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Grosses Sanierungsprojekt : Spender für Eiderstedts Kirchen gesucht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das große Sanierungsprogramm für den Kulturschatz der Halbinsel soll im kommenden Jahr starten – ohne Sponsoren geht es dabei nicht.

Die Kirchen auf Eiderstedt benötigen dringend Hilfe: In Oldenswort droht das Chorgewölbe einzustürzen, im Kotzenbüller Gotteshaus hat der Holzwurm im Dachgebälk ganze Arbeit geleistet, und in Osterhever und in Garding ist jeweils die Westwand des Kirchturms in Bewegung geraten. Das sind nur einige Beispiele für den großen Sanierungsbedarf auf der Halbinsel. Der Kirchenkreis geht von Kosten in Höhe von 18,7 Millionen Euro aus, um die mittelalterlichen Gotteshäuser für die nächsten Jahrzehnte zu sichern. Eine gewaltige Summe, aber ohne diese Investition würde nicht nur die Halbinsel ihren größten kulturellen Schatz verlieren: Die Kirchenlandschaft auf Eiderstedt ist bundesweit einzigartig, nirgendwo sonst gibt es derart viele historische Gotteshäuser. Auf Eiderstedt steht in so gut wie jedem Dorf eine Kirche.

Hilfe ist in Sicht: Die Bundesregierung will die Hälfte der Kosten übernehmen und stellt 9,35 Millionen Euro zur Verfügung. Die andere Hälfte muss der Kirchenkreis Nordfriesland aufbringen. Wie das geschehen kann, das erläuterten Vertreter in der jüngsten Amtsausschuss-Sitzung. Denn dieses Großprojekt braucht auch die Unterstützung der Kommunen und ihrer Bürger.

Die größte Gefahr für die Gotteshäuser geht von der Statik aus, wie Kirchenkreis-Architekt Pieter Dubbeldam erläuterte. „Zunächst waren die Kirchen einfache Saalbauten. Dann kamen Chor und Turm hinzu, das brachte zusätzlich Gewicht und Druck auf die Warften.“ Ein zweites Problem wurde mit der Fugensanierung vor 100 Jahren verursacht. „Damals wurde Zementmörtel verwendet, der zu hart ist für die weichen Ziegel.“ Feuchtigkeit und Frost dringe ein und verursache Abplatzungen. Die Fugen müssten nun alle nachgearbeitet werden. Und zum dritten ist der Schädlingsbefall in den Dachstühlen erheblich, so Dubbeldam.

„Wir wollen die Kirchen erhalten“, betonte Propst Jürgen Jessen-Thiesen. „Die Menschen hier sind mit ihnen verbunden. Wie sieht es aus, wenn die erste Kirche zusammenbricht?“ Wenn jetzt die Dach- und Fach-Sanierung angepackt werde, dann wäre die nächsten 30 Jahre Ruhe. „Die Unterstützung durch den Bund ist eine tolle Sache. Das kommt der Kultur, dem Tourismus und letztlich auch der Wirtschaft in der Region zugute.“ Ausgenommen von der Aktion ist die Kirche in Vollerwiek, die vor sechs Jahren saniert worden ist, sowie St. Nicolai in Ording, die soweit in Ordnung ist, wie der Propst sagte. Mit den Arbeiten soll im Sommer oder Herbst 2017 begonnen werden. Zuvor müssen noch die Bauunterlagen erstellt werden. Pastor Ralf Pehmöller nannte beispielhaft einige Zahlen: 3,7 Millionen Euro sind demnach für die einsturzgefährdete Kirche in Kotzenbüll erforderlich, darin enthalten ist auch die Restaurierung der Färberorgel, die Original-Pfeifen aus dem 16. Jahrhundert enthält. Für die Gotteshäuser in Tönning und Garding werden je zwei Millionen Euro fällig.

9,35 Millionen Euro müssen also noch aus der Region aufgebracht werden. 7,5 Millionen Euro werden vom Kirchenkreis über ein Darlehen finanziert, wenn die Synode am 18. Juni zustimmt. 305.000 Euro müssen die Kirchengemeinden Eiderstedts einbringen. Und die übrigen 1,525 Millionen Euro – so das ehrgeizige Ziel – werden über Sponsoren und Spenden eingeworben. Da die Sanierung erst 2024 beendet sein soll, wären das pro Jahr 200.000 Euro, so Pehmöller. „Wir werden uns aber auch bemühen, weitere Fördergelder zu bekommen.“

Für das Fundraising ist Pastor Michael Goltz aus Schwabstedt zuständig. Er bat die Gemeinden und Tourismusvereine um Unterstützung und um Kontakt zu langjährigen Urlaubern sowie Buten-Eiderstedtern (auch im Ausland). Aber auch um Vorschläge für mögliche Großspender und für ein bekanntes Gesicht für die Aktion. Werbung könne auch jeder Vermieter machen, der seinen Gästen die Kirchen zeige und den Infoflyer verteile. Jeder könne zum Schutzengel für die Kirchen werden.

In der Diskussion schlug Bernd Petersen (Garding) vor, dass die Kirche doch der Stadt nun endlich ein Stück Land verkaufen könne, 360.000 Euro seien dafür im Gespräch. Peter Theodor Hansen stieß in ein ähnliches Horn. Worauf der Propst erwiderte, dass die Kirche ja die Einnahmen aus den Ländereien benötige. Hans Jacob Peters (Tating) lobte das Projekt, machte aber deutlich, dass mehr Zeit für Seelsorge in den Gemeinden sein müsste. Insgesamt fand das Vorhaben ein positives Echo.

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erstellt am 07.Jun.2016 | 12:30 Uhr

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