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Die Geister, die Storm rief : Spukgeschichten und Aufbruchstimmung

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zwiegespräche, Vorträge, Lesungen und szenische Interpretationen – vielseitig und interessant gestaltete sich am Wochenende in Husum die Storm-Tagung. Dabei machte der Präsident der Storm-Gesellschaft zudem eine Aufbruchstimmung aus.

Eine Aufbruchstimmung innerhalb der Theodor-Storm-Gesellschaft stellte ihr Präsident, Prof. Dr. Heinrich Detering, auf der diesjährigen Storm-Tagung fest. Diese vorwärtsgewandte Stimmung macht sich auf mehreren Ebenen bemerkbar. 60 neue Mitglieder aller Altersgruppen, eine erfolgreiche generationenübergreifende Zusammenarbeit zahlreicher Mitwirkender, ein zeitgemäßes Marketing und ein neues einheitliches Erscheinungsbild mit der Storm-Stele sowie ein ambitionier-
tes Veranstaltungsprogramm kennzeichnen den „Ruck“, der sich durch die mehr als 1000 Mitglieder starke literarische Gesellschaft zieht.

In seinem Tätigkeitsbericht blickte der Leiter des Storm-Zentrums, Dr. Christian Demandt, auf mehrere neue Veranstaltungsformate zurück. Projekte wie die in Kooperation mit der Hermann-Tast-Schule erarbeitete Führung von Schülern für Schüler oder die Schimmelreiter-Session sind konzipiert mit dem Ziel, Informationen zu Leben und Werk Theodor Storms lebendig und interessant zu gestalten. Ein wesentlicher Baustein dieses Konzepts ist der neue Internetauftritt der Theodor-Storm-Gesellschaft. Schüler, Studenten und Literaturwissenschaftler, Storm-Freunde und Interessierte sollen über ein fundiertes und umfassendes Informationsangebot verfügen, Wissenschaft und Schule sich optimal miteinander vernetzen können. „Wir möchten auch aufgrund der Vielzahl von Mitgliedern und anderen Storm-Freunden auf der Internetseite jene Nähe zu Theodor Storm so gut wie möglich erlebbar machen, die der Besuch Husums auf den Spuren des Dichters spürbar macht“, beschrieb Peter Hirata von der Rebel Creations AG, Faßberg, die Zielsetzung des groß angelegten Projekts.

Dass Literatur und Literaturwissenschaft begeistern können, bewies das glanzvolle Programm der diesjährigen Storm-Tagung, deren Schwerpunkt „Der realistische Geisterseher Storm“ war. „Passender wäre der Begriff Storm-Tage“, regte Demandt angesichts der Vielseitigkeit und der Popularität der einzelnen Veranstaltungen an. Als „stimmungsvoll“ empfanden die Zuhörer am Freitagabend die Lesung von Doris Runge. „Meist Nachts“ lautete das Motto dieses Abends. Karl Ernst Laage befasste sich mit seinem Vortrag am Sonnabend mit der Rolle des Deichgespenstes in Storms Schimmelreiter. Der Züricher Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Philipp Theison faszinierte mit seinem Vortrag „Spökenkieken – Storm und das Wissen der Geister“. Als Strukturprinzip machte Philipp Theisohn ein System des Spuks in Storms Werken „Am Kamin“ und „Der Schimmelreiter“ aus. Die Vermittlung des Geisterwissens beispielsweise durch ein lebendiges Familienporträt in der Novelle „Eekenhof“ zeigt aber die grundsätzliche Offenheit gegenüber dem Wissen um eine zweite Welt hinter der bürgerlichen. „Spuk ist hier immer der Blick in eine bereits verlorene, vergangene Welt“, erklärte Philipp Theisohn und stellte damit klar, dass Storms Spukgeschichten keine romantischen Schauermärchen mehr sind.

Christian Demandt moderierte ein Gespräch zwischen Heinrich Detering und Dr. Tilman Spreckelsen von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Es drehte sich um den „realistischen Geisterseher Storm“ und den produktiven Zwiespalt des Dichters, der beides in sich vereint – den Realisten und den Romantiker. Anhand von Beispielen aus Storms „Neuem Gespensterbuch“, „Am Kamin“ und der Novelle Aquis Submersus“ entwickelten die Gesprächspartner das Modell einer unauflösbar zweideutigen Welt und verfolgten Spuren dieses Modells bis hin zu Thomas Manns Erzählkunst.

Am Sonntagvormittag gestalteten Tilman Spreckelsen und Christian Brückner einen Vortrag mit Lesung zum Thema „Der Blick nach drüben – Theodor Storm, eine Einführung“. Der fundierte Vortrag des einen und die aus Film und Fernsehen bekannte und in ihrer Dunkelheit wunderbar die Geisteratmosphäre untermalende Stimme des anderen ergaben eine reizvolle Kombination. Den Abschluss des literarischen Wochenendes bildete die Zeitreise mit einer Theatergruppe der Hermann-Tast-Schule unter der Leitung von Dr. Gabriela Muhl – mit Pferd und Kutsche.

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erstellt am 09.Sep.2013 | 07:00 Uhr

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