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St. Peter-Ording : St. Peter-Ording setzt auf Camper

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Experte rät dem Badeort, auch dieses Segment stärker zu bearbeiten. Betreiber planen bereits 270 zusätzliche Stellplätze.

Acht Campingplätze gibt es in St. Peter-Ording. Ihre Gesamtfläche beträgt mehr als zehn Hektar. Rund 750 Stellplätze für Wohnwagen und -mobile sind derzeit vorhanden. 2015 kamen so rechnerisch 269 Übernachtungen auf einen Stellplatz (ohne Dauercamper). Für vier Anlagen ist eine Erweiterung im Umfang von acht Hektar um rund 270 Stellplätze von den Betreibern geplant. Dies entspricht einer Zunahme um rund 77 Prozent der Fläche bei nur 36 Prozent mehr Plätzen.

Da sich die Gemeinde im Rahmen des Tourismus-Entwicklungskonzeptes umfassend mit der Thematik Campingtourismus zu befassen hat, hat sie das Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) aus Kiel damit beauftragt, eine Potenzialanalyse Camping zu erstellen. Denn bei städtebaulichen und landschaftsplanerischen Entwicklungen sind in solchen Angelegenheiten, Vorgaben der Landesplanung zu berücksichtigen. Dazu liegt jetzt ein 95-seitiger Bericht vor. Kai Ziesemer, Leiter der Abteilung für Strategie und Entwicklung beim NIT, erläuterte dem Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung die Untersuchungsergebnisse der „Potenzialanalyse Camping und Caravaning in St. Peter-Ording“ allgemein und detailliert im Hinblick auf Ausgangslage und Entwicklungspotenziale dieser Segmente. Zum besseren Verständnis für alle Anwesenden, darunter viele weitere Gemeindevertreter und sehr viele Einwohner, nannte er zunächst die Aufgabenstellungen: Wie ist die Ausgangslage? Wo liegen die Potenziale für Nachfrage, Erschließung neuer Angebotsformen, Flächen, Planungen und Erweiterungswünschen? Was kann der Entwicklungsfokus sein? Welchen Mehrwert gäbe es? Welche fachlichen Argumente gibt es für Stellplatzerweiterungen und welche Risiken sind zu berücksichtigen? Bürgermeister Rainer Balsmeier hatte einleitend schon verdeutlicht, dass man sich ausführlich mit dem Thema an sich, den Rahmenbedingungen und wie man dazu stehe auseinandersetzen müsse.

Allgemein lässt sich für Deutschland feststellen, dass Camping ein potenter Markt ist und Schleswig-Holstein dabei an erster Stelle steht, wie Ziesemer erläuterte. Die Stellplatzkapazitäten an der Nordsee haben von 2005 bis 2015 um 29 Prozent zugenommen, im ganzen Land waren es 19 Prozent. Der Übernachtungszugewinn beträgt 38 Prozent. Das Reisen mit dem Wohnmobil im Vergleich zum Wohnwagen erfreut sich großer Beliebtheit, sein Anteil ist von 32 auf 45 Prozent gestiegen. Das Campingsegment ist mit rund sechs Prozent stabil. Es ist eine Urlaubsform für alle Altersgruppen insbesondere an Küstenorten, so Ziesemer. Entscheidende Reiseanlässe dafür sind Strand, Baden, Sonne, Natur und Aktivsein sowie Urlaub mit der Familie. Campingurlauber legen Wert auf gute Sanitäranlagen, Sportmöglichkeiten, Internetzugang sowie Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten. „Spartanisch ist gewesen“, betonte Ziesemer. Die Anzahl der Dauercamper werde eher abnehmen als sich erhöhen. Die Anforderungen an die Qualität steigen. Auch ein Aufenthalt in der Nebensaison werde immer beliebter. Nachfrage ist vorhanden. Das bedeute auch mehr Wertschöpfung für den Badeort. Ziesemer fasste es so zusammen: „Eine Campingentwicklung in St. Peter-Ording kann guten Gewissens angestrebt werden.“ Städtebaulich und landschaftsplanerisch ist zu untersuchen, was sich an Maßnahmen eignet. Ein Flächenzuwachs muss mit einer qualitativen Verbesserung des Angebotes einhergehen. Mit Blick auf das Weltnaturerbe Wattenmeer sei Wert auf Durchgrünung und landschaftsgerechte Einbindung zu legen. Qualitätsstandards seien zu definieren. Es sollten auch einfache Übernachtungsplätze für Reisemobile geschaffen werden, um so gleichzeitig dem nächtlichen Wildcampen am Strand zu begegnen.

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