Wertschöpfung durch den TSV Husum : Sport als Wirtschaftsfaktor

Sportkleidung: Ausgaben dafür spülen Millionen in die Kassen des Handels.
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Sportkleidung: Ausgaben dafür spülen Millionen in die Kassen des Handels.

TSV Husum: Arbeitsstunden von Vorständen und Abteilungsleitern sparen der Stadt 381.600 Euro, und der Sportartikel-Kauf spült Millionen in die Kassen des Handels.

shz.de von
21. Januar 2018, 16:00 Uhr

Für fünf Milliarden Euro Umsatz sorgt der Sport in Schleswig-Holstein. Zu dem Ergebnis kommen aktuell der Landessportverband (LSV) und die Industrie- und Handelskammer (IHK) in ihrer Studie „Der Wert des Sports“. Ehrenamt und die gesellschaftliche Bedeutung werden bewertet. Die gleiche Rechnung machen die Husumer Nachrichten mit örtlichen Vereinen auf – und das nicht nur mit Sportvereinen. Dabei geht es auch um die Frage, ob sich die Stadt aus Aufgaben zurückzieht, die ihr im Sinne der Für- und Vorsorge eigentlich obliegt. Zum Auftakt: TSV Husum von 1875.

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Das Gespräch mit dem TSV-Vorsitzenden Detlev Hansen kommt zuerst auf die nur schwer in Euro zu beziffernden Faktoren. So üben sich Kinder und Jugendliche in 24 Abteilungen mit ihren mehr als 50 Angeboten vor allem im sozialen Miteinander. „In Judo und Jiu-Jitsu lernen sie beispielsweise ein hohes Maß an Disziplin – und sie lieben das sogar, offenbar weil es ihnen Halt und Selbstvertrauen vermittelt.“ Hansen erinnert sich an seine Zeit als Handballer. „Die hat mich widerstandsfähig und zielstrebig gemacht, auch den Mannschaftsgeist vermittelt.“ Diese Eigenschaften hätten ihm später beruflich geholfen.

Als Bildungsgutscheine an benachteiligte Familien ausgegeben wurden, sei der TSV landesweit am erfolgreichsten in der Vermittlung gewesen. 70 Kinder profitierten davon. Das sei auf die vertrauensvolle Kooperation zwischen Sozialbehörden und dem Verein zurückzuführen gewesen. Den Familien seien bürokratische Hemmnisse erspart geblieben. Der von Unternehmern getragene Club 75, eine Gruppe von Sponsoren, habe dabei finanzielle Lücken schließen helfen.

Ähnlich unkompliziert sei im Vorstand die Frage beantwortet worden, ob Flüchtlinge in eigenen Kursen eingebunden werden oder gleichen Zugang zu allen Angeboten haben sollen. „Da haben wir den Inklusionsgedanken wörtlich genommen und uns gegen spezielle Kurse entschieden.“

Insgesamt seien die Reaktionszeiten in dem eher traditionellen Verein kürzer geworden. So würden Trends darauf geprüft, ob sie der Bevölkerung einen Nutzen bringen – also nicht nur dem TSV und seinen 2000 Mitgliedern. Darum spricht Hansen auch von „Konsumenten“. Schließlich sei es längst gang und gäbe, dass Kurse auch von jenen besucht werden, die gar nicht Mitglied sind oder werden wollen. Andere würden nur so lange Mitglied bleiben, bis sie ihre Sport-Ziele erreicht haben und dann wieder austreten – ein Wandel, den es zu gestalten gelte. Deutlich mehr investiert werde in die Fortbildung der Übungsleiter, um das hohe Niveau zu halten.

Zu den Bewertungen nach den LSV- und IHK-Formeln: Müsste man die Arbeitsstunden von Vorstand, Abteilungs- und Übungsleitern im TSV mit seinen 24 Sparten und 10.000 Trainingsstunden bezahlen, schlüge das mit rund 381.600 Euro jährlich zu Buche. Diesen – rein rechnerischen – Wert hat das Ehrenamt in dem Husumer Sportverein, soweit es offizielle Ämter betrifft. Unberechnet bleiben hier die vielen Arbeitsstunden, die jedes Mitglied an seinem Platz für das Gelingen des Ganzen aufwendet, etwa in der Begleitung von Kindern und Jugendlichen oder bei der Pflege der Sportanlagen.

Hinzu kommen die tatsächlichen Ausgaben, die zur Wertschöpfung in der Region beitragen. So zahlt der TSV 115.000 Euro an Mitarbeiter in der Verwaltung, unter anderem für Geschäftsführer, Kassenwart und und Büroleitung. Über die Jahre konnten aus den Mitgliedsbeiträgen Rücklagen gebildet werden. Davon sind 150.000 Euro 2018 zur Sanierung des Saales im Vereinsheim eingeplant. Auch solche Summen fließen in den heimischen Markt, genau wie die Ausgaben jedes Sportlers für die persönlichen Trainingszwecke. Überraschend mag klingen, dass laut der LSV/IHK-Studie Apotheken am meistens profitieren, weil dort von Nahrungsergänzungs- bis zu Schmerzmitteln gekauft wird. Dann folgen Käufe von Sportartikeln wie Kleidung, Fahrräder, Skier, Hanteln und Bälle.

Nur mal angenommen, die 2000 TSV-Mitglieder kauften einmal pro Jahr neue Trainingsschuhe zu durchschnittlich hundert Euro, flössen allein dafür in der Region Husum 200.000 Euro in die Kassen der Sportgeschäfte.

Zu erwähnen bleiben die Vorteile, die die Stadt dem TSV gewährt: 2017 zahlte sie einen Zuschuss in Höhe von 27.000 Euro. Überdies verzichtet die Stadt auf die Gebühren für die Benutzung der Sporthallen.

Nächste Folge: Kunstverein Husum

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