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Kristina Boe aus Husum : Spitzensport auf dem Pferderücken

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die gebürtige Husumerin Kristina Boe will sich in Aachen für die Europameisterschaften im Voltigieren qualifizieren.

von
erstellt am 10.Jul.2017 | 13:00 Uhr

Sie ist deutsche Meisterin und Vizeweltmeisterin, allerdings in einer weniger medienwirksamen Disziplin als Fußball oder Tennis. Wie sie zum Voltigieren gekommen sei  .  .  .  ? Kristina Boe zuckt mit den Achseln: „Das mache ich schon mein Leben lang.“ Ihre Mutter sei Trainerin gewesen, „und wir waren bereits als Babys immer mit dabei. Am Anfang war es nur Spaß“, räumt die Husumerin ein. Doch inzwischen sei der Sport ein unverzichtbarer Teil ihres Lebens geworden. Und das darf gern noch ein bisschen so bleiben, auch wenn die 29-jährige Notfallmedizinerin nur zu gut weiß, „dass ihre Uhr tickt“.

„Voltigieren ist ein sehr dynamischer, Kräfte zehrender Sport“, sagt Kristina Boe. Die meisten hörten so mit 30, 35 Jahren auf. Doch noch fühlt sie sich topfit, trainiert neben ihrem „40-und-mehr-Stunden-Job“ 20 bis 25 Stunden pro Woche – vor einem Turnier auch mehr. Für Freizeit – Freunde, Kino oder Urlaub – bleibe da wenig, ja im Grunde fast keine Zeit. Und doch will sie beim Weltfest des Pferdesports, dem CHIO (Concours Hippique International Officiel) vom 14. bis zum 23. Juli in Aachen wieder angreifen und sich für kommende Aufgaben empfehlen. Die Chancen stünden gut, meint Kristina, die sich seit 2011, als sie erstmals bei den Europameisterschaften auflief, regelmäßig für alle wichtigen Championate qualifizieren konnte. Bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft für Deutschland antreten zu dürfen, sei natürlich etwas ganz Besonderes, sagt sie und verspürt nur bei dem Gedanken daran „schon wieder dieses Kribbeln“.

In Aachen gehen übrigens nicht nur Voltigierer an den Start. „Das Turnier ist eine Art nationales Gegenstück zu den sogenannten Weltreiterspielen, die – wie Olympische Spiele – alle vier Jahre ausgetragen werden. Hier wie dort sind neben den verschiedenen Disziplinen auch sämtliche Spitzenkräfte des Reitsports versammelt. Und hier wie dort erfahren die Voltigierer jene Aufmerksamkeit, die ihnen gebührt.

Das Team von Einzelvoltigiererinnen, mit dem Kristina in Aachen an den Start gehen wird, besteht aus vier Frauen, die sich „bestens verstehen, aber im laufenden Turnier nichts schenken werden“. Außerdem können nur drei von ihnen die Tickets für die nächsten Europameisterschaften lösen. Das erfordert höchste Aufmerksamkeit, zumal „jeder noch so kleine Fehler erbarmungslos bestraft wird“. Darüber hinaus kommt es nicht nur auf Kristina selbst an: Auch Longenführerin Winnie Schlüter, mit der sie seit vielen Jahren zusammenarbeitet und die dafür sorgt, dass ihr Pferd ruhig seine Runden dreht, während sie ihre Choreographie vorträgt (und natürlich das Pferd selbst), sind elementar am Erfolg oder Misserfolg beteiligt. „Winnie zum Beispiel steht bei der Medaillen-Vergabe mit auf dem Treppchen“, sagt Kristina, „oder eben auch nicht.“

In Aachen darf die Husumerin auf zusätzliche Unterstützung hoffen. Neben Longenführerin und Pferd, das übrigens nicht ihr, sondern ihrem Verein, dem Reit- und Voltigierverein Kirchwärder, gehört, ist auch Kristinas „große“ Schwester Andrea (30) mit am Start. Die kennt den Voltigiersport ebenfalls aus dem Effeff und wird diesen Teil der Veranstaltung moderieren. Und dann ist da noch der Spielmannszug Rödemis, mit dem der Familienname Boe ja seit Jahrzehnten eng verbunden ist. Pressesprecher Günter Janßen freut sich schon auf das kommende Wochenende. Das Showprogramm in Aachen stehe in diesem Jahr unter dem Motto „Pferd & Sinfonie“, weiß er zu berichten. „Und man hat uns gefragt, ob wir dabei sein möchten.“ Perfektes Timing, denn am 14. und 15. Juli stehen die Rödemisser Spielleute selbst im Wettkampf – im niederländischen Kerkrade, von wo sie schon so manche Trophäe mit nach Hause gebracht haben. „Und so ein Angebot bekommen wir nicht alle Tage“, sagt Janßen. Außerdem liegen Aachen und Kerkrade im Gegensatz zu Husum nur einen Steinwurf voneinander entfernt.

Doch zurück zu Kristina Boe, die sich wenige Tage vor dem Start nach Aachen auch noch eine böse Bronchitis eingefangen hat und gestern das Bett hüten musste. Ob sie erklären könne, warum gerade Mädchen so pferdeverrückt sind? „Eigentlich nicht“, sagt sie Sportlerin. Und im Laufe der Zeit relativiere sich das auch. Der Bundeskader zum Beispiel bestehe aus drei Frauen und drei Männern. Im vergangenen Jahr hat Kristina Boe in Aachen gewinnen können. Das würde sie gern wiederholen. Doch die Konkurrenz ist stark. Das weiß sie, aber schrecken muss es sie nicht.

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