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Trauerarbeit mit Kindern : Sprechstunde gegen die Angst vor dem Tod

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Über den Tod spricht man ungern. Schon gar nicht mit Kindern. Der Hospiz-Dienst Husum bietet dafür jetzt einen würdigen Rahmen. Eine Sprechstunde für Dritt- und Viertklässler soll den Kindern das Rüstzeug für die Trauerarbeit geben.

Kinder können meist viel mehr als man ihnen zutraut. Alleine mit dem Bus zur Schule fahren? Mal auf das kleine Geschwisterchen aufpassen? Alles kein Problem! Aber den Tod eines Verwandten verarbeiten? Da tun sich auch Erwachsene schwer. Die Bundes-Hospiz-Akademie möchte Kinder auf diese schweren Momente vorbereiten. Deshalb bietet der ambulante Hospiz-Dienst Husum seit Neuestem einen Treffpunkt für Dritt- und Viertklässler an, die sich mit der Vergänglichkeit des Lebens beschäftigen.

„Wir wollten mehr für die Kinder tun und präventiv agieren“, sagt Renate Kay. Die erste Vorsitzende des Vereins bietet diese „Sprechstunde“, die noch bis zum 25. November immer montags von 15 bis 17 Uhr in der Bürgerschule stattfindet, zusammen mit ihren Kolleginnen Anne-Dore Schmidt-Huesmann und Projektleiterin Karina Hagedorn an. Eingeladen sind alle älteren Grundschüler. Egal, ob sie bereits einen Verlust erlebt haben oder nicht.

Die Idee kam Hagedorn bei einer Fortbildung, wo die 50-Jährige auf eine Kollegin aus Düren traf. Dort entstand das Projekt „Hospiz macht Schule“. Dabei wurde mit Hilfe von Pädagogen und Psychologen eine Projektwoche zum Thema Verlust und Tod entwickelt, die an Grundschulen veranstaltet wird. Die Idee ist schon an der Lüttschool in Joldelund und Drelsdorf umgesetzt worden. „Wir haben dieses Konzept jetzt ein wenig abgewandelt“, erklärt Hagedorn, die aus Immenstedt kommt. In erster Linie betrifft das die Zeit, denn in zwei Stunden könne sicherlich nicht immer alles abgearbeitet werden. „So gibt es aber auch keinen Zwang für die Schüler“, meint die Leiterin.

Während der Sprechstunden sollen sich die Kinder wohlfühlen, sagt Hagedorn. „Wir wollen die Treffen immer in einen Rahmen einbetten“, erläutert die gelernte Krankenschwester. Ein Anfangs- und Abschlussritual ist dazu da, eine Routine entstehen zu lassen. Es sollen auch Geschichten gelesen oder Dinge pantomimisch dargestellt werden. Natürlich ist auch immer genügend Zeit für Fragen vorgesehen, aber die Hospizlerinnen wissen, „dass die Kinder nur dabei bleiben, wenn sie was zu tun haben“.

Das Gespräch in der Gruppe kann aber zu Gefühlsausbrüchen führen. „Da kommen auch schon mal Tränen vor“, berichtet Renate Kay. Das dürfe man auch nicht verbieten, denn Kinder sind sehr sensibel, weiß die 57-jährige Bredstedterin. „Die Kinder sollen mitbekommen, dass Trauer ganz normal ist und sie damit nicht allein sind“, sagt Gregor Crone. Der Geschäftsführer des Kinderschutzbundes empfiehlt daher auch den Erfahrungsaustausch zwischen den Kindern, selbst wenn daraus eine Kettenreaktion entsteht.

Dafür muss nicht mal das Ableben eines Bekannten oder Angehörigen verantwortlich sein. „Auch der Tod eines Haustieres oder ein Umzug stellen Verluste dar“, erörtert Hagedorn. Sie hält das Projekt daher auch für wichtig, denn in diesem Alter würden die Kinder ein Verständnis für das Unvermeidbare entwickeln. „Jüngere Kinder können die Zusammenhänge oft noch nicht herstellen und glauben daher, dass ihre verstorbene Oma bald wiederkommt“, erklärt die Immenstedterin. Ältere Grundschulkinder hätten dagegen „eine natürliche wissenschaftliche Neugier“, die sie offener mit Tod und Verlust umgehen lässt.

Das führt manchmal sogar zu komischen Situationen. „Da wird auch mal ziemlich stark gelacht. Das ist eine wichtige Entspannung zwischendurch“, sagt die Projektleiterin. Man wolle die Kinder ja nicht belasten, sondern „ihnen ein gutes Rüstzeug anlegen“. Eine Patentlösung gibt es nicht.

Sollte es Vorfälle in Schulen geben, bietet der ambulante Hospiz-Dienst auch die Möglichkeit eines spontanen Tagesseminars an. Die Hospizlerinnen besuchen die Einrichtung dann nach dem Prinzip des Projekts „Hospiz macht Schule“. Weitere Infos und Kontaktadressen im Internet unter www.hospizdienst-husum.de und www.hospizmachtschule.de.

 

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erstellt am 01.Okt.2013 | 12:00 Uhr

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