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Aktionskunst : Spurensuche im Watt: Hein Hoop und die Folgen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit seinen Aktionen im Watt hat Hein Hoop die damals eher unscheinbare Landschaft Eiderstedt in ein zweites Worpswede verwandelt, und nachfolgende Künstlergenerationen inspiriert.

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erstellt am 26.Jul.2017 | 17:00 Uhr

Enfant terrible, Grenzgänger zwischen Welten – auch denen der Kunst, Provokateur, genialer Minimalist  .  .  . Obgleich er die Menschen polarisierte, kann Hein Hoop viele, sogar widersprüchliche Attribute für sich geltend machen. Persönlichkeit und Schaffen dieses Künstlers waren weit komplexer als sein Ruf. Bis Jahresende zeigt das Museum der Landschaft Eiderstedt in St. Peter-Ording einen Querschnitt seines Œuvres. Hoop wäre in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden. Auch deshalb hat seine Familie die Ausstellung mit Arbeiten aus dem Nachlass bereichert und einige Radierplatten zur Verfügung gestellt, die Reinhard Scheuble von der Quetsche in Witzwort nachgedruckt hat. Die Blätter können im Museum erworben werden.

Hein Hoop war vielseitig begabt. Seine Karriere begann in den USA – als Kabarettist. Doch seine eigentliche Leidenschaft galt der bildenden Kunst, auch wenn er sie so wahrscheinlich nie genannt hätte. Schon früh war er davon überzeugt, dass Kunst nicht in Galerien und Museen gehört, sondern auf die Straße oder auch ins Wattenmeer. Hoop wollte sie – wie so viele Künstler der wilden 1970er und 1980er-Jahre – zu den Menschen bringen, ihnen künstlerische Denkanstöße vermitteln, Denkanstöße, die nicht nur um die Kunst kreisten. Es ging um Themen, die längst Teil des gesellschaftlichen Prozesses geworden sind – im Positiven wie Negativen: Umweltzerstörung, die(All)-Macht des Marktes, das Verhältnis von Mensch und Natur, politische Fragen jeder Façon.

Mit Aktionen wie der Watten-Olympiade machte Hoop bundesweit auf eine Region aufmerksam, in die sich sonst nur Überzeugungstäter oder Großstadt-Flüchtlinge trauten, die ihren Kindern mal zeigen wollten, wie eine richtige Kuh aussieht. Katingsiel wurde zum Worpswede Nordfrieslands und das Wattenmeer mit seiner besonderen Dynamik zur Projektionsfläche für Rüstungswahnsinn und Umweltzerstörung. Das Konzept ging auf. Zum zweiten Mal seit der vorvorigen Jahrhundertwende, als Weimarer Künstler mit norddeutschen Wurzeln die nordfriesische Landschaft als Motiv entdeckten und dafür auch ortsfremde Kollegen entflammten, wurde der Landstrich ein künstlerischer Ort. Doch erst Hein Hoop machte ihn zum Ort der Kunst. Und das hatte Folgen: Schon in den 1990er-Jahren knüpfte der Speicher mit seinem Natur-Kultur-, aber vor allem mit dem Windfang-Projekt an Hoops Happenings an. Mehrere Wochen lang arbeiteten Künstler aus ganz Deutschland, darunter auch einstige Weggefährten von Hein Hoop, unter freien Himmel und versetzten die Husumer in Erstaunen. 2007 wurde die Idee mit der Windart fortgeführt. Die Windhosen an der Husumer Dockkoogspitze erinnern an dieses und andere Projekte. Und – ganz im Sinne des Freibeuters Hoop – haben sie eine politische Botschaft: Jahr für Jahr werden die Gestelle mit schicken Pierre-Cardin-Hosen ausgestattet, die Wind und Wetter aber meist nur einen Sommer trotzen. Hein Hoop hätte das sicher Spaß gemacht, aber noch wichtiger ist: Ohne ihn hätte es das alles wahrscheinlich nie gegeben.
>Das Museum der Landschaft Eiderstedt in St. Peter-Ording, Olsdorfer Straße 6, ist werktags außer Dienstag sowie sonn- und feiertags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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