zur Navigation springen

Energieberatung der besonderen Art : Spartipps statt Tupperware: Klimaschutz am Kamin

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Ehepaar Wiese aus Dagebüll hat zu einer der ersten Energieberatungs-Partys Deutschlands gebeten. Auch Nordfrieslands Klimaschutzmanager Gunnar Thöle ist zu Gast.

Die Gastgeber hören das Wort „Tupperparty“ nicht gerne, doch es fällt gleich in der Vorstellungsrunde. Dabei haben Petra und Stephan Wiese im nordfriesischen Dagebüll-Waygaard nicht etwa eingeladen, um Küchenartikel aus Kunststoff zu verkaufen. Sie wollen ihren rund 20 Gästen etwas schenken: ihr persönliches Konzept energieeffizienten Wohnens auf der Basis erneuerbarer Energien.

Das Ehepaar hat daher zu einer der ersten Energieberatungs-Partys Deutschlands gebeten und mit dieser Veranstaltungsform ganz bewusst an den Strukturvertrieb für Körperpflegeprodukte, Mode oder Schmuck angeknüpft. Doch hier geht es in keiner Weise um den Verkauf von Dienstleistungen oder Produkten, sondern ausschließlich um die Vermittlung intelligenter Lösungen, um Energie und Geld zu sparen, die Natur zu schonen und gleichzeitig das eigene Lebensgefühl zu verbessern.

Das Ehepaar Wiese – sie ist Heilpraktikerin mit eigener Praxis im Haus, er Projektmanager für Elektromobilität – porträtieren als erstes ihr Haus: 1795 gebaut, 2003 von ihnen erworben und Schritt für Schritt ausgebaut mit Photovoltaik, Solarthermie und Pelletheizung sowie einem Elektro- und einem Hybrid-Auto in der Garage. Nordfrieslands Klimaschutzmanager Gunnar Thöle flicht grundsätzliche Bemerkungen ein: „In Husum wird im bundesweiten Vergleich die meiste Energie fürs Heizen verfeuert, und in ganz Nordfriesland sind noch 80.000 Wohnungen energetisch auf Vordermann zu bringen.“ Deshalb hat er die Energieberatungs-Partys angeregt und wird sie weiterhin begleiten. „Die ökologischen, technischen und wirtschaftlichen Eckdaten erneuerbarer Energien sind den meisten schon bekannt, in den Partys geht es jetzt um praktische Beispiele oder konkrete Berechnungen“, betont Stephan Wiese. Voller Stolz könnten die jeweiligen Gastgeber dabei auf ihre energetischen Lösungen hinweisen und diese Nachbarn und Kollegen vorstellen. „Schließlich ist es an der Zeit, Energiesparen zum gesellschaftlichen Ereignis zu machen“, fügt Wiese hinzu. Schon jetzt genießen jene Menschen hohes soziales Ansehen, die sich mit dem Schutz unseres blauen Planeten und seiner Lebensräume befassen, während andere Statussymbole, etwa PS-starke Autos mit Verbrennungsmotoren, laut einer Studie der Berliner Strategieberatung Prophet aus dem Vorjahr an Bedeutung verlieren.

Zum Schluss läuft die Party noch heiß, erstens wegen des Kaminofens in der Wohnstube und zweitens, weil die Gäste die Sinnhaftigkeit des Einsatzes erneuerbarer Energien grundsätzlich diskutieren. Da schlägt noch einmal für den von seinem Konzept überzeugten Hausherrn die Stunde: Anhand seiner mehrjährigen Aufzeichnungen kann er nachweisen, dass er pro Jahr fast 1000 Euro Energiekosten eingespart hat. Während andere für eine Kilowattstunde Wärme noch immer 195 Gramm des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid (CO2) bei Heizöl oder 158 Gramm CO2 bei Gas emittieren, sind es nur neun Gramm beim Einsatz von Holzpellets.

Andrea Jensen schaut auf Wieses Energiepass: „Das ist schon Wahnsinn, der zeigt dreimal bessere Werte als in vergleichbaren Gebäuden.“ Dennoch: Die Party hat ihr mit der Mischung aus präziser Information und guter Unterhaltung viel Spaß gemacht. Die Gastgeber fügen hinzu: „Wenn unsere Gäste inspiriert worden sind, ist das doch richtig gut.“ Und ein weiteres Ziel ist ebenfalls erreicht worden: Einer der Gäste hat sich bereit erklärt, die nächste Energieberatungs-Party bei sich zu veranstalten – und schon verbreiten sich die Ideen weiter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen