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Husumer Nachrichten

24. Oktober 2017 | 06:15 Uhr

Casting : Spaß vor und hinter der Kamera

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit ihren Projekten will eine Gruppe von jungen Husumer Filmemachern Tabus brechen. Für drei neue Ideen wurden über ein Casting neue Mitstreiter gesucht.

Dem Aufruf zum Casting des vor drei Jahren gegründeten Vereins „Tabu Filmprojekte Husum“ folgten 17 junge Leute im Alter zwischen 12 und 24 Jahren. Im Kulturkeller im Schlossgang erfuhren sie von Projektleiterin Helga Lütjens (69) und den derzeitigen Hauptakteuren des Vereins, welche Filmprojekte die Gruppe aktuell verfolgt und welche „Jobs“ an lernwillige Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu vergeben sind.

„Spaß und Lernen müssen sich nicht ausschließen“, betonte Helga Lütjens und übergab das Wort an Jasmin, die im jüngsten Filmprojekt „Laila“ die Hauptrolle gespielt hatte, aber auch Erfahrungen hinter der Kamera sammeln konnte. Die 18-Jährige berichtete, dass sie derzeit gemeinsam mit Lasse (17) und Josie (17) an der Kulturschule im dänischen Tondern das Handwerk des Filmemachens von der Pike auf lernt. Zwei Jahre lang fahren die drei ein- bis zweimal im Monat nach Dänemark, um dort mit erfahrenen Regisseuren zu arbeiten.

Professioneller zu werden, das ist auch Rosalie (16) wichtig, die sich bei „Laila“ zum ersten Mal erfolgreich als Komponistin von Filmmusik versucht hatte, während Kristin sowohl an Regie und Schauspiel Gefallen fand und diese Kenntnisse nun weiter vertiefen möchte.

Schauspieler werden, das wollen auch die meisten der jungen Casting-Teilnehmenden, wie sich bei der persönlichen Vorstellung herausstellte. Ihr Erfahrungsschatz in diesem Metier ist sehr unterschiedlich. Violetta (12) gestand beispielsweise, dass sie noch gar keine Erfahrungen auf der Bühne gesammelt hat. Ein Geständnis, das Helga Lütjens umgehend mit einem aufmunternden „umso besser“ kommentierte, während sie bei Vivian spontan überlegte, zusätzlich ein Musicalprojekt auf die Beine zu stellen. Denn die 22-Jährige, die ebenso wie ihre Freundin Vanessa bereits in verschiedenen Produktionen mitgewirkt hat, stellte auf der Bühne mit einem Lied aus dem Musical „Linie 1“ ihr Gesangstalent überzeugend unter Beweis.

Das ernste Fach hingegen wusste Thies zu bedienen: Der 17-Jährige hatte in einem Stück über Theodor Storm mitgespielt und gab spontan eine Passage aus seiner Rolle als Professor Dr. Karl Ernst Laage zum Besten.

Die Motivation ist ebenfalls bei allen anders gelagert. So hat Joke (15) bisher nur privat Filme gedreht und möchte gern lernen, wie die Profis so etwas machen, während Nele (18) in ihrer Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin ihre Leidenschaft für das Theater entdeckt hat.

„Okay, ihr wollt lernen, ihr wollt gut sein und ihr wollt über euch hinauswachsen“, fasste Helga Lütjens nach der Vorstellungsrunde zusammen und forderte Durchhaltevermögen ein: „Wenn ihr bei den Zuschauern Emotionen auslösen wollt, müsst ihr Spaß daran haben, perfekt zu werden. Selbst wenn das bedeutet, dass eine Einstellung zum 27. Mal gedreht werden muss“, sagte sie, versprach aber auch, dass die Arbeit genau in diesem Moment anfängt, so richtig Spaß zu machen.

Sie schlug drei Projekte vor, denen sich der Nachwuchs anschließend in Gruppen widmete: ein Film über Flüchtlinge, die ihre Geschichten erzählen sollen, „damit wir von ihnen lernen können“; ein grenzüberschreitendes Projekt mit dänischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Vor- und Nachteile der Schulsysteme auf beiden Seiten der Grenze – die Treffen dazu werden jeweils in Leck stattfinden – und ein Film über Menschen mit Handicap. Ein Projekt wie für Tobias (24) gemacht, der überzeugt davon ist, dass auch Blinde wie er gute Filme machen können. Zwar braucht er in alltäglichen Dingen ein bisschen die Hilfe der anderen, doch kennt er sich durch ein Radio-Projekt bereits gut mit Tontechnik aus und möchte die Gruppe mit seinen Fähigkeiten unterstützen. Auch vor der Kamera zu stehen, kann er sich vorstellen, während Marvin (16) einfach nur lernen möchte, wie man Filme schneidet.

Insgesamt wurde bei diesem Casting deutlich, dass man von der Tabu-Filmprojektgruppe in nächster Zeit ganz sicher noch viel sehen und hören wird.

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