welcher Stelle unter welchen Voraussetzungen möglichst noch im kommenden Jahr neuer Wohnraum entstehen könnte.

„Es geht bei alledem immer um beides, um Flüchtlinge und erschwinglichen Wohnraum für alle“, sagt Hölscher. Der Bauamtsleiter kann sich sogar vorstellen, dass die Stadt den sozialen Wohnungsbau wieder selbst in die Hand nimmt. Aber ob es dafür eine politische Mehrheit gibt  .  .  .  ? Dennoch: Die Zeit drängt, und deshalb spielt bei seinen Überlegungen auch das sogenannte Kieler Modell eine Rolle. Ausgangspunkt dieser Arbeits- und Planungshilfe für Kommunen und Wohnungswirtschaft durch das Kieler Ministerium für Inneres und Bundesangelegenheiten in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Wohnen waren und sind die Herausforderungen durch den wachsenden Zustrom von Flüchtlingen. „Das Gute an diesem Modell ist, dass es von A bis Z durchkonzipiert und durchgerechnet wurde“, sagt der Mann vom Bauamt. Mit anderen Worten: Es sind keine großen ordnungsrechtlichen Hürden zu nehmen. „Wir können sofort loslegen.“

Das liegt vor allem daran, dass die Förderungsmaßnahme zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen versucht. Tatsächlich sind die Wohnungen im „Kieler Modell“ so aufgebaut, dass sie für zehn Jahre als Flüchtlingsquartiere genutzt werden können. Danach erfolgt eine Umbauphase, die schon in das Gesamtmodell „eingepreist“ ist und eine Nachnutzung als normalen Wohnraum ermöglicht. Wie die Wohnungen dann konkret aussehen, richtet sich nach dem Bedarf. Auf jeden Fall ließen sich die Gebäude problemlos nachrüsten, also zum Beispiel mit einem Fahrstuhl oder Balkonen versehen.

Dass Husum einen wachsenden Bedarf an Wohnraum hat, steht für Hölscher aber nicht nur angesichts der Flüchtlinge fest. Prognosen und Bedarfsanalysen bestätigten, „dass die Stadt weiter wachsen wird“, sagt er, und dem müsse bei den Planungen Rechnung getragen werden. Außerdem sei der Altbestand in der Stadt einfach zu teuer. Da stoße man schnell an die Kostengrenze für Neubauten. „Und gesetzliche Anreize wie eine Abwrackprämie für Autos gibt es auf diesem Gebiet noch nicht“, fasst der Bauamtsleiter die Situation etwas provokativ zusammen.

Doch zurück zum „Kieler Modell“. Das basiert auf einem einfachen, aber wirkungsvollen Prinzip: Die Stadt stellt das Grundstück zu Verfügung, der Rest wird kreditfinanziert. Nach Hölschers Überlegungen kommen für das „Kieler Modell“ derzeit vier städtische Liegenschaften in Frage. Die wird er heute auch dem Umwelt- und Planungsausschuss vorstellen. Da ist zum einen der an das Gelände des Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerkes angrenzende nördliche Teil der Neuen Freiheit.

Zudem könnte sich Hölscher den Abriss und Neubau städtischen Wohneigentums in der Mommsen- und in der Volquart-Pauls-Straße – neben dem städtischen Altenheim – vorstellen. Und selbst das Gelände der früheren Irene-Thordsen-Kongresshalle scheint für das „Kieler Modell“ geeignet, zumal die vorhandenen städtischen Gebäude-Teile, das frühere Café und der Wandelgang, auch schon einmal für entsprechende Betreuungszwecke nachgefragt wurden.

„Wir brauchen beides“, sagt Rudolf Hölscher noch einmal: Quartiere für Flüchtlinge und bezahlbaren Wohnraum. „Und im Moment haben wir im Bereich der privaten Vermietung noch einiges in petto. Aber das wird sich mit Beginn der Ferienzeit schlagartig ändern“, sagt der Bauamtsleiter.

Aber auch dazu gibt es bereits Überlegungen: zum Beispiel über jenen Teil des Geländes am Trommelberg, der nicht für das Wohnprojekt vorgesehen ist oder für Teile der Ökosiedlung im Baugebiet Bredstedter Straße. Es gibt also viel zu diskutieren.

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erstellt am 10.Nov.2015 | 12:00 Uhr

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