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Gesprächsrunde zur Integration : Sprache ist der Schlüssel für alles

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

„Gemeinsam gestalten wir Husum“: Auf einer mehrstündigen Diskussionsveranstaltung tauschten sich Migranten und Helfer aus. Und waren sich einig, dass Integration mit den Deutsch-Kenntnissen steht und fällt.

Seit November arbeitet der „Runde Tisch Husum – Vielfalt leben!“ an Ideen zur Integration von Migranten. Ging es anfangs noch darum, Angebote und Strukturen auszuloten und Lücken zu schließen, so widmete sich die von Urte Andresen von der Fachstelle Migration im Diakonischen Werk moderierte Runde in den vergangenen Monaten schwerpunktmäßig den Themen Ankommen, Arbeit, Sprache sowie Kinder und Jugendliche.

Zu diesen Themen und unter dem Motto „Gemeinsam gestalten wir Husum“ hatte der Runde Tisch in der Berufsschule zu einer mehrstündigen Gesprächsrunde zwischen Migranten, haupt- und ehrenamtlichen Helfern eingeladen. Moderiert von Bürgervorsteher Peter Empen ging es dabei um Fragen wie: Wie schaffen wir Begegnung? Was brauchen Menschen, um sich in einer Gesellschaft heimisch zu fühlen? Und wie wachsen wir zu einer Gemeinschaft zusammen? Im Laufe des Nachmittags wurde immer deutlicher, was den Beteiligten schon zu Beginn klar gewesen sein dürfte: Dass Sprache die elementare Grundlage für erfolgreiche Integration ist.

Zwei Migranten berichteten über ihre Erfahrungen zum Thema „Ankommen“: Parissa kam 2013 aus dem Iran nach Deutschland, Daniel verließ Eritrea vor einem Jahr. Beide landeten zuerst in Neumünster und dann in Niebüll. Von dort kam Parissa nach Nordstrand, wo sie sich einsam fühlte. „Es gab keine öffentlichen Treffpunkte, wo ich Kontakt zu den Menschen hätte bekommen können, und nach Husum kam ich nur einmal im Monat“, erzählte sie. Im Rückblick auf viele lange Tage, in denen das Warten der einzige Zeitvertreib war, bekannte die heute gut integrierte Iranerin: „Damals habe ich gar nicht richtig gelebt.“

Ähnlich erging es Daniel in Friedrichstadt: „Ich wusste nicht, wo ich bin, und was ich machen sollte. Man versteht gar nicht, was passiert“, sagte er und bejahte die Frage, ob schriftliche Informationen mit Einkaufsmöglichkeiten, Öffnungszeiten der Ämter, Fahrplänen und ähnlichem hilfreich gewesen wären. „Aber nur in unserer Sprache“, betonte er.

Um dem Alleinsein und dem Nichtstun zu entfliehen, hätte Daniel „so gerne gearbeitet, auch ohne Geld“. Doch das war damals nicht möglich, und es sollte Monate dauern, bis sich seine Lage besserte. Die Wende kam nach einem Gespräch mit dem Integrationsbeauftragten des Kreises Nordfriesland: „Er war der Schlüssel für all meine Probleme“, sagte Daniel strahlend beim Wiedersehen mit Peter Martensen, der zum Thema „Arbeit“ mit den Geschwistern Tanzeela und Fatah zwei junge „Vorzeige-Migranten“ interviewte. Tanzeela wusste davon zu berichten, wie sie im Alter von zwei Jahren mit ihrer Familie von Pakistan nach Hamburg kam und dort zuerst in einem internationalen Viertel lebte. „Zwölf Jahre dauerte das Asylverfahren“, erzählte sie. In dieser Zeit habe der Vater Arbeit in einer Reederei gefunden und die Familie zog nach Bredstedt. Dort gab es damals kaum Ausländer, Ausgrenzung war noch kein Thema: „Man begegnete uns vor allem mit Neugier“, so Tanzeela, die in Bredstedt allerdings viel stärker als in Hamburg an ihren Sprachkenntnissen arbeiten musste. Dass das am Ende gut für sie war, wusste die junge Frau spätestens, als ihre Bewerbung um einen Ausbildungsplatz beim Kreis erfolgreich war. Heute engagiert sich die Verwaltungsfachangestellte ehrenamtlich als Beraterin für andere Migranten. Dass „Schulbildung extrem wichtig ist“, kann sie den Betroffenen aus der eigenen Erfahrung heraus sehr gut vermitteln.

Aus dem Kreishaus hatte Martensen noch Neuigkeiten mitgebracht: So stellte er mit Lars Treptow einen Kollegen vor, der sich künftig mit der Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt beschäftigt. Ebenfalls neu sei die Anerkennungsberatung für Asylbewerber, die donnerstags im Kreishaus angeboten wird. Zudem sei im Frühjahr eine Bewerbernacht für Migranten geplant.

Zum Thema Sprache hatte Eszter Lovas aus ihren Volkshochschul-Deutschkursen zwei junge Syrer und eine Frau aus Togo mitgebracht. Eugenie berichtete, dass sie zuvor in Togo in der Verwaltung gearbeitet hatte – dort ist Französisch die Amtssprache. In Deutschland musste sie also ganz von vorn anfangen. Mehr als alles andere habe auch ihr beim Deutschlernen der Kontakt zu anderen Menschen geholfen. So sahen es auch die beiden Syrer, die zugaben, Deutsch besser verstehen als sprechen zu können. Aber sie sehen einen tieferen Sinn in ihren Bemühungen: „Eine neue Sprache macht eine neue Person“, sagte Hamal.

Eszter Lovas hofft, dass Asylbewerber künftig noch schneller als bisher die Möglichkeit bekommen, Deutschkurse zu belegen. Und dass ihre Klassen mit derzeit 25 Schülern wieder kleiner werden, um allen gerecht werden zu können. Die Anwesenden bat sie, Migranten im Alltag immer wieder zum Sprechen zu bewegen und ihre Fehler stets zu korrigieren, damit diese sich nicht manifestieren können: „Wenn wir verstehen, was sie sagen wollen, hören wir leider oft mit dem Verbessern auf“, bedauerte sie.

Zum Themenschwerpunkt „Kinder und Jugendliche“ hätten sich viele Anwesende auch ein paar junge Migranten in der Gesprächsrunde gewünscht. Doch man habe leider keine dafür gewinnen können, bedauerte Moderatorin Marketta Weßler. Dabei seien gerade Kinder „die angenehmsten Migranten, die man sich vorstellen kann“. Stellvertretend ergriff ein pakistanischer Vater das Wort: „Kinder müssen die deutsche Sprache lernen, gute Bildung erhalten und die Kultur richtig verstehen“, so der dreifache Vater. Niemand solle die eigenen Wurzeln vergessen, betonte er, es sei aber kein Widerspruch in sich, beide Wurzeln zu verknüpfen. „Man kann andere Kulturen kennenlernen, ohne die eigene Kultur zu verlieren. Geht hin zu den Festen, versteht die Feiertage der anderen, und habt vor allem Vertrauen in Eure eigene Erziehung.“


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