Seltene Geburtstagsfeier auf Nordstrand : St. Vinzenz trotzt den Sturmfluten

Ein Zeichen für die Ökumene auf Nordstrand setzten am Kirchengeburtstag: (v. l.) Pfarrer Oliver Meik (Römisch-Katholische Kirche), Pastorin Susanne Büstrin da Costa (Pellworm), Pastor Thorsten Wiese, Landesbischof Gerhard Ulrich, Vikar Sebastian Watzek (Alt-Katholiken) und Propst Jürgen Jessen-Thiesen.
Ein Zeichen für die Ökumene auf Nordstrand setzten am Kirchengeburtstag: (v. l.) Pfarrer Oliver Meik (Römisch-Katholische Kirche), Pastorin Susanne Büstrin da Costa (Pellworm), Pastor Thorsten Wiese, Landesbischof Gerhard Ulrich, Vikar Sebastian Watzek (Alt-Katholiken) und Propst Jürgen Jessen-Thiesen.

Die evangelische Kirchengemeinde auf Nordstrand feierte das 900-jährige Bestehen ihres Gotteshauses. Zu Gast war auch Landesbischof Gerhard Ulrich, der die Festtags-Predigt hielt.

shz.de von
26. Mai 2015, 11:00 Uhr

Jeder, der durch Nordstrands Ortsteil Odenbüll fuhr, konnte es sehen: das von Konfirmanden gestaltete Transparent mit der Aufschrift „Herzlich willkommen – 900 Jahre Odenbüller Kirche“. Seit dem Jahr 1115 steht die St.-Vinzenz-Kirche an Ort und Stelle. Erbaut wurde sie auf einer Warft, die mit 4,50 Metern über Normal Null deutlich höher liegt als andere. So konnte sie die Fluten von 1362 und 1634 und spätere überstehen. Viele Menschen retteten sich vor dem Blanken Hans ins Gotteshaus.

Der hohe runde Geburtstag war Pastor Thorsten Wiese, dem Kirchengemeinderat sowie dem Kirchbauverein Anlass für einen Festgottesdienst. Bis auf den letzten Platz war die Kirche besetzt. Als wäre es ein Zeichen von oben, riss der Himmel schon während der ersten festlichen Klänge von Maren Saalborn (Flöte) und Hans Peter Pairott (Orgel) auf. Sonnenschein pur erfreute besonders beim anschließenden Fest der Begegnung. Das vorsorglich aufgebaute Zelt kam nur als Schattenspender zum Einsatz. „Es ist etwas Besonderes, unser Kirchenjubiläum am Fest der Geistgegenwart Gottes, Pfingsten, zu feiern. Unsere Kirche ist in Würde alt geworden, doch unser Gemeindeleben ist lebendig und beseelt durch Gottes Geist“, sagte der Gemeindeseelsorger einleitend. Nordstrand wäre nicht Nordstrand, wenn nicht auch die Ökumene von drei Konfessionen und die intensive Partnerschaft zur Batak-Kirche gelebt werden würden. So begrüßte Wiese nicht nur Landesbischof Gerhard Ulrich, Propst Jürgen Jessen-Thiesen und die Pellwormer Amtskollegin Susanne Büstrin da Costa, sondern auch Vertreter der Römisch-Katholischen Kirche mit Pfarrer Oliver Meik, der Alt-Katholischen Kirchengemeinde mit Vikar Sebastian Watzek sowie etwa 100 Gäste aus der Batak-Kirche Deutschland. Der Gründer der Batak-Gemeinden in Indonesien war der Nordstrander Missionar Ludwig Ingwer Nommensen. Deren Chor wirkte neben dem Gospelchor Nordstrand und dem Posaunenchor im Gottesdienst mit. Die Konfirmanden hatten sich etwas Besonderes ausgedacht und ein Video zur Musik des Ohrwurms „Happy“ von Pharrell Williams produziert. Es zeigt die Kirche mit ihren Schätzen, aber auch das Leben in der Gemeinde und die Arbeit der freiwilligen Helfer. „Seit neun Jahrhunderten ist St. Vinzenz eine feste Burg in Freude und Leid sowie ein Zeugnis des Glaubens“, sagte der Landesbischof in seiner Predigt. „Unser Pfingstfest mag ein kraftvolles gegen die Hoffnungslosigkeit werden“, so Ulrich. Glaube in dieser Zeit sei keine Einbahnstraße, sondern öffne sich. Die Ökumene zeige das. Das Ziel, an einem Tisch Gemeinschaft zu erleben, sei noch nicht völlig erreicht worden, doch gemeinsam zu wirken gegen Ungerechtigkeit, Hass und Krieg, sei schon bewiesen worden. Er erinnere an die Männer des Glaubens aller Konfessionen im Zweiten Weltkrieg, die sich im Widerstandskampf selbst geopfert hätten. Dabei dürfe niemand die Flüchtlinge aus aller Welt vergessen. Als wahre Christen sei es Pflicht, ihnen zur Seite zu stehen. Der Gemeinde wünsche er für die kommenden Jahrzehnte Gottes Segen und Schutz. Schließlich lobte er die von Pastor Wiese herausgebrachte Festschrift. Sie zeige die wechselvolle Geschichte und gelebte Kirche heute.

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