Jubiläumskonzert in Husum : Spannungsvolle Kontraste

Blumen für Dirigent und Solisten: Christoph Jensen und Claudia Buhrmann (vorn), dahinter Corinna Söller und Judith Brandenburg.
Blumen für Dirigent und Solisten: Christoph Jensen und Claudia Buhrmann (vorn), dahinter Corinna Söller und Judith Brandenburg.

Theodor Storms Chor wurde in der Messe Husum & Congress begeistert gefeiert.

shz.de von
04. Juni 2018, 07:00 Uhr

Vermutlich hat Theodor Storm, als er 1843 den Husumer Singverein gründete, niemals einen Gedanken daran verschwendet, ob der Chor auch 2018 noch existieren würde. Umso größer wäre seine Freude an diesem Jubiläumskonzert zum 175-jährigen Bestehen seines Chores in der gut besuchten Messe Husum & Congress gewesen, bot es doch alles, was dem Dichter und leidenschaftlichen Musikliebhaber am Herzen lag: schöne Stimmen, großartige Solisten, eine reife Orchestrierung und ein anspruchsvolles Programm, das ganz in Storms Sinne mit Messen von Mozart und Palmeri klassische und moderne Musikliteratur in spannungsvollen Kontrast setzte.

Unterstützt von der Kidderminster Choral Society aus Husums englischer Partnerstadt und dem Ensemble concerto classico entfaltete Theodor Storms Chor unter dem Dirigat von Geoffrey Weaver schon in Mozarts Trinitatis-Messe den ganzen Reichtum seiner Stimmen, lotete die Höhen und Tiefen des Kyrie aus, glänzte im Gloria mit flammender Lobpreisung und im Credo mit großer Innigkeit, war mal jubelnd, strahlend und kraftvoll, mal zart und andächtig, dann wieder dunkel und getragen, um am Ende im Agnus Dei mit „Dona nobis pacem“ ein nachdrückliches Ausrufezeichen zu setzen. Das war Chormusik in ihrer schönsten Form: rein, klar, modulationsreich und ausdrucksvoll.

Ergreifend intensiv: Martin Palmeris „Misa a Buenos Aires“, eine von Piazzollas Tango Nuevo inspirierte Messe, bei der traditionelle Stilmittel in eine komplexe, zeitgenössische, stark rhythmisch geprägte Komposition einfließen. Hier harmonierten Chor, Orchester und Solisten in mitreißendem Zusammenspiel, bei dem ein leidenschaftlich und mit vollem Körpereinsatz dirigierender Christoph Jensen die Fäden zusammenhielt.

Bewegend schön: Claudia Buhrmanns klarer Mezzosopran, das expressive Klavierspiel Corinna Söllers und, vor allem, die virtuosen Bandoneon-Klänge Judith Brandenburgs: Sie gaben Palmeris liturgisch geprägter Messe die wehmütige Tango-Seele und tänzerische Klangfarbe, setzten rhythmische Zäsuren und emotionale Akzente von erzählerischer Qualität. Getragen von Melancholie, Leidenschaft, Feuer, Poesie und zarter Hingabe wurde der „Misa Tango“ des argentinischen Komponisten zum gefeierten Höhepunkt eines Jubiläumskonzertes, das im besten Sinne Werbung für Theodor Storms Chor von 1843 war.

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