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Runder Tisch zur Integration : Sprachkurse als Knackpunkt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Seit November ist in Husum ein Runder Tisch zur Integration von Ausländern und Flüchtlingen im Aufbau. Die Verwaltung zog eine Zwischenbilanz.

Bis April soll er sozusagen auf den eigenen Beinen stehen: der „Runde Tisch – Vielfalt leben!“, der die Integration von Ausländern und Flüchtlingen in Husum voranbringen soll. „Dann beginnt der zweite Zyklus der Arbeit, in dem er öffentlich vorgestellt und etabliert werden soll“, sagt Kirsten Hartmann von der Abteilung Fallmanagement im Sozialamt. Mit anderen Worten: Ab April nimmt die praktische Arbeit Fahrt auf. Denn der erste Zyklus des im vergangenen August vom Sozialausschuss ins Leben gerufenen Gremiums war ausgefüllt mit der Vorbereitung: „Da haben wir die bestehenden Angebote und Strukturen für Migranten in Husum ausgelotet und Lücken bei der Integrationsarbeit identifiziert.“

In Husum leben 1066 Ausländer. Von denen kommen 296 aus Staaten der Europäischen Union und 770 aus Drittstaaten. Menschen mit Migrationshintergrund, die mittlerweile einen deutschen Pass haben, sind hier nicht mitgezählt. Durch den Zustrom von Flüchtlingen und normalen Zuzug erwartet die Verwaltung in diesem Jahr eine Steigerung von 40 Prozent.

Fünf Schwerpunkte hatte die von Urte Andresen moderierte Runde bei ihrer ersten Sitzung im Oktober herausgearbeitet: Wohnen, Sprache, Gesundheit, Pflege sowie Bildung und Arbeit. Und zu den ersten beiden Punkten liegen mittlerweile konkrete Ergebnisse vor. Wobei diejenigen zum Thema Wohnen wenig überraschend sind: „Die Wohnungsmarktlage in Husum ist seit Jahren angespannt, besonders bei kleinen Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen“, berichtet Kirsten Hartmann. Und da Asylbewerber für viele Vermieter nicht „die erste Wahl“ sind, habe sich die Stadt entschlossen, auch im eigenen Namen Wohnraum anzumieten. „Zudem müssen Asylbewerber beim Einzug ins neue Wohnumfeld besser begleitet werden. Hier wird künftig die in Zusammenarbeit der Stadt Husum, dem Amt Nordsee-Treene und dem Amt Viöl beim Diakonischen Werk geschaffene Fachstelle Migration eine Ehrenamts-Struktur aufbauen und mit den Ordnungsämtern zusammenarbeiten.“

Komplizierter stellt sich die Sachlage bei der nach den Worten von Urte Andresen „für eine erfolgreiche Integration wichtigsten Grundlage“ dar: der Sprache. „Es gibt zwar zahlreiche Sprachkurse für unterschiedliche Niveaus und Zielgruppen“, so Kirsten Hartmann. Noch unzureichend sei jedoch das Angebot für Analphabeten. „Wir unterscheiden bei der Einstufung zwischen Analphabeten, Menschen, die nur keine lateinischen Schriftzeichen beherrschen und gebildeteren Leuten“, erläutert Urte Andresen.

Problematisch seien in diesem Bereich allerdings die Anforderungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) an die amtlichen Integrations-Sprachkurse, die 600 bis 900 Stunden Unterricht umfassen und für die es sogar Kostenerstattung gibt. Zugelassen seien für diese Kurse bislang nur Lehrer, die Deutsch als Zweitsprache studiert haben und Praxiserfahrung nachweisen können. „Das muss heruntergeschraubt werden, wir sind doch keine Uni“, fordert Andresen, und Hartmann ergänzt: „Gute, erfahrene Lehrkräfte können so nicht eingesetzt und Kurse nicht angeboten werden.“

Ergänzt werden die BAMF-Kurse durch kostenlose STAFF(Starterpaket für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein)-Kurse. Die erstrecken sich über 100 Unterrichtsstunden in zehn Wochen und sollen – über das Land finanziert – erste Sprachkenntnisse und Orientierung zum Leben in der neuen Umgebung vermitteln. Zudem gibt es beim Kinderschutzbund, dem Diakonischen Werk und vereinzelt auch in den Dörfern noch von Ehrenamtlichen geleitete Deutschkurse.

Bei letzteren warnt Urte Andresen aber vor zu hohen Erwartungen: „Das Ehrenamt ist eine wunderbare Ergänzung, aber wir können keinen Wildwuchs zulassen.“ Es sei eine Sache, privat einzelnen Menschen Deutschkenntnisse zu vermitteln, eine ganz andere aber, zehn- bis 15-köpfige Klassen zu anerkannten Abschlüssen und weiterführenden Kursen zu bringen. „Wir wollen hier zuerst eine sichere und verlässliche Struktur aufbauen.“

Verstärkt soll auch eine Anbindung über die Schulen erfolgen: „Ein zeitlich parallel zum Schulunterricht stattfindender Unterricht für die Eltern zum Beispiel“, so Kirsten Hartmann. Und spezielle Angebote an berufsbezogenen Kursen – wie etwa Deutsch für Mediziner – sowie Deutschkurse im Internet sollen die Angebote für die Erwachsenen abrunden.

Einfacher sei die Schulung für den Nachwuchs: „Kindergartenkinder lernen die deutsche Sprache sehr schnell, darüber hinaus gibt es vom Kreis finanzierte Förderprogramme.“ Auch die praktische Umsetzung sei auf gutem Weg. „In der Bürgerschule ist ein Deutsch-als-Zweitsprache-Zentrum eingerichtet, das mit einem Mehrstufen-Modell arbeitet: Je nach Niveau erfolgt der Wechsel in die Regelklasse innerhalb eines Jahres“, so Kirsten Hartmann. Auch an der Ferdinand-Tönnies-Schule soll so ein Zentrum eingerichtet werden. Und an der Berufsschule sei im Rahmen des Landesförderprogramms sogar eine eigene Klasse geplant. „Hilfreich ist zudem das Angebot der Nachmittagsbetreuung bei ,Max und Milla‘. Hier können die jungen Schüler ihre Deutschkenntnisse für den Alltag festigen.“


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erstellt am 19.Feb.2015 | 16:00 Uhr

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