Husum: Bürger und Politiker im Speed-Dating : Speed-Dating in Husum: Reden, bis die Glocke läutet

Gesprächsstoff gab es genug: Die Speed-Dater in Aktion.
Gesprächsstoff gab es genug: Die Speed-Dater in Aktion.

Die Husumer fragen, ihre Stadtpolitiker antworten: Die Husumer Nachrichten hatten zum Speed-Dating mit den Parteien in den Kulturkeller geladen.

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14. April 2018, 09:00 Uhr

Auch wenn sie den Politikern gerade keine Löcher in den Bauch fragten – an Gesprächsbedarf mangelte es den Teilnehmern nicht. Speed-Dating mit Kommunalpolitikern: Dazu hatten die Husumer Nachrichten in den Kulturkeller eingeladen. Zwölf Bürger aller Altersklassen nutzten die Gelegenheit, Fragen und Sorgen ohne Umwege direkt an die örtliche Politik zu richten.

Je sechs Minuten standen je sechs Bürgern zur Verfügung, um jedem der Vertreter von CDU, SPD, FDP, SSW, Grünen und Wählergemeinschaft zu entlocken, was sie im Fall eines Wahlsiegs von ihnen zu erwarten haben – oder loszuwerden, was sie schon immer loswerden wollten. Doch wer glaubte, dass sich die anderen sechs Bürger einfach nur am Tresen verlustieren würden, der irrte. Im Gegenteil: Dort wurde genauso munter debattiert wie an den Speed-Dating-Tischen, und darüber hinaus kam es zu mancher überraschenden und erhellenden Begegnung.

Zum Beispiel der zwischen einem Vertreter der Wirtschaft und einem Flüchtling, die sich relativ schnell einig waren, dass Arbeit und Struktur die beste Form der Integration seien – vorausgesetzt natürlich, dass man Arbeit bekommt. Das sei hierzulande immer noch viel zu schwierig. Auch in diesem Punkt konnten die Gesprächspartner schnell Einigkeit erzielen. Oder der syrische Flüchtling selbst, den die Frage beschäftigt, was die Politik wohl machen wird, wenn „die nächste Flüchtlingswelle auf uns (!) zurollt. Denn die wird kommen“, ist er überzeugt. Oder der junge Mann, der sich derzeit als Kellner verdingt, weil er gemerkt hat, dass das Studium in Kiel ihn nicht wirklich ausfüllt und sein Sehnsuchtsort Husum ist. In einer solchen Situation merke man erst, was die Stadt für junge Leute alles nicht zu bieten habe: „Das wird auch ein Schwerpunkt meiner Fragen an die Politik sein“, sagte er und bemängelte vor allem, dass es versäumt worden sei, eine Hochschule in die Stadt zu holen. Aber was nicht ist, könne ja noch werden. „Etwas mehr Innovation wäre dazu allerdings schon erforderlich.“

Manchen erinnerte der Abend auch an längst vergangene Zeiten. Zum Beispiel die ältere Dame, die an ihrem Weinglas nippte und beinahe verzückt feststellte, dass es „eine halbe Ewigkeit her“ sei, dass sie zuletzt am Kneipentresen gesessen habe. Das mache sie vielleicht wieder öfter.

Allen Gästen gemein war das Interesse für das Geschehen in ihrer Stadt und der Wunsch, einmal aus erster Hand zu erfahren, wie Politiker aller Couleur zu Themen wie der Dockkoog-Bebauung, aber auch dem neuen Schwimmbad, der Wohnraum-Situation und vielen anderem mehr stehen. „Hier ist eine sehr erfrischende, konstruktive Atmosphäre“ fasste es eine Besucherin zusammen und wünschte sich „so etwas nicht nur gern öfter, sondern regelmäßig – denn Kommunikation ist alles“.

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