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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2017 | 12:57 Uhr

Sprung in die Selbstständigkeit

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gründer wie Lars Carstensen erzählen, wie sie schon als Angestellte erfolgreich waren und wie ihnen das Mut für die Existenzgründung machte.

shz.de von
erstellt am 06.Jul.2017 | 16:11 Uhr

Offenbar liegt es in der Natur der Nordfriesen, dass sie beruflich ihr Leben gerne selbst in die Hand nehmen. Das legen Blicke in die Entwicklung der Unternehmensgründungen nahe. So liegt Nordfriesland im landesweiten Vergleich hinter Ostholstein auf Platz zwei, wie aus einer Studie des Magazins Focus hervorgeht (wir berichteten).

Die Kammern bestätigen diesen Trend. So zählte Gregor Stein, Leiter der Geschäftsstelle Nordfriesland der Industrie- und Handelskammer (IHK) dieses Jahr schon 504 Gründer, die Handwerkskammer 49. Beide Kammern sagen, dass damit das Vorjahresniveau etwa gehalten werde.

Einen besonders markanten Befund liefert das Statistikamt Nord. Es stellt An- und Abmeldungen gegenüber. 2015 gab es in Nordfriesland einen Überschuss von 250 Anmeldungen, alle anderen Landkreise in Schleswig-Holstein gingen plus minus null aus jenem Jahr.

Der Trend, sein eigener Chef oder seine eigene Chefin sein zu wollen, sei in Nordfriesland ungebrochen, so Gregor Stein. Dass es den meisten auch gelingen werde, macht er daran fest, dass fast alle gut vorbereitet bei ihm mit der Bitte um ein Beratungsgespräch anklopfen. „Der Schlüssel für eine erfolgreiche Gründung ist der Businessplan, der aus der Beschreibung der Geschäftsidee sowie Rentabilitäts-, Liquiditäts- und Investitionsplan besteht.“ Im Vorjahr habe er 99 persönliche Beratungen geführt. In diesem Jahr seien es nur 30 gewesen – ein Rückgang, den sich Gregor Stein noch nicht erklären kann, den aber auch die jüngste Gründerstudie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages benennt. Die führt die rückläufige Nachfrage nach Beratungsangeboten darauf zurück, dass Unternehmen verstärkt qualifizierten Fachkräften gute Konditionen im sicheren Angestelltenverhältnis anbieten.

Gregor Stein kündigt an, dass er nach dem laut seiner Aussage erfolgreichen Gründertag in Niebüll Anfang des Jahres in diesem November nach längerer Zeit wieder einen in Husum anbieten werde.Beim Blick in die Landschaft mag man meinen, vor allem Erneuerbare Energien reizen, sich selbstständig zu machen. Doch die Spanne ist viel bunter. Michael Lohmann von der Unternehmensberatung Concept-Nord in Husum hat schon Apotheker, Imker, Handwerker oder Heilpraktiker begleitet. „Wir helfen Gründern durch den Dschungel von Fördermitteln und Zuschüssen.“ Dabei sei der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit einer der bekanntesten, weil man sich mit ihm aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen kann. Unter den vielen Angeboten kenne sich sein Kollege Lasse-Erik Gieseler als zertifizierter Förderlotse am besten aus, betont Lohmann. Er selbst schaut sich mit dem Gründer in der Regel zwei Jahre lang jedes Quartalsergebnis an. Sollten sich Probleme andeuten, erkundigt er sich, wie der Jungunternehmer gegensteuern will und macht seine eigenen Vorschläge.

Diese Förderung unternehmerischen Know-hows durch qualifizierte Beratungsfirmen wie Concept-Nord wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bis zur Hälfte der Beratungskosten bezuschusst. Das gilt für Unternehmer, die nicht länger als zwei Jahre am Markt sind, Bestandsfirmen ab drittem Jahr nach der Gründung und für Betriebe in akuten Problemlagen.

Unisono betonen Berater, dass die nordfriesischen Gründer gut vorbereitet ans Werk gehen. Drei der nordfriesischen Start-ups, die von Michael Lohmann begleitet wurden, berichten, wie sie zu ihrer Entscheidung gefunden haben und wie ihnen die Selbstständigkeit bekommen ist.

Lars Carstensen (Wind Consulting Nord, Hattstedt): Mehr als zehn Jahre im Vertrieb eines Herstellers von Windenergieanlagen sowie drei weitere Jahre bei einem Planer und Projektierer von Windenergieprojekten boten ihm so viele Erfahrungen, dass er sich grundsätzlich in der Lage sah, den Schritt in die Selbstständigkeit gehen zu können. Doch mit Familie und Eigenheim brauchte es eines letzten Anstoßes, um Mut zu fassen. „Mir hat geholfen, dass ich mit meinen Beratern Geschäftsbereiche konkretisieren und eine längerfristige Strategie entwickeln konnte.“

Besin Babic (Sunfjord Holzhäuser, Marne/Dithmarschen): Der Mildstedter war bei einem anderen Holzhaus-Produzenten als Angestellter im Vertrieb tätig und machte sich mit 40 Jahren Gedanken, was er beruflich noch erreichen möchte. Da kam er mit dem Inhaber der Firma Sunfjord in Marne ins Gespräch, der einen Nachfolger suchte. „Bei ein paar Tassen Kaffee haben wir uns in die Augen geschaut, dann war klar, dass wir weiter verhandeln.“

Anfang des Jahres startete er durch und wird jetzt als Chef seines eigenen Unternehmens von den Kunden ganz anders respektiert, natürlich verbunden mit dem Stück mehr Verantwortung, die er nun alleine trägt.

„Mir hat geholfen, dass mein Berater mit mir und dem eingebundenen Kreditinstitut ein passendes Finanzierungskonzept entwickelt hat, welches mir die Firmenübernahme ermöglicht hat.“

Ulf Hansen (Malerbetrieb, Husum): Als angestellter Maler hatte er das Gefühl, mehr leisten, mehr verantworten und mehr verdienen zu können. 2013 hatte er seinen Meister gemacht, aber er zögerte aus privaten Gründen, weil er im selben Jahr Vater geworden war. „Mir hat geholfen, dass mich mein Berater bei der Beantragung der Zuschüsse, insbesondere des Gründungszuschusses der Agentur für Arbeit, unterstützt hat.“ Jetzt hat er so viel Arbeit, dass er jemanden einstellen könnte – und freut sich über Familienzuwachs. Das zweite Kind ist da.

Gründer-Ideen gibt es in nahezu allen Branchen. So begleitete Concept- Nord unter anderem eine Tischlerei (Investition: 100  000 Euro), Malerei (35  000 Euro), eine Apotheke (280  000), Gründung einer Sushi-Bar (25  000), Heilpraktikerin (65  000), Modeboutique (60  000), Kosmetikinstitut (35  000), persisches Restaurant (25  000), Imkerei (50  000) und ein Blumengeschäft (80  000 Euro).

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