Klimawandel in Norddeutschland : St. Peter-Ording versetzt Pfahlbauten am Strand

Diese beiden Pfahlbauten am Nordseestrand von Ording werden demnächst abgerissen. Sie sollen durch Neubauten, die bis zu 200 Meter weiter in Richtung Festland errichtet werden, ersetzt werden.
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Diese beiden Pfahlbauten am Nordseestrand von Ording werden demnächst abgerissen. Sie sollen durch Neubauten, die bis zu 200 Meter weiter in Richtung Festland errichtet werden, ersetzt werden.

Die Pfahlbauten sind durch Stürme und einen steigenden Meeresspiegel in Gefahr. Die Gemeinde zieht Konsequenzen.

shz.de von
16. April 2018, 11:14 Uhr

St. Peter-Ording | Die Pfahlbauten am Strand von St. Peter-Ording sind das Wahrzeichen der Gemeinde. Seit mehr als 100 Jahren trotzen die hölzernen Hütten dem „Blanken Hans“. Doch Sturmfluten sind für sie nicht die einzige Gefahr. Vor allem durch den Anstieg des Meeresspiegels wird der Strand schmaler. Experten des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) haben berechnet, dass an einzelnen Abschnitten jedes Jahr sechs bis acht Meter Strand verloren gehen. Deshalb müssen einige Pfahlbauten weiter oben am Strand neu aufgebaut werden, sagte Nils Koch von der Tourismus-Zentrale. Die Arbeiten beginnen Anfang Mai. Zunächst sollen die Strandaufsicht und die WC-Anlagen am Ordinger Strand sowie das WC in Ording Nord neu gebaut werden. Nach der Fertigstellung sollen die alten Gebäude im Herbst abgerissen werden. Die Gesamtkosten betragen rund 2,6 Millionen Euro.

Für zwei weitere Pfahlbauten ist in den kommenden Jahren ebenfalls der Rückzug vorgesehen. Elf Hütten können nach Angaben der Tourismus-Zentrale bleiben.

Der erste Pfahlbau – die „Giftbude“ – wurde 1911 gebaut. Dort gab es nicht, wie der Name vermuten lässt, ein Sortiment tödlicher Gifte, sondern „Gift“ stand für das niederdeutsche „Dor gifft dat wat“ (Da gibt es etwas) – zum Beispiel Schnaps, aber auch alkoholfreie Erfrischungen. Denn „der Weg vom Ortszentrum oder vom Deich bis zur Wasserkante ist zu weit, um schnell mal ein Getränk zu beschaffen“, sagte Koch. „Schon bald rankten sich Geschichten, Lieder und Grüße auf Postkarten um diesen legendären Pfahlbau, in dem man gemeinsam feierte und viel Spaß hatte.“ Die „Giftbude“ wurde 1935 von einer Sturmflut zerstört.

Heute stehen 15 Pfahlbauten am Strand: Je drei an den fünf bewachten Badestellen. Sie beherbergen Restaurants mit einem einzigartigen Ausblick auf das Wattenmeer, sind die „Arbeitsstube“ der Schwimmmeister beziehungsweise Rettungsschwimmer und stehen als Sanitäranlagen den Strand- und Badegästen zur Verfügung. Die bis zu sieben Meter hohen Pfahlbauten ruhen auf zehn bis zwölf Meter langen Lärchenpfählen, die im Abstand von drei Metern zueinander zur Hälfte im Boden eingeschlämmt werden. Manche stehen in Gruppen zusammen, andere reihen sich in scheinbar willkürlichem Abstand aneinander.

Die Gäste des Nordseebads können dort hoch über dem Strand die Surfer und Kiter bei ihren Sprüngen in den Wellen beobachten, oder einfach nur den Sand, das Wasser und die Dünen sowie im Sommer spielende Kinder sehen. „Sie sind heute Wahrzeichen von St. Peter-Ording und erfüllen wichtige Versorgungsfunktionen“, sagte Koch.

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